Rainer Schepper im Awo-Treff
Sklavin, bevor es Sklaven gab

Münster-Wolbeck -

Autor und Rezitator Rainer Schepper präsentierte bedrückende Männermeinungen über Frauen aus seiner Zitatensammlung.

Samstag, 08.03.2014, 09:03 Uhr

Bedrückende Männermeinungen über Frauen hat Rainer Schepper gesammelt, der hier den bis Ende März reichenden Kalender von Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag präsentiert.
Bedrückende Männermeinungen über Frauen hat Rainer Schepper gesammelt, der hier den bis Ende März reichenden Kalender von Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag präsentiert. Foto: anh

„Es ist nicht mehr auszuhalten“, sagt nach einer Dreiviertelstunde eine von knapp zwanzig Frauen. Und verlässt den stillen Kreis.

Von der „ Frauenunterdrückung in patriarchalischen Gesellschaften“ handelte der Vortrag Rainer Scheppers am Donnerstag beimAwo-Themenkreis zum Internationalen Frauentag. Was Männer aus Judentum, Christentum und Islam für ein Bild von der Frau für angemessen und angenehm hielten, hatte Schepper gesammelt. Und er zitierte unverblümt.

„Starker Tobak“, meinte nach dem Vortrag Ingrid Brock-Gerhardt , Organisatorin des Themenkreises. Dabei hatte Schepper aus Zeitgründen Schopenhauer und Kant aus seiner dichten Beschreibung ausgeklammert. Was für Ideen, was für Praktiken: Die Frau als Besitz, sie wurde „Sklavin bevor der Sklave existierte“, teilte „wohl des Mannes Bett, aber nicht seinen Tisch“, galt als, wie Schepper Thomas von Aquin zitierte, „schnell wachsendes Unkraut“, ein „auf den Mann hin erschaffenes Wesen“: „Das Haupt für die Frau ist der Mann“. Plato sah es als eine von acht Wohltaten, dass er nicht als Frau geboren worden war. Und wer ließ sich im Paradies verführen, verführte wen und brachte wen um das Paradies? „Es sind Geschichten aus Männerköpfen, die die monotheistischen Religionen prägen“, so Schepper.

Er schälte auch Unterschiede im Denken heraus und mit ihnen eine mögliche Ursache für die Unterdrückung: Das Unvermögen der Männer, Frauen zu verstehen, führe zu Furcht.

„Sind da denn auch positive Dinge enthalten, Herr Schepper?“, fragte Ingrid Brock-Gerhardt. „Warten Sie mal ab?“, antwortete der und fuhr mit dem Koran fort.

Lang sei der Weg vom Gattungswesen zur Persönlichkeit gewesen. Dem Referat folgte ein Erlebnis- und Gedankenaustausch, an dem sich viele beteiligten.

Rainer Schepper , katholisch erzogen, hatte sich näher mit dem Thema befasst, als er Widersprüchliches in der Religion entdeckte. 2003 publizierte er die Grundlage des Referats als „Frauenunterdrückung in patriarchalischen Gesellschaften“ in der Zeitschrift Aufklärung und Kritik“.

Der 1927 geborene Rezitator aus Münster ist Autor verschiedener Bücher, darunter „Gott beim Wort genommen. Das Alte Testament auf dem ethischen Prüfstand“, „Das ist Christentum. Informationen aus zweitausend Jahren Geschichte“ und „Plattdeutsche Märchen der Brüder Grimm“.

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