Von der interessanten Historie einer Gruft
Hier ruhen die gräflichen Vorfahren

Münster-Wolbeck -

Die von Merveldt`sche Familiengruft an der St.-Nikolaus-Kirche ist zur St.-Elisabeth-Kapelle geworden.

Freitag, 03.04.2015, 09:04 Uhr

Pfarrer Jörg Hagemann weist auf die an die St.-Nikolaus-Kirche angebaute Grabkapelle der Familie von Merveldt, die heute von der Gemeinde als Gebetsraum genutzt wird. Der Pfarreirat gab ihr jetzt den Namen „St.-Elisabeth-Kapelle“.
Pfarrer Jörg Hagemann weist auf die an die St.-Nikolaus-Kirche angebaute Grabkapelle der Familie von Merveldt, die heute von der Gemeinde als Gebetsraum genutzt wird. Der Pfarreirat gab ihr jetzt den Namen „St.-Elisabeth-Kapelle“. Foto: isa

Die Szene ist ergreifend: Der Hochaltar der St.-Nikolaus-Kirche zeigt die Grablegung Christi. Josef von Arimathäa und Nikodemus betten den Verstorbenen in einen Sarg. Im Hintergrund weinen die Muttergottes und Maria Kleophä bitterlich. Maria Magdalena sitzt trauernd zu Füßen des Gekreuzigten. Das fast sechs Meter hohe, von Säulen umrahmte Sandsteindenkmal mit dem Karfreitagsgeschehen im Mittelpunkt prägt nicht nur den Chorraum der Wolbecker Pfarrkirche. Das kunsthistorisch wertvolle Monument steht auch in engem Zusammenhang mit der Geschichte des Ortes, mit der für Wolbeck recht bekannten Familie von Merveldt und mit großen Namen wie Johann Conrad Schlaun und Bischof Clemens August von Galen.

Alles begann im 18. Jahrhundert mit dem Anbau einer Familiengruft an die Pfarrkirche St. Nikolaus . Das bis heute erhaltene Ziegelbauwerk geht zurück auf Goswin Hermann Otto von Merveldt. Der im Jahr 1661 Geborene war oberster Meister in Deutschland des „ritterlichen St.-Johannes-Ordens zu Malta“, heute als Malteser-Orden bekannt. Der spätere Fürst zu Heitersheim verfügte, „dass Wir in der zu Wolbeck zu erbauenden capellen begraben seyn wöllen“. Tatsächlich fand Goswin Hermann Otto von Merveldt 1727 in der gräflichen Grabkapelle seine letzte Ruhestätte. Er war das erste Mitglied der heute noch in Wolbeck lebenden Eigentümerfamilie des Drostenhofes, das dort beerdigt wurde. Weitere folgten. Zuletzt wurden die Eltern Franz-Pius Graf von Merveldts in der Familiengruft unter der Kapelle beigesetzt: Mutter Alexandra von Merveldt im Jahr 1993 und Vater Johann Dietrich von Merveldt im Jahr 2000.

Zur Ausschmückung der Grabkapelle war seinerzeit ein monumentales Sandstein-Denkmal für Goswin Hermann Otto von Merveldt in Auftrag gegeben worden. So entstand jener Memorienaltar mit dem Karfreitagsgeschehen, der später in die Pfarrkirche „umzog“. Das prächtige Kunstwerk, das vermutlich von Johann Conrad Schlaun (1694-1773) entworfen wurde, ist von vier Säulen mit korinthischen Kapitellen eingefasst. Über einem barock geschwungenen Gebälk und schwebenden Engeln schließt der Altar mit einem Ordenswappen ab, das zwei Malteserkreuze sowie zwei Rauten der Grafen von Merveldt vereint und von einer Fürstenkrone bedeckt wird.

So prächtig das wertvolle Sandsteindenkmal auch war. Lange Zeit stand es wenig beachtet in der für die Öffentlichkeit kaum zugänglichen Familien-Gruft hinter dem Chorraum. Im Jahr 1942 dann überließ Graf Franz von Merveldt der Kirchengemeinde das Monument, und der damalige Pfarrer Franz Isfort errichtete es als neuen Hochalter in St. Nikolaus. Dabei wurde das Denkmal auf einen Sockel gestellt, um es den Größenverhältnissen der Pfarrkirche anzupassen. Bedeutend war der 6. Juni 1943: An diesem Tag weihte der als „Löwe von Münster“ bekannt gewordene Bischof Clemens August von Galen den Altar ein.

Und was wurde aus dem Kapellenanbau? „Durch das Herausnehmen des Epitaphs von Goswin Hermann Otto von Merveldt ermöglichte mein Großvater, die Grabkapelle als Sakristei zu nutzen“, erläutert Franz-Pius Graf von Merveldt. Lange Zeit wurden dort Hostien und liturgische Gewänder aufbewahrt, diente der Raum den Priestern zum Umkleiden vor dem Gottesdienst. Nachdem 1966 an der Nordseite der Kirche ein Neubau für diesen Zweck errichtet worden war, stand die Grabkapelle wieder leer. Bis sie einige Jahre später zu neuem Leben erwachte: „Bei einer 72-Stunden-Aktion der Wolbecker Messdiener wurde das Gebäude zu einem Gebetsraum umgestaltet“, erinnert sich Pfarrer Jörg Hagemann. Die „Alte Sakristei“ wurde zum beliebten Treffpunkt für Andachten und kleinere Gottesdienste. „Den Namen St.-Elisabeth-Kapelle erhielt sie vor Kurzem, da es in der St. Nikolaus-Pfarrei vor Jahrhunderten ein Stiftung für einen Elisabeth-Altar gab“, erläutert Pfarrer Hagemann. Aber das ist wieder eine andere Geschichte... .

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Literaturhinweis: St. Nikolaus Wolbeck, Schnell, Kunstführer Nr. 2140, Regensburg 1994.

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