Untersuchung über NS-Zeit in Wolbeck
Unfrieden fängt im Kleinen an

Münster-Wolbeck -

Daniel Kuna sprach mit Zeitzeugen: Wie sah die Nachbarschaft mit Juden in Wolbeck zur NS-Zeit aus?

Dienstag, 16.07.2013, 09:07 Uhr

Der frisch gebackene Abiturient Daniel Kuna hat einen Landespreis beim Geschichtswettbewerb gewonnen: Er hat über nachbarschaftliche Verhältnisse zur Zeit der Nationalsozialisten in Wolbeck geschrieben und dafür mit der Geschichts-AG am Gymnasium Wolbeck Zeitzeugen befragt.
Der frisch gebackene Abiturient Daniel Kuna hat einen Landespreis beim Geschichtswettbewerb gewonnen: Er hat über nachbarschaftliche Verhältnisse zur Zeit der Nationalsozialisten in Wolbeck geschrieben und dafür mit der Geschichts-AG am Gymnasium Wolbeck Zeitzeugen befragt. Foto: mlü

„Wir können doch mit dem Moritz Falke nicht mehr Karten spielen“, meinte plötzlich ein Mitglied der Doppelkopfrunde: Es waren letztlich kleine Dinge, die zur NS-Zeit aus Freunden Fremde machten.

„Plötzlich gehörten Juden einfach nicht mehr dazu“, stellte Daniel Kuna im Gespräch mit Zeitzeugen fest. Mit seiner Arbeit über die nachbarschaftlichen Verhältnisse in Wolbeck zur Zeit der Nationalsozialisten hat er einen Landespreis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen. Gestern war die Preisverleihung im Haus der Geschichte in Bonn.

Vor 1933 waren Juden in Wolbeck in das gesellschaftliche Leben integriert. Der ein oder andere wurde gar für seine Verdienste im Ersten Weltkrieg hoch geschätzt. Daniel hat Fotos aufgetrieben, die Juden und Andersgläubige in Uniform gleichberechtigt nebenein-ander zeigen. Eine 92-jährige Zeitzeugin berichtet: „Moritz Falke war sehr beliebt. Zur Erstkommunion stiftete er jeweils dem ärmsten Mädchen und dem ärmsten Jungen ein Kleid und einen Anzug.“ Später jagte die SS, die im Kurhaus an der Hofstraße stationiert war, die Familie Falke aus ihrem Haus. Letztlich wurden sie deportiert. Moritz Falke hatte sechs Geschwister. Nur zwei überlebten den Holocaust.

„Man hat auch in der Diktatur Handlungsoptionen gehabt“, glaubt Daniels Tutorin, die Geschichtslehrerin Dr. Marion Kintzinger. Es habe trotz des Staatsterrors gelegentlich noch Nachbarschafthilfe gegeben. Im Schutz der Dunkelheit wurden Milch oder Brot an Bittende gegeben.

Es leben nicht mehr viele Zeitzeugen der Nazi-Diktatur. Auch zwei Wolbecker, die Daniel Kuna Auskunft gaben, sind mittlerweile verstorben. Viele hätten ihr Wissen lange verschwiegen, weiß Daniel Kuna. Aus Respekt vor den noch lebenden Angehörigen der Täter und Mitläufer. Daniel glaubt: „Der Blick in die Vergangenheit zeigt den Weg in die Zukunft.“ Daniel Kuna hat seinen Beitrag für den Geschichtswettbewerb mitten im Abitur verfasst. Die Rückschau auf das Auseinanderbrechen einer Dorfgemeinschaft könnte Orientierung für die Zukunft bieten: Die Frage laute: „Werden wir laut – oder schweigen wir?“

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