Gedenkveranstaltung findet am 9. November statt
Erinnerung an jüdische Mitbürger

Münster-Wolbeck -

Die Reichspogromnacht des Jahres 1938 jährt sich am Freitag (9. November) zum 80. Mal. In Wolbeck wird erneut an die Angriffe auf jüdische Bürger im Ort und auf ihre Synagoge gedacht. Der „Verein Spuren finden“ und der „Arbeitskreis Ökumene Münster-Südost“ laden am Jahrestag um 18 Uhr zu einem Erinnern ein, das in der Christuskirche beginnt. Auch anhand von Dokumenten der Zeit wird am Freitag an die damaligen Ereignisse erinnert. Diesmal übernehmen Schüler der Realschule die Aufgabe des Vorlesens (die WN berichteten).

Freitag, 09.11.2018, 17:52 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 06.11.2018, 00:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 09.11.2018, 17:52 Uhr
Gedenken an die Mitbürger: Eine Station war auch schon im Jahr 2017 der ehemalige jüdische Friedhof in Wolbeck.
Gedenken an die Mitbürger: Eine Station war auch schon im Jahr 2017 der ehemalige jüdische Friedhof in Wolbeck. Foto: anh

Außerdem wird der 81-jährige Ernst Swensson bei der Veranstaltung sprechen. Er berichtet unter anderem über seine Mutter Jenny Cohen, die in Wolbeck als Jenny Philipps geboren wurde. Ihr „Stolperstein“ liegt an der Neustraße 5. Jenny Cohen überlebte den Krieg in Schweden. Ihre Mutter, ihre Schwester, ihre Halbschwester und ihr Halbbruder starben in Sobibor, Stutthof und Auschwitz.

Ernst Swensson kam 2011 zum ersten Mal nach Wolbeck. Bereits im Jahr 2015 nahm Swensson, der auf Rügen lebt, am Gedenktag zur Reichspogromnacht teil, der damals in der Kirche St. Nikolaus den Abschluss fand.

Der diesjährige Gang führt zunächst zum ehemaligen jüdischen Friedhof am Helmut-Pins-Weg. Dort werden die Namen jüdischer Mitbürger verlesen, die deportiert und in den Konzentra­tionslagern ermordet wurden. Letzte Station wird in diesem Jahr der Standort der ehemaligen Synagoge an der Wallstraße sein. „Die Synagoge soll in diesem Jahr im Vordergrund stehen“, so Kurt Pölling.

Wolbecker schändeten die Synagoge bereits im Frühjahr 1938. Ein Luftbild und eine Zeichnung Ferdinand Zumbuschs sollen in der Christuskirche gezeigt werden. Die Veranstaltung soll etwa eine Dreiviertelstunde dauern.

„Erinnern ist der einzige Beweis der Vergangenheit“, so zitieren die Veranstalter Katja Petrowskaja, die 1970 in Kiew geborene Autorin von „Vielleicht Esther“, die 2013 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt.

In „Vielleicht Esther“ versucht Petrowskaja die Ermordung ihrer Ur-Großmutter durch die SS zu rekonstruieren.

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