Podiumsdiskussion zur Reaktivierung der WLE-Schienen
Top-Thema Busverkehr: Was wird aus der Linie 8?

Münster-Südost -

Viele Bürger befürchten, dass es nach einer möglichen Reaktivierung der WLE-Schienen zwischen Münster und Sendenhorst zur Streichung von Buslinien kommen könnte. Experten weisen jedoch darauf hin, dass es nicht um ein „Entweder-Oder“ gehe. Bahn und Bus müssten einander ergänzen

Donnerstag, 09.02.2017, 01:02 Uhr

An der Reaktivierung der WLE-Schienenstrecke scheiden sich die Geister. Viele Bürger sind dagegen, Fachleute weisen auf die Vorteile hin.
An der Reaktivierung der WLE-Schienenstrecke scheiden sich die Geister. Viele Bürger sind dagegen, Fachleute weisen auf die Vorteile hin. Foto: mlü/Grafik Christ

Volles Haus in der Gaststätte Sültemeyer – rund 100 Interessierte waren der Einladung der FDP-Ratsfraktion zur Diskussionsveranstaltung mit Politikern und Fachleuten gefolgt, das Thema: Reaktivierung der Schienenstrecke der Westfälischen Landeseisenbahn (WLE) auf der Strecke Münster-Sendenhorst. Und obwohl es eigentlich um Zugverkehr ging, drehte sich ein Großteil der von Bezirksvertreter Willi Schriek geleiteten Diskussion um die Frage, wie sich eine mögliche Schienen-Reaktivierung auf den örtlichen Busverkehr auswirke.

„Was wird aus der Linie 8?“, kritisierte ein Bürger. Er bezog sich damit auf Fach-Gutachten aus dem Jahr 2010. Dieses empfiehlt im Fall einer WLE-Reaktivierung die Einstellung der Buslinie 8 und statt dessen eine Verknüpfung anderer Linien sowie ergänzende Taxibusangebote. Zurzeit führt die Linie 8 durch Wolbeck, Angelmodde und Gremmendorf bis zum Hauptbahnhof und weiter nach Coerde.

Kosten, Schranken, Haltepunkte

Fragen zu zahlreichen Themen wurden in der Diskussion zur WLE-Reaktivierung angerissen: Kosten, Zug-Frequenz, Bahnhöfe/Schranken, Schallschutz, Verfahren

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Gerade Ältere würden einen Verlust nahe gelegener Bushaltestellen befürchten, so der Kritiker. Bisher könne man von Wolbeck mit dem Bus bis in die Stadt fahren, künftig müsse man umsteigen, merkte er an und erhielt Zustimmung von Dr. Lars Ostermeyer (Bürgerinitiative gegen die WLE-Reaktivierung) und Applaus aus dem Publikum.

Veränderte Bedingungen

Er könne die Ängste verstehen, entgegnete Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Tengelmann. Allerdings gehe es beim Thema Bus/Bahn nicht um ein „Entweder-Oder“. Vielmehr warb Müller-Tengelmann für einen „Intelligenten Zubringerverkehr“, also eine Kombination von Bus und Bahn. Dies funktioniere „etwa in Hiltrup oder Roxel sehr gut“. Angestrebt sei „ein kundenfreundliches Bussystem mit barrierefreien Verbindungen zum nächsten Bahnhaltepunkt“.

Meinung

Modernes Verkehrsnetz nötig

Das Dilemma liegt auf der Hand: Wer eine mögliche Reaktivierung der WLE-Schienenstrecke von Münster nach Sendenhorst beurteilen will, kann sich zurzeit nur auf ein Gutachten von 2010 berufen. Die zugrunde liegenden Zahlen sind jedoch hoffnungslos veraltet. Damals war noch nicht absehbar, wie sehr der Albersloher Weg inzwischen unter dem Verkehr ächzt.

Auch die geplante Errichtung von fast 2000 neuen Wohnungen auf dem Gelände der York-Kaserne konnte damals noch nicht in die Kalkulation einbezogen werden. Diese und weitere Aspekte müssen demnächst in eine Bewertung der Bus- und Bahnlinien einfließen. Auch Lärmschutz und andere Belange der Bürger sind zu beachten.

Soviel aber ist klar: Eine Großstadt mit über 300 000 Einwohnern und einer Funktion als Regionalzentrum kann auf Dauer nicht auf ein modernes Verkehrsnetz verzichten. (Um Buslinien ergänzte) Schienenstrecken gehören dazu. 

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Auch zum konkreten Thema „Linie 8“ nahm der Stadtwerke-Chef Stellung. Das damalige Gutachten basiere auch auf damaligen Verhältnissen, erläuterte er. So sei man 2010 zum Schluss gekommen, dass ein weitgehender Parallelverkehr von WLE- Bahn und Linie 8 unwirtschaftlich sei.

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Inzwischen hätten sich die Bedingungen jedoch grundlegend geändert: Der Verkehr habe zugenommen, die Staus auf dem Albersloher Weg würden länger und nach dem Abzug der britischen Streitkräfte erwarte man rund 1800 zusätzliche Wohnungen auf dem Gelände der York-Kaserne.

Auswertung neuer Zahlen erforderlich

Der Bedarf an Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) wachse permanent. Statt 32 Millionen im Jahr 2008 verzeichne der Busverkehr in Münster aktuell 41 Millionen Fahrgäste. Da sei durchaus die Frage erlaubt, ob inzwischen Platz für zwei Systeme sei. „Meines Erachtens könnte es auf eine gewisse Dualität von Bus und Bahn hinauslaufen“, so Müller-Tengelmann.

LandeseisenbahnNeu
Foto: WN

Eine endgültige Bewertung der Situation sei aber erst nach Auswertung neuer Zahlen durch die WLE möglich, die in vier Wochen vorliegen soll, so der Experte. Von Vorteil sei eine Zug-Verbindung Richtung Sendenhorst besonders für Pendler und für junge Familien, die in Münster keinen Wohnraum fänden. So würde der Wohnungsmarkt entlastet.

Münster sei deutschlandweit die einzige 300.000-Einwohner-Stadt, die keine S-Bahn habe, ergänzte jemand aus dem Publikum. Außerdem müsse man auch im Busverkehr umsteigen.

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