Staatsforst profitiert von natürlicher Verjüngung
Tiergarten übersteht Dürre besser

Münster-Wolbeck -

Die Dürreschäden in den deutschen Wäldern sind beispiellos. In Wolbeck dagegen blieben die Katastrophenmeldungen jedoch bislang aus. Warum eigentlich?

Freitag, 17.08.2018, 07:30 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 17.08.2018, 07:21 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 17.08.2018, 07:30 Uhr
Hans-Lothar Wermter (r.) vom Landesbetrieb Wald und Holz erläutert, warum der Tiergarten vergleichsweise gut mit der Dürre zurechtgekommen ist. Entwarnung kann er aber nicht geben: „Der wenige Regen, der bisher gefallen ist, ist noch gar nicht bei den Wurzeln angekommen.“
Hans-Lothar Wermter (r.) vom Landesbetrieb Wald und Holz erläutert, warum der Tiergarten vergleichsweise gut mit der Dürre zurechtgekommen ist. Entwarnung kann er aber nicht geben: „Der wenige Regen, der bisher gefallen ist, ist noch gar nicht bei den Wurzeln angekommen.“ Foto: Wilfried Gerharz

„Im Tiergarten gibt es keine Schäden zu verzeichnen“, bestätigt er Förster Hans-Lothar Wermter vom Landesbetrieb Wald und Holz. Dafür gebe es mehrere Gründe. Einer davon hat mit einem Ereignis vor rund 200 000 Jahren zu tun. In der zweitjüngsten Eiszeit, der Saale-Kaltzeit, war der Tiergarten von Gletschern überzogen, die von Skandinavien bis ins heutige Ruhr- und Niederrheingebiet reichten. Eine Folge dieser Eiszeit war, verkürzt gesagt, dass in Wolbeck tonreiche, lehmige Böden zurückblieben. Sie verhindern, dass Niederschlag sofort absickert. „Die Wasserhaltekraft ist höher“, erläutert der Förster.

Daran alleine liegt es aber nicht, dass der Tiergarten die Dürre vergleichsweise unbeschadet überstanden hat. Trotz eiszeitlicher Stauwasserböden und selbst nach den Regenschauern der vergangenen Tagen ist der Wald nämlich noch immer knochentrocken. Zumindest in der Tiefe. „Der Regen, der bisher gefallen ist, ist noch gar nicht bei den Wurzeln angekommen“, so Wermter. „Wir können derzeit also noch nicht von einer Entspannung sprechen.“ Er hofft, dass es in den kommenden Tagen und Wochen weitere Regenschauer gibt.

Es muss weitere Faktoren geben, die dazu beitragen, dass der Tiergarten bislang schadlos aus der Dürre herausgegangen ist. Wermter führt dafür weitere Besonderheiten des Staatsforstes ins Feld. In anderen Wäldern werden Setzlinge aus der Baumschule auf große Freiflächen eingepflanzt. Ihre Wurzeln sind klein und reichen nicht sehr tief, damit sie transportfähig sind. Deswegen kommen sie nur schlecht mit Trockenheitsperioden zurecht. Im Tiergarten haben junge Bäume höhere Überlebenschancen, weil sie direkt an Ort und Stelle wachsen. Der Fachmann nennt das eine „natürliche Verjüngung“ des Waldes. „Im Staatsforst sind wir durch einen Erlass an eine kahlschlagfreie Nutzung gebunden“, beleuchtet Wermter die Zusammenhänge. Große freie Flächen entstehen also nicht. Sondern nur kleinere Lichthöfe, die von den umliegenden Bäumen ganz von alleine neu besiedelt werden.

Eine natürliche Verjüngung des Bestandes ist aber nur dann sinnvoll, wenn der Wald seine derzeitige Baummischung behalten soll. Das ist anderswo nicht der Fall – der Klimawandel stellt althergebrachte Arten vor Herausforderungen. Mehr Vielfalt tut häufig Not. „Im Tiergarten haben wir den Vorteil, dass wir mit der Mischung bereits sehr zufrieden sind.“ Die vielen Nadelhölzer, die nur schlecht auf die bevorstehenden Klimaveränderungen vorbereitet sind, fielen im Tiergarten bereits den schweren Stürmen der jüngsten Jahre und dem Borkenkäfer zum Opfer. Im feuchten Wolbecker Eiszeit-Boden gedeihen dagegen Eichen bestens.

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