Stadt und Eigentümer kommen bislang nicht zusammen
Sperre auf einem Rieselfeld-Radweg

Münster-Nord. -

Ein Privatweg, über den ein Radweg in die Rieselfelder führt, ist gesperrt. Stürzt dort jemand, wäre der Eigentümer haftbar. Das Risiko ist ihm zu hoch.

Mittwoch, 29.01.2020, 18:20 Uhr
Der sanierte Wöstebach endet an dieser Stelle. Hier beginnt der Privatweg, für den der
Der sanierte Wöstebach endet an dieser Stelle. Hier beginnt der Privatweg, für den der Foto: Katrin Jünemann

Seit Jahren geht es von der Sprakeler Straße, die nach Gimbte führt, in die Rieselfelder: Ein öffentlicher Radweg ist dort Richtung Wöstebach ausgewiesen. Doch dieser Weg ist dicht. Abgesperrt. Seit vielen Wochen. Radfahrer, die dort entlang wollten und auf eine Sperre stießen, meldeten sich in der Redaktion.

Gesperrt hat die Zufahrt zum Wöstebach Josef Schlüppmann . Denn der öffentlich ausgewiesene Radweg in die Rieselfelder führt über seinen Privatweg. Er sei verkehrssicherungspflichtig, sagt er. Das Risiko, dass dort jemand stürze, sei ihm zu hoch. Deshalb habe er die Zufahrt zum Wöstebach gesperrt.

Im vorigen Jahr ist die Straße Wöstebach in den Rieselfeldern saniert worden. Und zwar genau ab dem Beginn seines Privatwegs in die Rieselfelder hinein. Als im Vorfeld – im Winter 2018/2019 – bekannt geworden sei, dass der Wöstebach saniert werde, sei er davon ausgegangen, dass an seinem Straßenstück auch etwas gemacht werde, „weil der Rad- und Wanderweg über den Privatweg führt“, sagt Josef Schlüppmann. Er sei also auf das Tiefbauamt zugegangen, um zu klären, ob die Straße mitgemacht werde. Er habe die Auskunft erhalten, es handele sich um einen Privatweg, die Stadt sei dafür nicht zuständig.

Daraufhin habe er angekündigt, dass er die Straße für die Allgemeinheit sperren werde: „Denn wenn die Unterhaltung des Privatwegs auf mich zurückfällt, bin ich auch verkehrssicherungspflichtig.“ Damit sei er auch für eventuelle Personenschäden haftbar: „Das ist ein Risiko, das ich nicht tragen möchte.“

Die Reaktion der Radfahrer auf die Sperrung sei unterschiedlich. Manche schimpften; wenn er dann den Fall schildere, gebe es auch Verständnis.

Eine schriftliche Vereinbarung, dass sein Privatweg als öffentlicher Weg, als Radweg, genutzt werden könne, gebe es nicht. Seine Familie habe den Privatweg auch nicht asphaltiert, das habe die Stadt vor vielen Jahren gemacht. Der Weg werde mit jedem Winter nicht besser.

Die Kooperation zwischen beiden Seiten war schon mal anders. Vor einigen Jahren habe er gemeinsam mit der Stadt den anderen Weg, einen Schotterweg, der vom Süden her zu seinem Grundstück führt, gefräst und auf Vordermann gebracht, erinnert sich Josef Schlüppmann. Als dann vor drei Jahren die Straße an dieser Seite saniert worden sei, habe die Sanierung 150 Meter vor seinem Grundstück aufgehört.

Und nun endete die Sanierung des Wöstebachs direkt an seinem Grundstück: „Man fühlt sich übergangen“, sagt Josef Schlüppmann. Seine Position heute: „Wenn die Allgemeinheit das nutzen möchte, sollte die Allgemeinheit das auch instandhalten.“

Seit wann der öffentliche Radweg über den Privatweg führt, ist auch bei der Stadt nicht bekannt. Mindestens seit zehn Jahren, schätzt Jörn Ludwig vom Tiefbauamt. Ob und wann die Stadt das private Straßenstück asphaltiert habe, „kann nicht nachvollzogen werden, muss über 25 Jahre her sein. Es sind keine Unterlagen vorhanden.“

Dass die Instandsetzung des Wöstebachs direkt an der Grundstücksgrenze endet, wird seitens des Tiefbauamts zum einen damit begründet, dass der Zustand nicht so schlecht sei, „dass eine Instandsetzung erforderlich ist“, und dass es zudem keinen Baubeschluss für den weiteren Verlauf gegeben habe. Sachstand zum Zeitpunkt der Instandsetzung war laut Tiefbauamt, „dass es sich um eine private Fläche handelt und von beiden Seiten keine vertragliche Vereinbarung vorgelegt werden konnte. Auch meine innerstädtischen Recherchen waren erfolglos. Insofern wäre eine Instandsetzung durch uns nicht zulässig“.

Gibt es eine Lösung, zumal es sich um einen attraktiven Radweg in die Rieselfelder handelt? Für Jörn Ludwig vom Tiefbauamt wäre Mehreres denk­bar. „Es gibt verschiedene Optionen – vertragliche Vereinbarung, Kauf, andere Wegestrecke –, die im Hause und mit dem Eigentümer abgestimmt werden müssten.“ Wenn man sich nicht einig werde, gebe es vielleicht noch die Möglichkeit, neben dem Privatweg einen Radweg auf städtischem Grund anzulegen. Aber die erste Zielsetzung sei eine Vereinbarung, so Jörn Ludwig. Aber da sei noch nichts spruchreif.

Derzeit ist alles noch offen: An ihn sei bislang niemand herangetreten, sagte Josef Schlüppmann in dieser Woche.

 

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