Jugendbande terrorisiert Schüler in Wolbeck
Mutige Schüler erstatten Anzeige

Münster-Wolbeck -

Seit einigen Monaten terrorisieren drei Minderjährige andere Jugendliche auf dem Schulweg an der Hiltruper Straße. Doch einige mutige Opfer lassen sich das nicht länger gefallen und zeigen Zivilcourage: Sie rufen die Polizei, erstatten Anzeige. Immer wieder.

Dienstag, 30.01.2018, 17:28 Uhr aktualisiert: 01.02.2018, 09:44 Uhr
Diese fünf Betroffenen packen aus: Das zum Schutz dieser fünf Opfer verfremdete Foto zeigt den schmalen Fußweg entlang der Bahngleise an der Hiltruper Straße. Dort wurden sie schon öfter drangsaliert. Mittlerweile liegen gegen die drei namentlich bekannten Täter zahlreiche Anzeigen vor.
Diese fünf Betroffenen packen aus: Das zum Schutz dieser fünf Opfer verfremdete Foto zeigt den schmalen Fußweg entlang der Bahngleise an der Hiltruper Straße. Dort wurden sie schon öfter drangsaliert. Mittlerweile liegen gegen die drei namentlich bekannten Täter zahlreiche Anzeigen vor. Foto: mlü

Sie hatten ihn zu dritt auf den Boden geworfen. Wieder auf dem schmalen Fußweg, der vom Schulzentrum zum Supermarkt und weiter Richtung Petersheide führt. Da lauern sie immer. Manchmal treten sie nach oder spucken. Diesmal riss der Rädelsführer einen schweren Baumpfahl aus der Erde – und warf ihn auf das am Boden liegende Opfer. Knapp daneben. „Das ist Einschüchterung pur“, erinnert sich der Betroffene.

„Die Anzeigen häufen sich im zweistelligen Bereich“, bestätigt die Polizei Münster. Die Täter sind den Beamten namentlich bekannt, sie haben keinen Migrationshintergrund und sind 16 beziehungsweise 17 Jahre alt. Verzeichnet sind neben Körperverletzungen und räuberischer Erpressung auch Ladendiebstähle und Hausfriedensbrüche. Von zwei Tätern ist bekannt, dass sie seit dem Sommer die Schule schwänzen. Meistens wollen die drei Täter einfach nur Geld. Oder sie sind betrunken und pöbeln herum. Einmal hätten sie jemandem die Kopfhörer aus den Ohren herausgerissen und gestohlen.

Was die Betroffenen berichten, ist teils haarsträubend: „Mir haben sie gesagt, sie würden mit einer Waffe zu mir nach Hause kommen“, sagt einer. Das mag krasse Prahlerei sein, trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl: „Manchmal verfolgen sie dich bis nach Hause und hauen Dir eine rein.“

Längst nicht alle Schikanen werden zur Anzeige gebracht. „Vor allem die Mädchen trauen sich nicht, zur Polizei zu gehen“, schildert einer der Betroffenen im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele Opfer befürchten Racheaktionen: „Mir haben sie mal gedroht, ich soll die Anzeige wieder zurücknehmen“, berichtet jemand. Er und andere Jugendliche lassen sich davon jedoch nicht mehr länger einschüchtern. „Die verhauen dich sowieso – Sicherheit gibt es nicht.“

Auch am Jugendzentrum Bahnhof Wolbeck gab es Vorfälle. „Ehrenamtlichen wurde ins Gesicht geschlagen“, bestätigt ein Sozialpädagoge. Auf dem Gelände hätten die drei Täter längst Hausverbot. „Wir schließen mittlerweile ab – dabei wollen wir ein Haus der offenen Tür sein.“

In dieser und der kommenden Woche soll es nach Polizeiangaben weitere Gespräche geben: „Die Vernehmungen laufen noch“. Auch die Jugendgerichtshilfe ist eingeschaltet. Aus Sicht der Opfer dauert das alles zu lange. „Die haben nichts mehr zu verlieren“, formuliert einer der betroffenen Jugendlichen seine Sorge vor weiteren Repressalien. Am Montag vor einer Woche habe es wieder einen Vorfall gegeben.

Umgang mit minderjährigen Straftätern

Im Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund“, erläutert Bernhard Gleitz von der Jugendgerichtshilfe der Stadt Münster das allgemeine Verfahren. Wird eine Anzeige gegen einen Minderjährigen eingeleitet, kommt es nicht automatisch zu einem Strafverfahren vor dem Jugendgericht. Der Jugendrichter und die Staatsanwaltschaft können ein so genanntes Diversionsverfahren einleiten: Zum Beispiel kann die Auflage erteilt werden, sich beim Opfer zu entschuldigen oder Wiedergutmachung zu leisten.

„Aus der Forschung wissen wir: Je härter interveniert wird, desto höher ist die Rückfallquote“, so Gleitz. Daher sei es in manchen Fällen sinnvoll, auch zwei oder sogar drei Diversionsverfahren anzuregen, bevor es zum Strafverfahren kommt. Die Pädagogik kennt jedoch Grenzen: „Es kann nicht sein, dass ein paar Jugendliche einen ganzen Stadtteil in Angst und Schrecken versetzen.“ Kommt es als Reaktion auf eine Anzeige zu erneuten Drohungen gegen das Opfer „hört jede Toleranz auf“. Dann könne Untersuchungshaft angeordnet werden.

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