Rotes Zelt am Kirchplatz
Erzählkunst in digitalen Zeiten

Münster-Sprakel -

Im roten Zelt am Kirchplatz wurden Geschichten erzählt: morgens für Kinder, mittags für Senioren und nachmittags für alle anderen Interessierten.

Donnerstag, 11.07.2019, 19:28 Uhr aktualisiert: 18.07.2019, 18:36 Uhr
Thomas Hoffmeister-Höfener ist professioneller Erzählkünstler. Er schlug sein rotes Zelt auf der Wiese neben der St.-Marien-Kirche auf.
Thomas Hoffmeister-Höfener ist professioneller Erzählkünstler. Er schlug sein rotes Zelt auf der Wiese neben der St.-Marien-Kirche auf. Foto: sun

Geschichten und Märchen erzählen – sind das im Zeitalter der Digitalisierung nur Reliquien längst vergangener Zeiten?

Nein, lautete unisono die Antwort der Besucher, die es sich im roten Zelt des Vereins „Theomobil“ auf der Wiese neben der St.-Marien-Kirche auf Sitzkissen und Bänken gemütlich gemacht hatten und in der Erzählrunde für Erwachsene die Kunst des Geschichtenerzählens erlebten. „Theomobil“ ist nach eigenen Angaben ein Verein für religions- und kulturpädagogische Projektarbeit.

Getragen von Wortbildern, unterstützt von Gesten, der Stimme und mit der Betonung oder der Lautstärke inspirierten die Erzählerinnen Heike Dickert , Christiana Hahne, Barbara Beckmann und Christina Strebick im roten Erzählzelt die Fantasie der Zuhörer. Die Assoziationen erweckten das Vorgetragene in den Köpfen des Publikums zum Leben und entführten jeden Zuhörer in seine eigene Kopfkinowelt.

Eine nicht ganz einfache Kunst, die in Sachen Perfektion schon einer fundierten Ausbildung bedürfe, berichten Heike Dickert, Mitarbeiterin der Kita St. Marien, und Christina Strebick von der Kita St. Josef. Die beiden Erzieherinnen hatten an der vom Bistum Münster angebotenen einjährigen Projekt-Fortbildung „Lebensort des Glaubens“ teilgenommen. Zum Abschluss ihrer Erzähl-Ausbildung stand nun das rote Zelt neben St. Marien. Erzählt wurde vormittags für Kita-Kinder, mittags für Senioren und nachmittags für Eltern. Thematisch galt es, unter Leitung von Thomas Hoffmeister-Höfner die Kunst des lebendigen Erzählens zu lernen und die verschiedenen Erzähltechniken zielgruppengerecht umzusetzen.

„Als erstes geht es darum, sich vom geschriebenen Wort zu trennen und für sich vor den eigenen Augen einen Film zu entwickeln“, berichtete Hoffmeister-Höfner, der Leiter der Erzählwerkstatt. Habe man sich so der Geschichte genähert und die Botschaft herausgearbeitet, gelte es, die Sprache, Betonung und Gestik dem Alter der Zuhörer anzupassen. Schließlich nehme man sein Gegenüber mit auf eine Reise in die Welt der Fantasie.

Genau da liegt der Schlüssel. Der Erzähler kann durch Erzählstrategien und -techniken direkt auf die Reaktionen der „Reiseteilnehmer“ eingehen: Stimmungen verstärken, Bilder hervorheben und am Ende der Geschichte ein Gefühl von Spaß und Entspannung erzeugen. Natürlich können zur Verstärkung des gesprochenen Wortes Musik oder Requisiten eingesetzt werden. Verkleidungen des Erzählers geben dem frei Erzählten manchmal noch einen mystischen Impuls.

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