Wolbeck
Ortsumgehung: „Ich habe nicht mehr dran geglaubt“

Freitag, 01.05.2009, 18:05 Uhr

Münster-Wolbeck - Im Jahr 2005 verließ sie unter Protest eine der vielen Diskussionsveranstaltungen zum Thema „ Ortsumgehung “. Ingeborg Hoebink war enttäuscht: „Den Bau der Straße erlebe ich nicht mehr“, prophezeite die alte Dame damals. Am Donnerstag musste sich die inzwischen 88-Jährige eines Besseren belehren lassen: Der erste Spatenstich für die „L 585 n“ wurde getan, und Ingeborg Hoebink gehörte zu den Gästen des feierlichen Akts. Die WN fragte sie: „Was halten Sie vom Baustart der Ortsumgehung?“

Natürlich sei es gut, dass die Umgehungsstraße endlich gebaut werde, räumt Ingeborg Hoebink ein. Euphorie will sich bei der alten Dame jedoch nicht recht einstellen: „Es wurden zu viele Chancen verpasst“, bedauert die 88-Jährige und spielt auf die Entwicklung an, die ihr verstorbener Mann, der Apotheker Josef Hoebink, lange Zeit mit voran getrieben hatte: „Unsere ganze Familie hat sich seit dem Ende der 50er Jahre dafür eingesetzt, dass Wolbeck zum Kneippkurort wurde, was sicherlich zu mehr Lebensqualität im Ort geführt hätte“, erinnert sich die alte Dame.

Eine Voraussetzung dafür sei der Bau einer Umgehungsstraße um den Ort gewesen. Zwar wurde Wolbeck tatsächlich Kneippkurort, allerdings nur von 1972 bis 1974. Die Umgehungsstraße sei jedoch jahrzehntelang im Planungsstadium stecken geblieben. „Es fehlte an Initiative im Ort“, beklagt die Seniorin noch heute.

Auch Tochter Barbara Hoebink-Johann - Mitbegründerin des Bürgerforums Wolbeck - stritt jahrzehntelang für das Projekt. Wenn auch stets „zwei Seelen“ in ihrer Brust wohnten. „Ich war immer sehr naturverbunden“, erläutert sie, „und ein Straßenneubau bedeutet immer auch einen großen Eingriff in die Tier- und Pflanzenwelt.“ Allerdings seien die vielen Autos nun einmal mal da. „Da können wir das Rad nicht mehr zurückdrehen.“

Nun müsse man „vernünftigerweise dafür sorgen, dass möglichst viele Fahrzeuge aus dem Ortskern herausbleiben“. Mutter und Tochter blicken nun nach vorn: „Wir werden uns dafür einsetzen, den Ortskern aufzuwerten und soviel Grün wie möglich zu erhalten.“

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