Caritas und Diakonie bieten in der Annetteschule einen Deutschkurs speziell für Frauen an
„Ich möchte neue Freunde finden“

Münster-Angelmodde -

„Was gibt es alles im Badezimmer?“, fragt Alexandra Gamber in die Runde. Die erste Antwort kommt zögerlich. „Dusche“ sagte eine der fünf Teilnehmerinnen des Frauensprachkurses, die auf Kinderstühlen rund um einen Schultisch mit rosa Lacktischdecke sitzen. Der Begriff wird auf die Tafel geschrieben. Dann zeichnet die Kursleiterin gekonnt eine Badewanne, ein Waschbecken und eine Toilette daneben, nennt die Gegenstände beim Namen und notiert auch diese Begriffe neben den Bildern. Die Frauen aus Sri Lanka, Griechenland, Ungarn, Nigeria und Kamerun hören genau zu und schreiben mit. „Ich verstehe jedes Mal ein bisschen mehr“, strahlt eine.

Mittwoch, 25.01.2017, 00:01 Uhr

Den Deutschkurs für Frauen  besuchen Teilnehmerinnen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Das Angebot ist eine Koproduktion von Diakonie, Caritas und der Annette-Grundschule.
Den Deutschkurs für Frauen  besuchen Teilnehmerinnen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Das Angebot ist eine Koproduktion von Diakonie, Caritas und der Annette-Grundschule. Foto: isa

Seit Anfang Januar gibt es diesen Deutschkurs speziell für ausländische Frauen. Er ist eine Koproduktion von Diakonie , Caritas und der Annette-Grundschule. Schritt für Schritt lernen die Kursteilnehmerinnen Begriffe aus dem Alltag kennen. „Wir haben mit dem Vorstellen der eigenen Person und den Zahlen begonnen“, erläutert Alexandra Gamber . Dann folgten Begriffsfelder, die die Frauen sich wünschten. So sei sicher gestellt, dass die Lerninhalte auch „ankommen“. In einer Sitzung etwa drehte sich alles ums Putzen, weil einige Teilnehmerinnen als Putzfrauen arbeiten. „Alle sind sehr konzentriert“, betont die Sozialarbeiterin. „Wobei der Spaß nicht zu kurz kommt, etwa wenn ich auf den Tisch steige, um mit Händen und Füßen zu zeigen, was ein Spinnennetz ist.“

Alexandra Gamber hatte die Idee zu dem Spezial-Sprachkurs: „Mir ist aufgefallen, dass in viele ausländische Familienmütter zu Hause isoliert sind, während die Väter arbeiten und die Kinder zur Schule gehen.“ Im Stadtteil bereits bestehende Angebote seien entweder zu weit weg von den Wohnungen oder zu teuer für die Frauen gewesen. Zusammen mit Margarete Bollrath von der Caritas Münster wurde das Projekt „gestrickt“ und die Flyer in Angelmodde und Gremmendorf verteilt. Die Resonanz war sehr gut, fünf bis zehn Frauen kommen jeweils zu den kostenlosen Kursen.

Eine junge Frau aus Kamerun bringt regelmäßig ihr sechs Monate altes Baby mit, das sie sonst nicht unterbringen kann. Kimberly scheint der Kurs zu gefallen, sie strahlt und spielt abwechselnd mit dem Kugelschreiber und dem Daumen der Mutter. Überhaupt ist die Stimmung fröhlich, man duzt sich und scherzt viel, „Die Lehrerin ist sehr nett“, sagt Aysha, die aus Nigeria über Italien und Schweden nach Deutschland reiste, vier Kinder hat und das fünfte erwartet. „Drei Mädchen und einen Jungen habe ich“, berichtet sie stolz. Nun kommt wieder ein Junge.

Ihre Sitznachbarin aus Sri Lanka hat eine elfjährige Tochter, die in Münster die Gesamtschule besucht. Jahrelang hat sie sich kaum aus dem Haus getraut, erzählt sie in gebrochenem Deutsch, weil sie „sehr traurig“ war. Vor fünf Jahren starb ihr Mann, der sich bis dahin um alles gekümmert hatte. Jetzt hat sie neuen Mut gefasst. Sie lernt gern und hat schon mit den Lehrern ihrer Tochter gesprochen.

Orsi kommt aus Ungarn und lobt ihr Wohnumfeld: „Meine Nachbarn am Gremmendorfer Weg sind liebe Menschen“, sagt. Warum sie Deutsch lernt? „Ich möchte noch mehr neue Freunde und Freundinnen finden“.

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