Gemeinde Wolbeck gab Neustraße ihren alten Namen zurück
Hindenburg war unerwünscht

Münster-Wolbeck -

Die Debatte um die Namensänderung des Hindenburgplatzes in Münster ist aus Wolbecker Sicht ein alter Hut. Die Umbenennung der Wolbecker Hindenburgstraße verlief nahezu geräuschlos. Und zwar kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.

Samstag, 17.03.2012, 10:03 Uhr

Die Debatte um die Namensänderung des Hindenburgplatzes in Münster ist aus Wolbecker Sicht ein alter Hut. Während sich heute Historiker und Bürger im Fall Münster eine wahre Schlacht der Argumente liefern, verlief die Umbenennung der Wolbecker Hindenburgstraße nahezu geräuschlos. Und zwar kurz nach dem Zweiten Weltkrieg .

Zeitzeuge Bernhard Bußmann , geboren 1928, wuchs in der Neustraße auf. Er erinnert sich noch gut, dass sich die Adresse später änderte und die Familie postalisch unter Hindenburgstraße 154 erreichbar war. Rolf Linnemann, 1940 in Wolbeck geboren, fand im Nachlass seiner Eltern eine Postkarte, die an die Adresse Hindenburgstraße geschickt worden war. Und auch Martina Körper vom Stadtarchiv fand einen Hinweis aus dem Jahr 1940, als ein Kriegsgefangenenlager an die Ecke Hofstraße/Hindenburgstraße verlegt werden sollte. „In welchem Zeitraum es den Namen Hindenburgstraße gab, dafür habe ich keinen Beleg.“ Ebenfalls umbenannt wurde auch die Bahnhofstraße, die bis 1945 Adolf-Hitler-Straße hieß.

Nach Ende des Krieges wurde flächendeckend der Name Hitler aus den Straßenverzeichnissen getilgt – in Wolbeck gab es wieder eine Bahnhofstraße (heute Steintor). Bußmann vermutet, dass in diesem Zusammenhang auch die Hindenburgstraße in Wolbeck umbenannt wurde und fortan wieder Neustraße hieß. Einen Beleg über die genauen Umstände gibt es nicht, denn „es hat sich noch niemand die Mühe gemacht, das alte Kataster des ehemaligen Amtes Wolbeck zu sichten“, erklärt Bernhard Zimmermann vom Katasteramt der Stadt Münster.

In seinen Unterlagen fand Zimmermann aber einen Hinweis, dass der Name Hindenburg auch andernorts Magenkneifen verursachte. Der Gemeinderat der damals noch selbstständigen Gemeinde Hiltrup beschloss am 29. März 1947 die Umbenennung der Hindenburgstraße in Max-Winkelmann-Straße. Auch im Amt Mauritz war eine Allee nach Hindenburg benannt; das Umtaufen war aber nicht politisch, sondern organisatorisch motiviert. Im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 sollte eine Namensdoublette mit dem Hindenburgplatz in Münster vermieden werden. Die Hindenburgallee heißt heute Tannenhofallee.

Bußmann vermutet, dass die Umbenennung der Hindenburgstraße in Wolbeck in einer der ersten Sitzungen des neu konstituierten Wolbecker Gemeinderates nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen wurde. Dass die Entscheidung großes Aufsehen erregte, daran kann er sich nicht erinnern.

Nachhaltiger ist ihm im Gedächtnis geblieben, dass nach dem Zweiten Weltkrieg in Wolbeck die Nummerierung der Häuser neu geordnet wurde. „Wir wohnten in der Hausnummer 154, obwohl die Hindenburgstraße relativ kurz war. Die Gebäude erhielten damals ihre Hausnummer nach der Reihenfolge, wie sie in Wolbeck errichtet worden waren.“ Dieses unübersichtliche System wurde abgeschafft und fortan wurden die Häuser pro Straße aufsteigend durchnummeriert – rechts die geraden Zahlen, links die ungeraden.

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