Nach Einschätzung vieler Wolbecker wird im Ortskern zu schnell gefahren
„Viele rauschen einfach durch“

Münster-Wolbeck -

Die Sache ist vertrakt: Zwar kämen inzwischen deutlich weniger Fahrzeuge durch den Wolbecker Ortskern als vor dem Bau der Umgehungsstraße, berichtet Gisela Hautopp. „Aber von denen fahren viele schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer.“ Die Kauffrau weiß, wovon sie spricht. Schließlich sitzt die Inhaberin des „Kleinen Bilderladens“ an der Quelle. Durch das Schaufenster ihres Geschäfts kann sie die Verkehrsströme im zentralen Bereich der Münsterstraße hautnah beobachten – seit einigen Tagen wird sie dabei durch ein mobiles Dialog-Display unterstützt.

Dienstag, 04.10.2016, 00:10 Uhr

Gisela Hautopp mit dem Dialog-Display vor ihrem Geschäft. Sie kritisiert, dass viele Menschen zu schnell durch den Ortskern fahren.
Gisela Hautopp mit dem Dialog-Display vor ihrem Geschäft. Sie kritisiert, dass viele Menschen zu schnell durch den Ortskern fahren. Foto: isa

Zum Hintergrund: Im Dezember 2014 war die Wolbecker Ortsumgehung fertig gestellt worden. Diese nimmt seitdem einen Teil der Fahrzeuge auf, die sich vormals durch den engen Ortskern zwängten. Die Folge: Der Verkehr wird innerorts lockerer, „und dies wiederum verleitet die Menschen offenbar zum Schnellerfahren“, hat Gisela Hautopp beobachtet. Weitere Nachbarn würden ihre Einschätzung teilen.

Bestätigt sieht sie ihre Annahme auch durch das Display, das vergangene Woche vor ihrem Geschäft am Straßenrand aufgebaut wurde. Dieses fordert zu schnell fahrende Autofahrer entweder dazu auf, „langsamer“ zu werden, oder „bedankt“ sich für die Einhaltung des Tempo-30-Limits. Einige Autofahrer führen ohnehin vernünftig, andere reduzierten ihr Tempo, sobald sie das Gerät wahrnähmen, hat die Geschäftsfrau beobachtet, die sich auch im Vorstand des Gewerbevereins engagiert. „Aber viele rauschen einfach durch.“ Was im Ortskern mit seinen extrem schmalen Bürgersteigen einfach zu gefährlich sei, fügt Gisela Hautopp hinzu. Gespannt sei sie darauf, welche Konsequenzen aus der aktuellen Verkehrsmaßnahme nun gezogen würden.

Natürlich habe die Verkehrsbelastung im Ortskern nach dem Bau der Umgehungsstraße abgenommen, bestätigt Verkehrsplaner Ralf Renkhoff vom Amt für Stadtplanung. Jedes Auto, das auf die Umgehungsstraße ausweiche, mache die Ortsdurchfahrt für andere aber gleichzeitig attraktiver. Und tatsächlich sei es ein regelmäßig beobachtetes Phänomen, dass die Geschwindigkeit bei locker werdendem Verkehrsfluss zunähme. „Wenn die Möglichkeit besteht, die Geschwindigkeit zu erhöhen, wird das von vielen trotz Tempolimits auch genutzt.“

Das Dialog-Display an der Münsterstraße wurde auf Anregung der BV Südost aufgebaut, erläutert Ulrich Zelke. Gemessen werde die Geschwindigkeit 70 Meter und 40 Meter vor dem Gerät, und die Daten würden ausgewertet, fügt der städtische Fachstellenleiter für Verkehrstechnik hinzu. Wie üblich, wird das Display nach drei bis vier Monaten wieder abgebaut. Dann könne sich die BV für ein festes Gerät entscheiden, das zwischen 6000 und 7000 Euro koste.

„Verkehrs-Displays bieten keine endgültige Lösung“, weiß Ralf Renkhoff aus Erfahrung. Er sieht die einzige Möglichkeit zur effektiven Geschwindigkeitsbegrenzung in baulichen Maßnahmen, etwa Straßenverengungen. Diese seien für den Ortskern ohnehin vorgesehen, wofür allerdings der Anschluss der Eschstraße an die Ortsumgehung Voraussetzung sei. Denkbar sei jedoch, schon im Vorfeld einen Teil der nördlichen Münsterstraße zu beruhigen, um bereits dort die Ortsdurchfahrt unattraktiver zu machen.

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