Wolbeck
Pinsel und Kamera im Spannungsfeld

Mittwoch, 04.08.2010, 18:08 Uhr

Münster Wolbeck - Das besondere Auge eint sie, der Blick, der sie erkennen lässt, welches Motiv festhaltenswert ist und welche Perspektive ihm die größte Aussagekraft verleiht. Doch bei der Wahl Mittel gehen sie ganz verschiedene Wege: Ferdinand Jendrejewski greift zur Kamera , Rolf Hale zum Pinsel . Die beiden Wolbecker zeigen seit Ende Mai im Westpreußischen Landesmuseum in ihrer gemeinsamen Ausstellung „Streifzug durch Wolbeck“ Fotografien und Bilder mit typischen und bekannten, aber auch weniger bekannten Motiven des Stadtteils.

Dabei konnte Hale, der sich bereits seit seiner Jugend intensiv der Malerei widmet und schon auf vielen Ausstellungen vertreten war, aus dem Fundus seiner Arbeiten schöpfen. Doch etwa die Hälfte von den insgesamt 43 Bildern, die er zeigt, hat er erst gemalt, nachdem die Idee zu dieser reizvollen Ausstellung geboren war.

Das war vor gut einem Jahr. Dr. Reinhard Sappok, Vorsitzender des Förderkreises Drostenhof, war der Initiator dieser Präsentation, die mit zu den Feierlichkeiten „700 Jahre Wigbold Wolbeck“ zu zählen ist.

Jendrejewski, der sich durch zahlreiche Veröffentlichungen und Auszeichnungen auch international in der Fotografie einen Namen gemacht hat, zeigt 20 Bilder, die er speziell für diese Ausstellung aufgenommen hat. Fast ausnahmslos sind es Schwarz-Weiß-Bilder mit Infrarottechnik. Eine bewusste Wahl. Er habe damit noch einen zusätzlichen Kontrast zu den zumeist bunten Bildern seines Ausstellungskollegen setzen wollen, sagt Jendrejewski und weist auf die typischen Effekte hin, die er durch den Einsatz von Infrarot erzielt. Da werden die grünen Blätter der alten Bäume im Park des Drostenhofs auf einmal ganz weiß, wie von Schnee bedeckt, Da sind die Kontraste zwischen dunklem Himmel und weißen Wolken ganz extrem.

Und trotzdem: Der Fotograf sei immer viel mehr als der Maler an das Motiv gebunden. Möglichkeiten der Abwandlung, vielleicht einen störenden Ast einmal einfach wegzulassen, die habe er nicht. „Der Maler hat einfach mehr Freiheiten“, sagt Jendrejewski.

Sehr viele Motive sind bei den beiden identisch - natürlich darf der Giebel des Drostenhofes nicht fehlen, nicht die Angelbrücke im Tiergarten und auf keinen Fall das Ziegenbocksdenkmal der ZiBoMo, aufgestellt am Marktplatz. Insbesondere an den Darstellungen des Ziegenbocks werden die Freiheiten des Malers deutlich. Hale hat die Umgebung, den Parkplatz, die Autos, die Häuserfront in zarten Farben nur angedeutet, den Ziegenbock dagegen in dunkler Farbe gemalt mit Zweigen in sattem Grün an seiner Seite. Jendrejewski dagegen hatte nur die Möglichkeit einer besonderen Perspektivwahl, die Umgebung war nur schwer in den Hintergrund zu rücken.

Doch es ist sicher nicht nur das kleine Spannungsverhältnis zwischen Malerei und Fotografie, das dieser Ausstellung ihren Reiz verleiht. Insbesondere mancher Wolbecker dürfte sich durch die ausgestellten Werke, die alle käuflich zu erwerben sind, ganz persönlich angesprochen fühlen, seien es die Fotos aus dem Tiergarten oder das Bild, das den alten Bahnhof, das heutige Jugendzentrum zeigt.

Von Museumsseite war zu hören, dass die Resonanz auf die Ausstellung ausgesprochen gut sei.

» Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. August. Die Öffnungszeiten im Westpreußischen Landesmuseum: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

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