Vortrag zum Weltfrauentag über Geschlechtergerechtigkeit
„Ist es ein Mädchen oder ein Kind?“

Münster-Wolbeck -

Hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in Sachen Geschlechtergerechtigkeit genug getan? Für den Awo-Themenkreis berichtete die Dozentin Dr. Miao-ling Hasenkamp zum Weltfrauentag über die Lage in Indien, China und im Iran.

Sonntag, 08.03.2015, 00:03 Uhr

Die Politikwissenschaftlerin Dr. Miao-ling Hasenkamp (l.) im Awo-Themenkreis mit Ingrid Brock-Gerhardt: „Frauen sind selbstständige Menschen.“
Die Politikwissenschaftlerin Dr. Miao-ling Hasenkamp (l.) im Awo-Themenkreis mit Ingrid Brock-Gerhardt: „Frauen sind selbstständige Menschen.“ Foto: mlü

Noch in den 1970er Jahren hieß es auf deutschen Entbindungsstationen noch: „Haben Sie ein Mädchen geboren oder ein Kind?“ Als ob Mädchen Menschen zweiter Klasse wären. Das berichtete eine Frau, die damals in einem Krankenhaus angestellt war. Hat sich seitdem in Sachen Geschlechtergerechtigkeit genug getan? Für den Awo-Themenkreis berichtete die Dozentin Dr. Miao-ling Hasenkamp zum Weltfrauentag über die Lage in Indien , China und im Iran.

Der Fall vom 16. Dezember 2012 hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Sechs Männer vergewaltigten in Neu-Delhi eine junge Frau in einem Bus, verletzten sie schwer, warfen sie nackt aus dem Fahrzeug. Die 23-Jährige starb zwei Wochen später. Vor wenigen Tagen gab der Vergewaltiger im Gefängnis ein Interview. Seiner Ansicht nach sei das Opfer für die Tat verantwortlich: Die Frau sei schließlich abends ausgegangen. Eine lächerliche, unmenschliche Logik.

„Die frohe Botschaft ist: Indien ist aufgewacht“, sagt Dr. Miao-ling Hasenkamp im voll besetzten Awo-Treff. Im Slum Dharavi begehren Frauen gegen eine Unterdrückung auf, „die so alltäglich war, dass sie kaum noch wahrgenommen wurde“, berichtet die Politikwissenschaftlerin, die an der Universität Magdeburg lehrt.

„Ich komme ursprünglich aus Taiwan“, sagte die Wolbeckerin zur ihrer Person. Dr. Miao-ling Hasenkamp war das dritte Mädchen in der Familie. Ihre Eltern hätten deswegen tatsächlich überlegt, sie zur Adoption freizugeben, um noch einen Jungen zu bekommen. „Ich bin froh, dass das nicht passiert ist“, sagte sie heute. Ihr Beispiel zeigt, dass Gleichberechtigung nicht alleine mit Gesetzen umzusetzen ist. Sie muss in den Köpfen anfangen. „Die Einstellung der Männer muss geändert werde“, formulierte sie das Ziel.

„Wir sind selbstständige Menschen, wir können bestimmen, was wir wollen“, konstatierte die Politikwissenschaftlerin und erntete Zwischenrufe: „Jawohl!“, bekräftigten die Frauen im Plenum kämpferisch.

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