Das Zwangsarbeiter-Lager Heidestraße
Wer stellte das Kreuz auf?

Münster-Angelmodde -

Zehn Namen von Zwangsarbeitern sind auf den Grabsteinen des Friedshofs in Angelmodde-Dorf zu lesen. Zum Tag des offenen Denkmals gedachten am Sonntagmorgen etwa 20 Besucher der Toten und ihrer Geschichte. Wolf Lammers und Dieter Fischer vom Verein der Heimatfreunde Angelmodde referierten aus den Nachforschungen von Karl-Josef Plassmann. Lammers war freudig überrascht über der „interessierten Leute aus der Stadt und aus dem Dorf“.

Sonntag, 08.09.2013, 18:09 Uhr

Das Sandstein-Kreuz in Angelmodde-Dorf trägt die meisten Namen der Zwangsarbeiter aus dem Lager an der Heidestraße.
Das Sandstein-Kreuz in Angelmodde-Dorf trägt die meisten Namen der Zwangsarbeiter aus dem Lager an der Heidestraße. Foto: anh

Die Nachforschungen sind noch nicht abgeschlossenen und das eigentliche Denkmal steht nicht mehr: Das Internierungslager an der Heidestraße , etwa zwei Kilometer Luftlinie entfernt. Teile der Fundamente dienten nach dem Zweiten Weltkrieg dem Wohnhaus-Bau.

Zwei bis drei Jahre habe das von der Deutschen Arbeitsfront eingerichtete Lager dort gestanden, berichtet Plassmann und holt Nummer 20 der „Chronik Angelmodde “ herbei, verfasst von Alfons Muhr . Es enthält ein Luftbild mit dem Lager. Die östliche Seite der Höftestraße bildete eine Grenze, im Norden die Heidestraße, an der sich der einzige Eingang befand, im Süden verlief der Zaun entlang der späteren Buschstraße. Östlich gab es später den Flasskuhl.

Zehn Baracken für die Gefangenen gehörten dazu. Etwa 600 Menschen lebten dort. Kontakt mit der Bevölkerung war unerwünscht – ein Butterbrot weiterzureichen brachte einer Nachbarin massive Drohungen ein.

Die verschiedensten Nationen waren hier eingepfercht. Davon zeugen auch die Inschriften auf einem großen, etwa 1,20 Meter hohen senkrechten Grabstein aus Sandstein und zwei kleinen liegenden Steinen.

Die Namen zweier Holländer aus Hilversum und Rotterdam zählen dazu. Einer, Wilhelm Mastenbrock, starb im Alter von 19 Jahren bei einem Luftangriff im November 1944, beim gleichen Angriff auch die Polen Franz Chojnacki aus Dobrocna und Bobelaus Niembiec sowie ein unbekannter Soldat aus Polen.

Im Volksmund hieß das Lager „Russenlager“. Ein Russe aus Tschansy, Arbeiter im Lager, starb im Alter von 34 Jahren. Noch vier weitere Russen starben in den Jahren 1944 und 1945. Hinzu kommt Nikolaus Swilla, geboren „offensichtlich im Lager an der Heidestraße“, so Plassmann, und gestorben im Alter von drei Wochen. Die Namen zweier Russinnen sind ebenfalls verzeichnet, die eine starb im Alter von fünf Wochen. „Angeblich soll es sich um Mutter und Kind handeln“, berichtet Plassmann.

Bestattet wurden sie vermutlich zunächst in Einzelgräbern mit Holzkreuzen. Doch sie verfielen und 1961 setzte die Kirchengemeinde sich dafür ein, dass die Amtsverwaltung die Grabpflege regeln möge. Heute pflegt das Amt für Grünflächen und Umweltschutz der Stadt Münster die Gräber der Kriegstoten. Zu ihnen zählt auch die Deutsche Josefa Haves, die 18-jährig einem Luftangriff zum Opfer fiel. Dagegen stehen andere hier Begrabene Deutsche nicht auf der Kriegsgräber-Liste. Sie fielen meist Bomben zum Opfer.

Noch hat Plassmann viele Dokumente aus den Archiven von Gemeinde und Kirchengemeinde nicht auswerten können. So ist offen, wann das große Sandstein-Kreuz aufgestellt wurde. Und wer hat das Geld dafür aufgebracht?

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