Gemeinde St. Nikolaus Münster erarbeitet ein Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch
„Die Opfer in den Blick nehmen“

Münster-Südost -

Was mancher ahnte, wird jetzt belegt: Eine von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie erweist, dass es in der deutschen katholischen Kirche tausendfachen sexuellen Missbrauch von Klerikern an Kinder und Jugendlichen gegeben hat. Nicht nur die Institution Kirche als Ganze muss sich nun der Verantwortung stellen. Auch jede einzelne Pfarrei ist gefragt. Unsere Zeitung sprach mit Seelsorgern der Gemeinde St. Nikolaus Münster, wie dort ganz konkret mit dem Thema umgegangen wird.

Dienstag, 18.09.2018, 19:24 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.09.2018, 00:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.09.2018, 19:24 Uhr
Diese Broschüre ist beim Bistum Münster erhältlich. In der Gemeinde St. Nikolaus Münster wird zurzeit ein spezielles Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche entwickelt.
Diese Broschüre ist beim Bistum Münster erhältlich. In der Gemeinde St. Nikolaus Münster wird zurzeit ein spezielles Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche entwickelt. Foto: isa

Man sei „zutiefst getroffen“ davon, dass die Studie von mindestens 3677 Opfern spreche, wobei die Dunkelziffer wohl deutlich höher liege. Dies betonen der Leitende Pfarrer der Gemeinde, Jörg Hagemann, sowie Jugendreferent Berthold Sanders und Pastoralreferent Thomas Hußmann, der speziell für Familienpastoral und Kindergärten zuständig ist. Wichtig sei, die Zahlen für das Bistum Münster zu erfahren, vielleicht sogar für die eigene Pfarrgemeinde.

„Wir müssen die Opfer in den Blick nehmen und ihnen alle Hilfe geben, die möglich ist“, so Hagemann weiter. Bei ihm selbst seien bisher keine oder nur anonyme Hinweise eingegangen. Er appelliert an alle Betroffenen, sich zu melden. „Bei der Pfarrei, beim Bistum oder auch außerhalb der Kirche.“ Ratschläge könne die Homepage der Gemeinde geben, die sich in einem speziellen Bereich mit dem Thema beschäftige. Und es gebe eine hilfreiche Broschüre des Bistums Münster, die den Titel „Augen auf! Hinsehen und Schützen!“ trage.

Jeder Fall müsse geahndet werden, so Hagemann weiter. In diesem Sinne appelliert er an alle Haupt- und Ehrenamtlichen in der Gemeinde: „Alle sollten für das Thema sensibel sein und wissen, wie man bei einem Verdacht reagieren kann.“

Um dies vor Ort zu gewährleisten, wurde in der Gemeinde St. Nikolaus Münster im Jahr 2017 eine Projektgruppe unter Leitung von Berthold Sanders und Thomas Hußmann gebildet, die sich mit der Thematik des sexuellem Missbrauchs beschäftigt. Auch bei ihm seien bisher keine konkreten Hinweise angekommen, erklärt Hußmann. Man müsse jedoch stets aufmerksam sein: „Das Thema ist immer noch sehr tabubehaftet.“

Auch Berthold Sanders appelliert an die Sensibilität aller, die in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Niemand dürfe sich scheuen, das Gespräch zu suchen. Opfer würden geschützt, und man gehe jedem Hinweise nach.

Wie man sich konkret im Einzelfall verhalten kann, dazu soll das „Institutionelle Schutzkonzept“ (ISK) Hinweise geben, das zurzeit in der Gemeinde erarbeitet wird und im Frühjahr 2019 veröffentlicht werden soll: Wo beginnt eigentlich eine Grenzüberschreitung? An wen wende ich mich bei einem Verdacht? In welchem Fall stellt man eine Strafanzeige? Diese und weitere Fragen werden in dem Papier thematisiert.

Außerdem geht es darin um Schulungen für Mitarbeiter und um weitere präventive Maßnahmen. So müssen inzwischen alle, die in der Gemeinde mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse vorlegen. Darin sind auch Delikte im niedrigen Strafbereich aufgeführt, die sich etwa auf Verletzung von Fürsorge- und Erziehungspflicht, auf Misshandlung von Schutzbefohlenen und ähnliches beziehen.

„Wir bitten um Verständnis für diese Maßnahmen“, so Pfarrer Hagemann. Sie dienten allein der Sicherheit von Kindern und Jugendlichen.

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