Wolbeck
„Kostbarkeiten aus Bernstein“

Freitag, 24.10.2008, 19:10 Uhr

Münster-Wolbeck - „ Kostbarkeiten aus Bernstein“ zeigt das Westpreußische Landesmuseum im Wolbecker Drostenhof. Das „Gold der Ostsee “ wurde in großen Mengen an der baltischen Ostseeküste, Danziger Bucht und Samland gefunden. Der hellgelbe bis braune Stein, der brannte und auf dem Meerwasser schwamm, hat seit Jahrtausenden eine große Faszination auf die Menschen ausgeübt. Die kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung des Bernsteins hat Dr. Martin Steinkühler in einer vielschichtigen Schau mit Exponaten von renommierten Leihgebern quer durch die Republik aufgearbeitet.

Bernstein wurde auf bedeutenden Handelsstraßen bis nach Rom gebracht, wo es in der römischen Kaiserzeit einen Boom erlebte. Aus dieser Zeit stammen filigran geschnitzte Figürchen, wie etwa die Darstellung eines Armor, der auf einem Delfin reitet.

Eine Blüte erlebte der Bernsteinhandel im Mittelalter unter dem Deutschen Orden, der sich ein Monopol gesichert hatte. „Der Bernstein wurde nach Brügge und Lübeck transportiert, wo er zu Rosenkränzen verarbeitet wurde“, erzählt Steinkühler. Bis zur Reformation war dies der Hauptverwendungszweck für Bernstein. Nach der Reformation war Preußen protestantisch geprägt – der Bernstein als Rohstoff für Rosenkränze damit tabu.

Seit dem 16. Jahrhundert fand Bernstein für profane Gegenstände Verwendung. Humpen, Kästchen, Schachbretter und Figuren wurden aus Bernstein gefertigt. Zahlreiche besonders kunstvolle Gegenstände stammen aus den Manufakturen Königsberg und Danzig. Die Bedeutung des Bernsteins riss jäh ab, als Ende des 18. Jahrhunderts der wissenschaftliche Beweis gelang, dass Bernstein kein Edelstein, sondern ein Baumharz ist. „Das war eine große Enttäuschung. Fortan war Bernstein ein Material für bürgerliche Schichten, aber kein Luxusgut mehr für den Adel“, erklärt Museumsdirektor Dr. Lothar Hyss .

Als Zeugnisse der Blütezeit der Bernsteinkunst zeigt das Westpreußische Landesmuseum unter anderem einen Hausaltar, den die Kunstkammer Georg Laue aus München zur Verfügung stellte. Hyss: „Es gibt nur ein zweites Kruzifix dieser Größe in Europa.“ Aus den eigenen Beständen zeigt das Wolbecker Museum eine Bernsteinkanone, die 1660 wahrscheinlich von einem brandenburgischen Kurfürsten in Auftrag gegeben wurde als Geschenk für einen siegreichen Feldherren. Ein Blickfang der Ausstellung sind ein Segelschiff, ein Nautilus-Pokal und ein Altarkästchen. Die Originale stehen in Museen rund um den Globus. Ein Privatmann ließ die Nachbildung dieser prunkvollen Gegenstände von einem über 80-jährigen Bernsteinkünstler fertigen, der in den 1930er Jahren in der Königsberger Bernsteinmanufaktur gearbeitet hat.

Als gute Ergänzung der Ausstellung fungiert die Sonderschau mit Stücken der bedeutenden Inklusensammlung von Otto Helm. Sie erklärt die naturgeschichtliche Entstehung des Bernsteins.

Die Ausstellung „Kostbarkeiten aus Bernstein“ ist bis zum 15. Februar zu sehen und zwar dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr im Wolbecker Drostenhof, Am Steintor 5.

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