Wolbeck
140 Jahre Engel-Apotheke in Wolbeck

Samstag, 18.07.2009, 14:07 Uhr

Münster-Wolbeck - Münster anno 1869: 25 000 Menschen wohnen zu jener Zeit in Münster und werden von vier Apotheken mit Arzneien versorgt. Auf Antrag der Amtsverwaltung Wolbeck und nach langwieriger Bedarfsprüfung gab die königliche Regierung schließlich die Erlaubnis, eine Apotheke in Wolbeck zu betreiben. Die Konzession erhielt der französisch stämmige Apotheker Eduard Cortain aus dem Siegerland, der den Grundstein für die Engel-Apotheke legte. Sie ist die älteste noch im Familienbesitz befindliche Apotheke Münsters und feiert in diesen Tagen ihr 140-jähriges Bestehen.

Gegründet wurde die Apotheke an der Münsterstraße 51, also außerhalb des Wigbolds. „Man erwartete, dass dort einmal die WLE-Gleise zwischen Münster und Beckum entlangführen würden“, erzählt Apothekerin Barbara Hoebink-Johann . Dazu kam es bekanntlich nicht. Dennoch erlebte die Apotheke eine Blüte - nicht zuletzt durch die aufkommende Bedeutung homöopathischer Heilverfahren. Mittlerweile führte Gerhard Hoebink seit 1899 die Apotheke als Verwalter weiter und konnte sie nach der Hochzeit mit Friederike Cortain, Tochter des verstorbenen Eduard Cortain, übernehmen. 1912 erweiterte er die Apotheke und versah das Haus in Anlehnung an den historischen Drostenhof mit den noch heute charakteristischen Giebelelementen.

1912 erhielt Hoebink den Auftrag mit einer Zweig-Apotheke auch die Versorgung in Everswinkel sicherzustellen. „Er trug das volle unternehmerische Risiko ohne das Recht, bei einer Rücknahme des behördlichen Versorgungsauftrags die Apotheke verkaufen zu dürfen.“ 1950 erfolgte auf gleichem Weg die Eröffnung der Filiale in Albersloh. Bereits Mitte der 1950er Jahre wurde der Versorgungsauftrag widerrufen; beide Apotheken existieren heute eigenständig weiter.

Zurück ins Jahr 1912. Dr. Garthaus, in Wolbeck „Püllekesdoktor“ genannt, eröffnete in seiner Villa (heute Kindergarten St. Nikolaus) vis-à-vis zur Apotheke eine über Münsters Grenzen hinaus bekannte homöopathische Praxis. Die homöopathischen Mittel lieferte die Engel-Apotheke.

1926 verstarb Gerhard Hoebink plötzlich, und 18 Jahre übte Friederike Cortain ihr Witwenrecht aus, das es erlaubte, die Apotheke in Verwaltung weiterzuführen, ehe Sohn Josef die Apotheke 1944 übernahm. Er verlegte die Apotheke 1951 in größere und moderne Räume an die heutige Adresse in der Ortsmitte. 1961 richtete er zusätzlich ein Neuform-Reformhaus ein, das eine der vielen Voraussetzungen für die Anerkennung Wolbecks als Kneipp-Kurort war. Trotz seines nachhaltigen Engagements blieb Wolbeck nur zwei Jahre Kurort.

Josef Hoebink war 30 Jahre Kreisapotheker und versorgte ab 1945 die Apotheken des Landkreises mit damals bewirtschafteten Arzneimitteln wie Lebertran und Leinsamen. Große Mengen selbstgefertigter Salben, Tinkturen, Tees und Tabletten ergänzen bis heute das Angebot der Engel-Apotheke. 1980 übergab Hoebink die Apotheke an seine Tochter Barbara Hoebink-Johann, die seit 2003 von ihrer Tochter Alexandra Johann (fünfte Generation!) intensiv unterstützt wird.

Was hat sich geändert? „Uns gelingt heute der Bogenschlag von der Natur-, Pflanzenheilkunde und Homöopathie bis zur ,chemischen Medizin. Die Kunst ist es, aus allen Bereichen, die richtigen Bausteine zu nehmen“, meint Alexandra Johann. Qualitätsmanagement, zahlreiche Weiterbildungen und Qualifikation auch der sieben Mitarbeiterinnen zählen zum Erfolgsrezept und zur Firmenphilosophie, „das Berufsbild selber gut zu leben“. Gefeiert wird der runde Geburtstag nach den Ferien mit etlichen Sonderaktionen.

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