Protest gegen Windrad-Giganten
Protest gegen Windrad-Giganten

Münster-Sandrup -

Der Protest richtet sich gegen Windräder von 200 Metern Höhe. In Sandrup rund um den Heimathof ist man ziemlich sicher, dass über die Standorte längst entschieden ist.

Donnerstag, 23.06.2016, 05:06 Uhr

So ist Windkraft am und rund um den Sandruper Heimathof willkommen: Marie-Louise und Großvater Alfred Bölling. Der Protest richtet sich gegen Windräder von 200 Metern Höhe.
So ist Windkraft am und rund um den Sandruper Heimathof willkommen: Marie-Louise und Großvater Alfred Bölling. Der Protest richtet sich gegen Windräder von 200 Metern Höhe. Foto: kaj

Die Menschen in Sandrup sind alarmiert. Die 65. Änderung des Flächennutzungsplans der Stadt Münster , in dem es um die Festlegung von Konzen­trationszonen für Windenergie geht, ist ihnen suspekt. Auf einmal tauchen Windrad-Giganten am Horizont auf.

„Gegen Windräder mit Hundert Metern Gesamthöhe nebst fünffachem Abstand hätten die meisten von uns nicht gemuckt“, erklärt Alfred Bölling , Vorsitzender des Heimatvereins Sandrup-Sprakel-Coerde, mit Blick auf die Nachbarschaft am Max-Klemens-Kanal. „Gerade wir Heimatfreunde fühlen uns der Umwelt längst verpflichtet.“ Der Sandruper Heimatverein ist seit Jahren Vorreiter in Sachen Energieautarkie: Photovoltaik auf dem Dach und Erdwärme – all das sind umweltbewusste Investitionen in die Zukunft.

Nun wollten die Stadtwerke laut ihrer Bilanz den Geschäftszweig Ökostrom weiter ausbauen, obgleich die Zielmarke von 20 Prozent nach ihren eigenen Angaben bereits erreicht sei, wundert sich Bölling. Trotzdem soll weiter ausgebaut werden, um bis Ende des Jahres 15 000 Kunden außerhalb von Münster mit Strom zu beliefern (WN, 17. Juni).

Von 30 möglichen Standorten prüfen die Stadtwerke neun Standorte, fünf sollen in diesem Jahr realisiert werden. Die San­druper Zone 3 a ist auch darunter. Wirtschaftlich sind Anlagen im Binnenland laut Tobias Krause-Kämereit vom Stadtplanungsamt (WN, 18. Juni) erst ab 200 Metern Höhe.

In Sandrup ist man ziemlich sicher, dass über die Standorte längst entschieden ist. Bereits im Februar hätten die Stadtwerke das Gutachter-Büro Enveco mit einer Schallimmission-Prognose betraut. Dabei seien mehrfach Privatgrundstücke „unangemeldet und nicht genehmigt betreten“ worden, „verbunden mit erschlichenen Fertigungen“ von Fotos. Auch markierten rote Pflöcke in den Feldern die genauen „Baustellen-Punkte.

Für den Heimatverein bleibt das Fazit: Wenn die Verträge schon seit geraumer Zeit geschlossen, die Baustellenpunkte schon eingeschlagen seien, die Schallprognose (keine Gutachten) erstellt sei – „worüber wollen unsere gewählten Ratsmitglieder da noch befinden?“, fragt sich Alfred Bölling. Rund 30 000 Bürger Münsters hätten die ehrenamtlich geführte Heimathaus- und Hofanlage im Laufe der Jahre schätzen gelernt. Er selbst habe seit 1976 mehr als 10 000 Stunden mit viel Herzblut in Erhalt und Gestaltung für den Heimathof eingebracht, die Hälfte davon handfeste Maloche.

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