Auch vier Wochen nach Freigabe der Ortsumgehung ist der Ortskern bisher nur wenig entlastet
Weiterhin Schlangen am Drostenhof

Münster-Wolbeck -

Ortskern Wolbeck, 13. Januar, 17.14 Uhr: Im Zeitraum von zehn Minuten passieren 160 Pkw den Drostenhof. Dies würde auf eine Stunde hochgerechnet 960 Fahrzeuge bedeuten. Im Vergleich dazu quälten sich am 25. November des Vorjahres von 16 bis 17 Uhr 977 Autofahrer durch den engen Ortskern.

Freitag, 16.01.2015, 09:01 Uhr

Dichter Feierabendverkehr am Drostenhof: Nicht repräsentative Zählungen zu Stoßzeiten ergaben in der Tendenz wenig Unterschiede zur Verkehrssituatino vor dem Inbetriebgehen der Umgehugnsstraße.
Dichter Feierabendverkehr am Drostenhof: Nicht repräsentative Zählungen zu Stoßzeiten ergaben in der Tendenz wenig Unterschiede zur Verkehrssituation vor der Inbetriebnahme der Umgehungsstraße. Foto: isa

Zugegeben, die aktuelle Zählung unserer Zeitung und des Bürgerforums ist nicht repräsentativ, im Gegensatz zur Novemberzählung der Stadt Münster regnet es, mancher Radfahrer ist aufs Auto umgestiegen. Dennoch ist die Tendenz eindeutig: Trotz zwischenzeitlich eröffneter Umgehungsstraße ist der dichte Verkehr in Wolbecks Zentrum zu Stoßzeiten kaum weniger geworden.

Tatsächlich ergeben Zählungen am Januartermin gegen 17 Uhr auf verschiedenen Ortsumgehungs-Teilstücken hochgerechnet zwischen 260 und 310 Fahrzeugen stündlich. „Dies entspricht Tageswerten von 3000 bis 4000“, rechnet Ralf Renkhoff blitzschnell hoch. Der erfahrene Verkehrsplaner der Stadt Münster fügt hinzu: „Das Ziel sind aber täglich 10 000 Nutzer der Ortsumgehung.“

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Woran liegt es, dass sich genau vier Wochen nach ihrer Freigabe noch recht wenige Autofahrer für die Umgehungsstraße, viele aber für die Ortsdurchfahrt entscheiden? Dabei ergibt ein aktueller Zeitvergleich unserer Zeitung und des Bürgerforums im Berufsverkehr gegen 16.15 Uhr Werte von 6 Minuten und 9 Sekunden auf der Ortsumgehung und 6 Minuten und 56 Sekunden am Drostenhof vorbei. Was einer Zeitersparnis auf der Umgehung von 47 Sekunden entspricht (zu Ferienzeiten waren es, wie berichtet, noch 24 Sekunden). Was hält die Autofahrer dann noch ab, diese zu nutzen?

Streckenverlauf - Ortsumgehung Wolbeck

„Es bleibt immer ein gewisser Ziel- und Quellverkehr im Ort“, gibt Peter Holz vom Landesbetrieb Straßenbau zu bedenken. Außerdem müssten sich die Leute erst an die neue Situation gewöhnen. „Und die meisten Navigationssysteme sind noch nicht auf neustem Stand“, vermutet Holz. Dennoch: „Das bisherige Ergebnis ist schlecht“, resümiert Renkhoff. Der städtische Verkehrsplaner hat eine weitere Erklärung: „Endgültige Entlastung kann es erst geben, wenn die Eschstraße ausgebaut ist.“ Der Zubringer sei ein wesentlicher Baustein des gesamten Verkehrskonzepts. Dies bekräftigen auch Dieter Alke und Dr. Manfred Wienzek vom Bürgerforum: „Das gilt vor allem für die Strecke Handorf-Hiltrup“, betonen sie.

Auch müsse man berücksichtigen, dass Wolbecks Zentrum noch gestaltet werde, erklärt Renkhoff. Er denkt etwa an Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung: „Diese erhöhen sicher künftig den Widerstand vieler, den Ortskern zu durchqueren.“

 

Kommentar: Die Strecke auprobieren!

Von Iris Sauer-Waltermann

Zugegeben, die Autos rollen erst seit vier Wochen über die Wolbecker Ortsumgehung. Noch gibt es jede Menge Entschuldigungen dafür, dass tendenziell wenige das Angebot nutzen: Vieles wird sich noch einspielen, die Menschen werden sich umstellen, Navigationssysteme bedürfen der Aktualisierung. Auch die Anbindung der Eschstraße und die Umgestaltung des Ortskerns werden noch vieles verändern. Aber eines steht jetzt schon fest: Die Autofahrer müssen sich aufraffen und die Strecke ausprobieren! Wolbecker und Auswärtige sollten sich von alten Gewohnheiten verabschieden und die Umfahrung testen. Auch im Interesse der Anwohner im Ortskern.

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