Wolfgang Schemann im Awo-Treff
Masematte: Die Matschka auf dem Keilof

Münster-Wolbeck -

Der Buchautor Wolfgang Schemann sprach im Awo-Treff über Leezen, Lowis und Lowinen.

Donnerstag, 05.05.2016, 18:05 Uhr

Wolfgang Schemann ließ Masematte lebendig werden – von der Entstehung bis zur Freizeitsprache.
Wolfgang Schemann ließ Masematte lebendig werden – von der Entstehung bis zur Freizeitsprache. Foto: anh

Masematte und Denkwürdiges aus Münster war am Dienstagabend Thema von Wolfgang Schemann im Awo-Treff. Doch in ganz normalem Deutsch begrüßte Schemann, Autor von „Leeze, Lowi und Lowinen“, die Gäste. Denn mit Höflichkeiten und Floskeln hätten sich „die Masematte-Freier“ nicht aufgehalten.

Das besonders in Münster verbreitete Vokabular, getränkt von Jiddisch, Romani und Rotwelsch, stark ins Niederdeutsche eingebettet, war gängig bei ärmeren Leuten, fahrendem Volk, bei Arbeitern, Viehhändlern, Kleinkriminellen, bei „Pani-Malochern“ beim Bau des Kanals in Münster, bei Kleinbürgern in bestimmten Vierteln, nicht den best angesehensten: ein „Soziolekt“. Sie wollten nicht, dass alle sie verstehen. Angesehen war die Sprache nicht, aber praktisch. Viele Begriffe drehten sich ums Geschäft, um Masematte. Dennoch gebe es etwa ein Dutzend Masematte-Wörter für „Frau“ in der Sprache mit ihrer „sehr übersichtlichen Zahl von Wörtern“. Die Bomben auf Münster im Zweiten Weltkrieg zerstörten viel vom Milieu der Masematte; zuvor hatte sie schon den Zorn der NSDAP auf sich gezogen: das Entstehungs-Mileu der Masematte ging „machulle“.

Schemann liest seine Übersetzung der „Bremer Stadtmusikanten“ wie ein Pani-Fall in Masematte vor: Die Matschka kletterte auf den Keilof – die Awo-Gäste glucksen und lachen. Die Begriffe der Geheimsprache seien heute eine „Spaß- und Freizeitsprache“ und gern gehört in vielen Teilen der Gesellschaft – eine „Sehenswürdigkeit“ Münsters, meint Schemann. Begegnen kann man Masematte auch im Ruhrpott, berichtete Anja Hilgenberg. Und als in einem Gespräch in Süd-Chile einer von „Ömmes“ spricht, stehen dem Gesprächspartner die Tränen in den Augen: Das muss einer aus Münster sein, „das habe ich seit 20 Jahren nicht mehr gehört“.

Einen Masematte-Verein gebe es in Münster nicht, sagt Schemann, ehemals Lokalchef bei „der Tagesfleppe, die sich WN schmust“. Es existiert da und dort am Tresen und in Büchern. Er schrieb selbst eines und war „überrascht, wie viele Leute darauf anspringen – da habe ich jetzt ein zweites gemacht“.

Überrascht waren die Veranstalter, Marlene Benter-Camen und Horst-Herbert Camen, allerdings vom geringen Zuspruch. Beim erster Vortrag platzte der Awo-Treff noch aus allen Nähten.

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