Gymnasiasten auf Spurensuche
Wolbecks letzte Jüdin

Münster-Wolbeck -

Vom Krankenbett ins Konzentrationslager – die Nazis kannten keine Gnade: Antonie Baumgarten litt an Darmkrebs und wurde im Marienkrankenhaus an der Herrenstraße von den Barmherzigen Schwestern gepflegt. Sie wurde trotzdem in das Lager Theresienstadt deportiert.

Donnerstag, 20.12.2012, 18:12 Uhr

Sie starb dort entkräftet und völlig erschöpft. „Ein schlimmer Tod“, sagen Peter Schilling von Verein „Spuren finden“ und vier Zehntklässler am Gymnasium Wolbeck . Sie haben sich eingehend mit dem Leben und dem Tod von Wolbecks letzter Jüdin beschäftigt und ein Gedenkblatt über Antonie Baumgarten verfasst. Es wurde auf einer Gedenkveranstaltung in Erinnerung an die erste Deportationswelle aus Münster vorgestellt.

An der Wolbecker Schule wurden bereits einige Gedenkblätter für jüdische Familien in Wolbeck verfasst, zum Beispiel 2010 für die Familie Philipps. Es ist ein Beitrag dazu, dass das Schicksal der Wolbecker Juden nicht der Vergessenheit preisgegeben wird. „Da wollen wir mitmachen“, wandten sich die Schüler an ihren Lehrer Dr. Heiko Overmeyer, der schon die vorhergehenden Projekte betreute. Die Schüler seien also auf ihn zugekommen – „wir mussten gar nicht suchen“, freut er sich.

Die Schüler hatten allerdings großes Glück. „Eigentlich waren wir mit den Arbeiten an den Gedenkblättern fast abgeschlossen“, so Schilling.

Denn Antonie Baumgarten gehört zur Familie Pins, über die bereits geforscht wurde. Jetzt ging es an die Details: Sie war verheiratet mit Elias Baumgarten – hatte aber keine eigenen Kinder und adoptierte dann Friedrich Pins, ihren Neffen. Friedrich Pins lebte später mit seiner Familie in Wolbeck an der Marienstraße. Als die Pins-Familie nach Riga deportiert worden war, war Toni Baumgarten neben dem Ehepaar Heilbronn die letzte Jüdin, die in Wolbeck lebte.

Die Recherchen begannen im Sommer und gingen bis in den Winter – „sie hätten nicht gedacht, dass es so viel Arbeit ist“, so Overmeyer. Aber der Nebel der Geschichte ist dick.

Der nächste Schritt wird die Verlegung eines Stolpersteins für Toni Baumgarten sein. Er soll im kommenden November vor dem ehemaligen Haus der Familie Pins verlegt werden. Es wird Wolbecks letzter Stolperstein. Aber das Gedenken geht weiter.

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