Arbeitsgruppe „Historisches Wolbeck“ erforscht Geschichte des Hotels Thier-Hülsmann
Ein Viertelliter Likör gehörte dazu

Münster-Wolbeck -

Wer hätte das gedacht? Gerade einmal 182 Reichsmark und 80 Pfennige kostete das komplette Fest der Achatius-Bruderschaft am 18. Juni 1928. Und da war ein Viertelliter Likör zum „Maiholen“, sprich zum Heranschaffen von grünen Zweigen zum Schmücken, bereits enthalten. Vielleicht sprachen damals die Damen dem süßlichen Alkohol zu, der mit fünf Reichsmark pro Liter deutlich teurer war als der schärfere Schnaps, für den man nur drei Reichsmark auf den Tisch legen musste.

Dienstag, 10.09.2013, 18:09 Uhr

Da staunen Dieter Alke (r.) und Dr. Manfred Wienzek vom Bürgerforum: Das Anschreibebuch verrät, dass ein Abendessen für die 22 Musiker beim Fest der Achatius-Bruderschaft insgesamt 22 Reichsmark kostete.
Da staunen Dieter Alke (r.) und Dr. Manfred Wienzek vom Bürgerforum: Das Anschreibebuch verrät, dass ein Abendessen für die 22 Musiker beim Fest der Achatius-Bruderschaft insgesamt 22 Reichsmark kostete. Foto: isa

Nachlesen kann man dies alles im „Anschreibebuch“ des Hotels Thier-Hülsmann, in dem Einnahmen und Ausgaben säuberlich aufgelistet sind. Das dataillereiche Buch und die gesamte Entwicklungsgeschichte des Wolbecker Traditionshauses nahmen jetzt Bürgerforumsvorsitzender Dieter Alke und sein Stellvertreter Dr. Manfred Wienzek unter die Lupe. Die beiden gehören zur Bürgerforums-Arbeitsgruppe „Historisches Wolbeck “ und gehen seit einiger Zeit an verschiedenen Stellen Wolbecks „auf Spurensuche“. Dass sie im Hotel Thier-Hülsmann „reiche Beute“ machten, liegt auf der Hand: Wurde das ursprüngliche Haupthaus des unter Denkmalschutz stehenden Anwesens doch bereits im Jahr 1676 errichtet.

„Und zwar als Burgmannshof im Stil eines traditionellen Längsdielenhauses“, erklärt Ute Hülsmann-Ress , die gemeinsam mit ihrer Schwester Karla Hülsmann das Hotel führt und sich seit Langem mit der Geschichte des Anwesens beschäftigt, das bis heute in Kernbereichen erhalten ist. Die Wolbeckerin hat zum Beispiel herausgefunden, dass in dem Gebäude ursprünglich sowohl Menschen, als auch Tiere untergebracht waren. „Tenne und Küche stellten das Zentrum dar, Mettwürste und Schinken hingen im Rauch über dem Kamin, die Viehställe waren seitlich angebracht“, erklärt Hülsmann-Ress. „Und zu den Betten in den Upkammern musste man ein paar Stufen hinauf steigen.“ Ursprünglich, so vermuten die Eigentümerinnen, diente das Haus einer hochstehenden Persönlichkeit als Wohnsitz, wobei die großen Lagerkapazitäten auffielen. Möglicherweise seien hier grundherrliche Abgaben gesammelt worden. 1676 fiel das Anwesen in die Hände des Oberjägers Johann Hermann Scharf, bevor es ab 1797 als „Gasthaus mit Wirtswohnung“ weitergeführt wurde“, berichten die beiden Schwestern.

Aus der Zeit als Gasthaus stammt das „Anschreibebuch“, in dem auch die Beträge notiert waren, die die Kunden eben hatten „anschreiben“ lassen“, sagt Ute Hülsmann-Ress schmunzelnd. „Höchst spannend“ fanden die beiden Bürgerforums-Vertreter die vielen Informationen. Auf längere Sicht wollen sie die gewonnenen Erkenntnisse ihrer „Spurensuche“ eventuell in einem Sammelband zusammenfassen.

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