Hauptschule Wolbeck hat konstante Anmeldezahlen und wird Referenzschule für Flüchtlinge
Der Fels in der Brandung

Münster-Wolbeck -

Es ist das Schicksal vieler Hauptschulen: Wegen zurück gehender Anmeldezahlen schließen sie ihre Pforten, oder werden – wie es offiziell heißt – „auslaufend gestellt“. So können sich in Warendorf keine Schüler mehr an einer Hauptschule anmelden, in Münster bleiben lediglich vier Hauptschulen als solche erhalten. Eine davon, die Hauptschule Wolbeck, wirkt wie ein Fels in der Brandung: „Wir liegen seit Jahren konstant bei etwa 250 Schülern“, erklärt Schulleiter Peter Wessels im Gespräch mit unserer Zeitung. Und nicht nur das: Im kommenden Schuljahr wird die Wolbecker Einrichtung zur Referenzschule für zugewanderte Kinder und Jugendliche ausgeweitet.

Dienstag, 23.06.2015, 00:06 Uhr

Mit Ruhe und viel Engagement lenkt Peter Wessels die Hauptschule Wolbeck.
Mit Ruhe und viel Engagement lenkt Peter Wessels die Hauptschule Wolbeck. Foto: isa

Auf den Fluren der Schule an der Von-Holte-Straße herrscht kurz vor den Ferien Hochbetrieb: Projekte werden zu Ende gebracht, die Zeugniskonferenz steht an, mehrere „Seiteneinsteiger“ kommen, um sich anzumelden. Wessels bleibt ruhig: „Wir haben für das Schuljahr 2015/16 bereits 21 reguläre Anmeldungen für die fünfte Klasse“, erklärt der Schulleiter. Erfahrungsgemäß würden nach den Sommerferien noch einige dazustoßen. Zudem haben sich schon 17 Seiteneinsteiger aus Münster , Everswinkel oder Drensteinfurt vorgestellt, die an ihrer Realschule nicht klarkommen und nun in der Wolbecker Hauptschule eine neue Heimat suchen.

„Wir haben in jedem Schuljahr etwa 25 Realschüler, selten auch auswärtige Hauptschüler, die bei uns in die Klassen fünf bis neun hineinrutschen“, erklärt der engagierte Pädagoge. Das Kollegium sei darauf eingestellt, dass die Schule einzügig beginnt, und in den Klassen sechs oder sieben dann zweizügig wird.

So hatte auch das laufende Schuljahr in Wolbeck mit 240 Schülern begonnen, inzwischen werden 258 Jungen und Mädchen beschult. „Bei aller Fluktuation – das ist eine ganze Klasse mehr als am Anfang“, gibt Wessels zu bedenken.

Dass so viele Jugendliche den Weg zur Hauptschule Wolbeck finden, hat seiner Meinung nach viele Gründe: „Wir haben eine gute Aufnahmekultur“, bekräftigt der Schulleiter. Frühere Realschüler würden aufgefangen und im Klassenverbund meist schnell integriert. Wessels: „Und positiv wirkt sich aus, dass wir Bestandteil des Schulzentrums und gut im Stadtteil eingebunden sind.“ Der Erfolg spricht für sich: Von 44 Zehntklässlern haben aktuell 23 die Fachoberschule erreicht, davon zehn die Gymnasialreife.

Im August 2015 kommt eine Herausforderung hinzu: Die Hauptschule Wolbeck wird Referenzschule für Flüchtlingskinder. Das heißt, es wird eine zusätzliche, jahrgangsübergreifende internationale Vorbereitungsklasse gebildet, in der Deutsch für Ausländer vermittelt wird. Ziel ist, die Jungen und Mädchen später in Regelklassen an passende Schulen zu vermitteln.

Zwar wird für die Referenzklasse eine spezielle Kraft eingestellt. Aber die Integration der Flüchtlingskinder ist eine zusätzliche Aufgabe für alle Lehrer.

Wie ist das alles zu schaffen? Das Kollegium sei engagiert und kompetent und werde durch einen Erzieher im Anerkennungsjahr sowie eine Sozialpädagogin unterstützt, die sich schwerpunktmäßig um die Berufsvorbereitung kümmert, erläutert Wessels. „Wir tun, was wir können.“

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