Wolbeck
Mit Philosophie auf Medaillenkurs

Mittwoch, 28.12.2011, 18:12 Uhr

Münster-Wolbeck - Er ist zur Zeit wohl Wolbecks wichtigster Philosoph: Niklas Plätzer fährt für Deutschland zur Internationalen Philosophie Olympiade nach Wien.

Und für Philosophen ist die Welt gerade sehr spannend: „Für die politische Philosophie hat man ja derzeit massenweise Anschauungsmaterial“, sagt Plätzer und meint die arabische Revolution in Lybien, Tunesien oder Ägypten. Denn ihn interessiert besonders: „Was ist Freiheit, was kann ich verändern? Das sind meine Fragen an die Philosophie.“

Der Oberstufenschüler am Gymnasium Wolbeck überzeugte beim bundesweiten Wettbewerb der Philosophischen Winterakademie die Jury mit einem Essay, in dem er den Ausspruch von Nietzsche „Es gibt keine prästabilisierte Harmonie zwischen der Förderung der Wahrheit und dem Wohle der Menschheit“ in englischer Sprache diskutierte.

Plätzer bezog das Zitat auf die Wissenschaft - Forschung sei nicht automatisch mit dem Wohlsein der Gesellschaft verbunden. Sein Beispiel war damals die Entwicklung der Atombombe. Allerdings würde er heute den Essay wohl über die havarierten Atommeiler in Fukushima schreiben.

„Dieses Unglück ist im Grunde nur eine Fußnote für die Erkenntnis, dass das, was die Gesellschaft als wissenschaftliches Ideal hat, nicht nur mit Gutem für die Gesellschaft verbunden ist“, sagt er und plädiert, in der Forschung nicht nur (wie es nach Kant üblich wäre) die direkten Folgen der gewonnen Erkenntnisse im Auge zu haben, sondern eine „Fernsten-Ethik“ nach Hans Jonas anzulegen. Kein Wunder, dass einer von Plätzers Lieblingsphilosophen Rousseau und seine Zivilisationskritik ist. Aber eigentlich versteht sich Plätzer weniger als Philosoph: „Eigentlich sehe ich mich eher als Geschichtswissenschaftler, aber Geschichte lässt sich nur schwer von Philosophie trennen.“ 2009 hatte Plätzer bereits im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten den zweiten Platz erreicht.

Bisher fand die Internationale Philosophie Olympiade (IPO) schon in namhaften Städten wie Seoul (Südkorea), Philadelphia (USA) oder Tokio (Japan) statt, aber bisher nur einmal in Deutschland - nämlich im Jahr 2000 in Münster .

„Tatsächlich sind wir das einzige Land der Gründungsländer der IPO, das die Olympiade erst einmal ausgerichtet hat“, so Gerd Gerhardt, Mitglied des internationalen IPO-Komitees. Münster könnte aber demnächst wieder Austragungsort werden. Jedoch: „Wir bräuchten Sponsoren, dann könnten wir für das übernächste Jahr die Olympiade organisieren. Aber bisher habe ich noch keinen gefunden“, bedauert Gerhardt: „Derzeit gibt es noch gar keinen Ausrichter für die folgenden Jahre, weil überall das Geld knapp ist. Obwohl die UNESCO unser Unternehmen für sehr förderungswürdig hält, aber die UNESCO ist auch zu arm, um uns finanziell zu unterstützen.“

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