Wolbeck
Urteil zur Ortsumgehung: „Chance für Wolbeck“

Freitag, 05.09.2008, 19:09 Uhr

Münster-Wolbeck. Zum zweiten Mal in diesem Jahr stand gestern ein großes Wolbecker Thema auf dem Verhandlungsplan des Verwaltungsgerichts Münster . Nach der Niederlage im Kampf um die Gartenbauschule im Januar unterlagen gestern die acht Kläger gegen den Planfeststellungsbeschluss der Ortsumgehung Wolbeck . Damit ist im Prinzip der Weg frei für den Bau der Straße. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, weil die Möglichkeit besteht, beim Oberverwaltungsgericht die Zulässigkeit der Berufung zu beantragen.

Acht Klagen – ein Kläger 
hatte kurz vor der Verhandlung seine Klage zurückgezogen – ließen das Verfahren sehr komplex werden. Der 
Vorsitzende Richter Dr. Joachim Becker stellte in den Mittelpunkt der Erörterung 
die Frage nach der allgemeinen Planrechtfertigung, die 
Trassenwahl, die Berücksichtigung des Natur- und Landschaftsschutzes, Lärm- und 
Schadstoffbelastung und den 
Hochwasserschutz.

Einige Kläger befürchten eine Wertminderung ihrer 
Grundstücke. Andere fühlen sich in ihrer Existenz bedroht, 
weil landwirtschaftliche Flächen, die für den Straßenbau 
und Ausgleichsmaßnahmen 
benötigt werden, zerschnitten würden. Auch der Verpächter 
der Gaststätte an der Kreuzung 
der Landstraßen L 585 und 
L 520 fürchtet wirtschaftliche 
Nachteile.

Dezernent Ulrich Michael, 
der die Bezirksregierung als 
beklagte Planfeststellungsbehörde vertrat, sowie Manfred 
Ransmann als stellvertretender Leiter der beigeladenen 
Planungsbehörde Straßen.NRW erläuterten aus ihrer 
Sicht den Abwägungsprozess. 
Dabei kamen auch noch einmal Fragen zum Schutz bedrohter Tierarten wie Laubfrosch, Fledermaus und Specht zur Sprache.

So verschieden gestern die Standpunkte vor Gericht, so unterschiedlich war gestern auch das Echo auf die Entscheidung: Große Freude bei den Befürwortern, lange Gesichter bei den Klägern. Dabei hatten beide Lager gestern eine bange Zeit des Wartens zu überbrücken. Bis zum Nachmittag hatte sich die 10. Kammer des Verwaltungsgerichts zur Beratung zurückgezogen, ehe sie ihr Urteil sprach. Darin bestätigte sie die gerechte Abwägung aller Einwendungen gegen die Straße, ohne gestern allerdings auf Einzelheiten einzugehen

„Viele Menschen habe nicht mehr dran geglaubt, dass die Ortsumgehung kommt. Jetzt müssen wir uns um die Planung für den Ortskern Wolbeck und die Feinplanung der Verkehrsströme in Angelmodde kümmern“, will Bezirksbürgermeister Markus Lewe schnell die Ärmel hochkrempeln. Ausdrücklich will er auch im Dialog mit den Gegnern der Straße bleiben.

Als „Chance für Wolbeck“ sieht Gewerbevereinsvorsitzender Thomas Lutterbeck den Richterspruch: „Es muss ganz schnell in den Ortskern investiert werden, um ihn für Gewerbe und Kunden attraktiv und interessant zu machen.“ Wichtig sei es, dass die Kunden künftig nicht etwa an Wolbeck vorbeiführen.

Prof. Hein Hoebink vom Bürgerforum Wolbeck sieht nun die Stadt in der Pflicht, gute Voraussetzungen für einen lebenswerten Ortskern zu schaffen. „Eigentlich müssten die Konzepte längst diskutiert und ausgearbeitet sein. Ich habe aber Zweifel, ob überhaupt Geld für den Umbau zur Seite gelegt worden ist.“

An derlei Zukunftsszenarien denkt Prof. Dr. Hans Dietrich Loewer derweil nicht. Loewer war gestern einer der Kläger und hegt noch Hoffnung: „Wenn es nach Gerechtigkeit und dem gesunden Menschenverstand geht, hätten wir gewinnen müssen. Ich warte jetzt die Urteilsbegründung ab, ob es noch Ansatzpunkte gibt.“

Bezirksvertreter Reiner Borchert (GAL/Grünen), erklärter Gegner der „antiquierten Politik des Straßenbaus, sah das Urteil nüchtern: „Die Bezirksregierung hat aus ihrer Sicht wasserdicht gearbeitet. Es wäre erstaunlich gewesen, wenn das Gericht einen Fehler entdeckt hätte.“

War es die trockene Materie oder die Tatsache, dass die Ortsumgehung kein wirkliches Aufregerthema mehr ist – in den Zuschauerreihen bei Gericht fanden sich nur wenige Wolbecker und Angelmodder, die die Gerichtsverhandlung miterleben wollten.

1. Lokalseite Münster

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