Splitterbunker am Wolbecker Bahnhof
Schlüsselloch zur Vergangenheit

Münster-Wolbeck -

Eine Kindheit im Krieg: „Das war früher für uns eine Rodelbahn“, berichtet Bernhard Roer. Hügel oder Berge gab es in Wolbeck ja nicht, also musste es der Splitterbunker mit seinem Erdwall am Wolbecker Bahnhof tun.

Donnerstag, 27.04.2017, 12:04 Uhr

Die Zeitzeugen Bernhard Roer und Dieter Alke (v.l.) sitzen auf dem ehemaligen Eingang des Bunkers am Wolbecker Bahnhof. „In der benachbarten Petersheide stand eine Flakstellung mit Scheinwerfern“, berichtet Roer. „Als die nach dem Krieg zerstört war, haben wir dort immer gespielt.“
Die Zeitzeugen Bernhard Roer und Dieter Alke (v.l.) sitzen auf dem ehemaligen Eingang des Bunkers am Wolbecker Bahnhof. „In der benachbarten Petersheide stand eine Flakstellung mit Scheinwerfern“, berichtet Roer. „Als die nach dem Krieg zerstört war, haben wir dort immer gespielt.“ Foto: mlü

Und weil es auch keine Schlitten gab, griffen findige Mütter zu Sicherheitsnadeln und befestigten damit gewachste Tischdecken an den Hosenböden der Kinder. Wer es jedoch beim Rodeln zu wild trieb, dem rissen die Sicherheitsnadel vier großen Löchern in die Hose!

Kaum jemand weiß noch, dass sich unter dem Erdwall am Wolbecker Bahnhof bis heute ein Splitterbunker aus dem Zweiten Weltkrieg verbirgt. Nur ein paar wenige Betonreste ragen zwischen dem Wurzelwerk der Bäume hervor und zeugen von einer bewegten Vergangenheit. Dass der alte Bunker nahezu unbekannt ist, hat einen Grund: Jeder floh damals lieber in den Keller des Bahnhofs. „Der war tiefer“, berichtet Roer . Die Wolbecker hofften, so würden sie auch einen Bombentreffer überleben. Im kleinen „Splitter“-Bunker hätte man das ganz sicher nicht.

„Sehen Sie sich das an!“, sagt Dieter Alke und zeigt seinen Arm. „Ich kriege immer noch eine Gänsehaut, wenn ich von Bunkern spreche.“ Genau wie Bernhard Roer war er im Zweiten Weltkrieg noch ein Kind. Luftangriffe gehörten ab 1942 zum Alltag. Während Roer mit seiner Mutter zum Wolbecker Bahnhof hinüberflitzte – sie wohnten damals direkt gegenüber – versteckten sich Dieter Alke mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder im Schützenhofbunker an der Hammer Straße. „Mein Bruder war noch ein Baby und schrie die ganze Zeit. Ich hielt mich an meinem kleinen Koffer fest.“ Durch eine glückliche Fügung saßen Dieter Alke und seine Familie am 18. November 1944 nicht im Bunker. Eine Bombe durchschlug die Decke in der dritten Etage und detonierte dann im Inneren. Das Gebäude stürzte zum Teil ein, 68 Personen wurden von herabstürzenden Betonteilen erschlagen. Nach dem Krieg waren Bunker immer noch gefährlich – häufig lag dort noch alte Munition herum. Bei einem Unglück verlor Alke deswegen einen Spielkameraden.

Zurück nach Wolbeck : „Während des Krieges waren hier morgens oft viele hundert Leute am Wolbecker Bahnhof. Wenn beim Verladen von Vieh mal ein Bulle entwischte, mussten wir aufpassen“, erinnert sich Bernhard Roer. In der benachbarten Petersheide stand außerdem eine Flakstellung mit Scheinwerfern. „Als die nach dem Krieg zerstört war, haben wir dort immer gespielt.“

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