Türmerin von Münster beim Frauentreff
Geheimnisse aus der Turmstube

Münster-Wolbeck -

An sechs Abenden in der Woche steigt Martje Saljé den Turm von St. Lamberti. Sie ist die Türmerin der Stadt Münster. Jetzt hat sie einige spannende Geheimnisse beim Frauentreff in Wolbeck offenbart.

Donnerstag, 27.09.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 27.09.2018, 08:00 Uhr
Martje Saljé ist seit Januar 2014 die Türmerin von St. Lamberti. Bei ihrem Besuch in Wolbeck hatte sie auch ihre Gitarre dabei. 
Martje Saljé ist seit Januar 2014 die Türmerin von St. Lamberti. Bei ihrem Besuch in Wolbeck hatte sie auch ihre Gitarre dabei.  Foto: hk

Wo brennt es? Kommen Feinde auf Ritterrüstungen heran geritten? Ganz so schlimm ist es in der heutigen Zeit nicht, aber einen Brand hat Martje Saljé in diesem Sommer tatsächlich ausfindig machen können. Im Wienburgpark war ein Feuer ausgebrochen, als jemand seine Gartenabfälle verbrannt hatte. Wenn die Türmerin von Münster so etwas sieht, ruft sie sofort die Feuerwehr.

Im Notfall Platz für 15 Menschen

Von ihren Erlebnissen als Türmerin berichtete Martje Saljé am Mittwochnachmittag bei Kaffee und Kuchen den Besucherinnen des Offenen Frauentreffs in der evangelischen Christuskirche. Sie offenbarte so manches Geheimnis, nur der Blick in die Stube hoch oben auf dem Turm blieb den Frauen verwehrt. Saljé verriet nur so viel: Das Sofa, das ihr Vorgänger Wolfram Schulze hinterlassen hat, sei inzwischen auf nicht ganz ungefährliche Weise entsorgt worden. Dadurch sei immerhin etwas mehr Platz für den Ausnahmefall geschaffen worden. Denn dann soll sich bis zu 15 Menschen gleichzeitig in der Stube aufhalten können.

Fast jeden Abend – nur dienstags nicht – steigt Saljé 300 Treppenstufen hinauf zu der Turmstube in 114,6 Metern Höhe, vorbei an den drei Käfigen, die im Originalzustand am Turm von St. Lamberti hängen. Es sei wichtig, am Originalstandort Bezüge zur Geschichte herzustellen und die Dinge nicht in Museen zu stecken, sagt Saljé, die nicht nur Türmerin, sondern auch Historikerin ist. Bis 1898 habe es weniger Stufen gegeben, da der Kirchturm noch nicht so hoch war. Erst später wurde er ersetzt.

Signale in drei Himmelsrichtungen

Mit dem 1,20 Meter langen Horn bläst die 38-Jährige in die drei Himmelsrichtungen Süden, Westen und Norden, wobei das erste Signal um 21 Uhr nach Süden geht. „Die Signale sind sehr symbolaufgeladen“, sagt sie. Drei mal werde in die drei Richtungen geblasen, denn neun stehe für die Dreifaltigkeit. Nur nach Osten gibt es kein Signal, sagt Saljé: „Es ist eine Respektrichtung mit dem Grab Christi in Jerusalem.“

Ob sie einen Stellvertreter habe, fragt eine Zuhörerin. Natürlich, sogar einen sehr verlässlichen, der einsprang, als sie eine Schulterverletzung hatte und das schwere Horn nicht heben konnte. Das Horn bleibt stets im Turm und wird vom Vorgänger übernommen. Ihren Wollumhang allerdings hat sich die Türmerin schneidern lassen.

Alle fünf Jahre läutet die Ratsglocke

„Es ist wichtig, dass das Amt belebt wird“, sagte die gebürtige Bremerin, die der Stadt Münster unterstellt ist. So sei es auch ihre Aufgabe, alle fünf Jahre die schwere aus dem Jahr 1594 stammende Ratsglocke per Hand zu läuten, wenn der Oberbürgermeister vereidigt wird. Auch zum Weltfriedenstag am 21. September erklang sie. Die städtische Ratsglocke hängt über den acht Kirchenglocken von St. Lamberti.

Türmer zu sein, das ist für Martje Saljé mehr als ein Beruf. Es sei Berufung, sagte sie, die erste Frau, die auf dem Turm von St. Lamberti das Horn bläst. „Alle Türmer in Europa haben etwas Musisches, Künstlerisches oder Philosophisches. Man muss sich selbst genug sein“, sang Saljé „Türmers Nachtgesang“ zum Abschluss in Begleitung ihrer Gitarre.

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