Wolfgang Wilken setzt die Harzer Schmalspurbahn auf die Gleise
Im Garten fährt die Eisenbahn

Münster-Sprakel -

Rasenmähen ist nicht das Thema für Wolfgang Wilken: Er hat in seinem Garten 85 Meter Gleise verlegt. Loks und Waggons der Harzer Schmalspurbahn sind in einer einzigartigen Modelleisenbahnlandschaft unterwegs.

Donnerstag, 09.07.2020, 18:49 Uhr
Wolfgang Wilkens Garten-Eisenbahn
Wolfgang Wilkens Garten-Eisenbahn Foto: Katrin Jünemann

Andere Gartenbesitzer müssen Rasen mähen. Das ist für Wolfgang Wilken nicht das Thema: Er hat 85 Meter Schienen verlegt – für seine Garten-Eisenbahn. Ehefrau Waltraud Wilken hat keine Einwände: „So lange ich noch genug Platz für einen Liegestuhl habe, passt das“, sagt sie und lächelt.

Mit sechs Jahren bekam Wolfgang Wilken ein Starterpaket von Märklin . Das ist lange her. Heute ist er entspannter Rentner und dirigiert einen Modelleisenbahn-Kosmos. Im Winter bewegt er 100 Lokomotiven und unzählige Waggons auf einer 24 Quadratmeter großen Modelleisenbahnanlage im Keller seines Hauses. Im Sommer geht es im Garten rund.

Modelle von Lokomotiven und Waggons der Harzer Schmalspurbahn (HSB), „die heute noch original laufen“, fahren auf den Schienen der Garteneisenbahn. Das rote „Harzkamel“, eine Diesellok, ist ebenso unterwegs wie der schwarze „Harzbulle“, eine Dampflok. Auch die Dampflok 996001 ist dabei. Sie ziehen Waggons des Fahrzeugparks der HSB: Personenwagen, Büffet-Wagen und Fahrradtransportwagen.

Wolfgang und Waltraud Wilken haben sich das gemeinsam natürlich auch schon im Original vor Ort angeschaut: „Wir sind mehrmals selbst mit der Harzer Schmalspurbahn gefahren“, erzählt Wilken, „im Sommer und im Winter.“

Faszinierend ist die Liebe zum Detail, die sich durch die Anlage zieht. Alles zu erfassen, ist bei einem Besuch nicht möglich. Es gibt mehre Haltepunkte, Schuppen und Extras wie etwa ein Wirtshaus, Bergsteiger an einem Hang, eine Kapelle am Berg, eine Holzverladung, einen kleinen Bauernhof samt Misthaufen und eine Feuerwache.

Die einzelnen Steinchen des Gleisschotters sind festgeklebt, denn die Anlage wird von Zeit zu Zeit vorsichtig mit einem Staubsauger gereinigt.

Die Häuser auf der Anlage sind nachts beleuchtet. Aber nicht alle Zimmer, sondern nur einzelne, damit es authentischer wirkt. Wilken hat bei der Beleuchtung fast komplett auf LED umgestellt, „ich muss Strom sparen.“ Das war kein Problem: „Im Internet gibt es auf fast alles Antworten“, sagt er.

Ein versierter Modellbauer wie Wolfgang Wilken hat auch einige akustische Highlights in petto. So kann er zum Beispiel Ansagen erklingen lassen wie „Achtung Durchfahrt“ oder Aufträge wie „Zug von Gleis 1 zu Gleis 2 bringen“. Kohle schaufeln, das Rost rütteln, sanden – all das ist hörbar, wenn er es wünscht. Spannend bleibt die Anlage auch für ihren Erbauer, denn „die Lokomotiven haben bis zu 28 Funktionen“.

Authentisch wirkt die gesamte Garten-Eisenbahn-Anlage auch durch die sorgsam ausgewählten Pflanzen, die sich in Wuchs und Beschaffenheit hervorragend einfügen: etwa Nelken, Storchenschnabel, Moos und wilder Thymian. Kleinblättriger Ahorn und Buchs, sorgsam gestutzt, sind als Bäume platziert.

Ist Sturm angesagt, legt Wolfgang Wilken Sandsäcke auf die Gebäude, damit nichts wegfliegt. Nachts werden die Züge in ihre Garagen gefahren, und die Loks kommen ins Wohnhaus. Dann ruht die Zauberwelt.

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