Gymnasium Wolbeck
Gedenken nicht versiegen lassen

Münster-Wolbeck -

Rund 30 angehende Abiturienten haben sich rund einen Monat mit dem dunkelsten Punkt der deutschen Geschichte befasst. „Viele Dokumente helfen, die Erinnerungen an den Holocaust wachzuhalten“, gibt die Lehrerin einen Eindruck wieder. Es sei für alle Schüler ein wichtiges Anliegen, die Erinnerung nicht versiegen zu lassen, gerade weil es kaum noch Zeitzeugen gebe.

Mittwoch, 23.01.2019, 19:00 Uhr
Das Bild hält die Eindrücke fest, die die angehenden Abiturienten in einem Kunst- und einem Musikkurs zum Thema „Holocaust“ gesammelt haben.
Das Bild hält die Eindrücke fest, die die angehenden Abiturienten in einem Kunst- und einem Musikkurs zum Thema „Holocaust“ gesammelt haben. Foto: Gymnasium Wolbeck

Antisemitismus und Fremdenhass, andere Meinungen oder ein anderes Aussehen – Propaganda, gezielt gesteuert von den Nationalsozialisten, führte Millionen von Menschen in den Tod in den Konzentrationslagern. In diesen Tagen jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal.

„Der Holocaust ist noch immer ein wichtiges Thema, die Betroffenheit der Schüler war spürbar“, berichtet Musiklehrerin Susanne Brinkmann . Sie hat sich mit einem Kurs musikalisch mit dem Gedenktag auseinandergesetzt. Gabriele Reuter hat den Holocaust in einem Kunstkurs beleuchtet. Die beiden sind Lehrerinnen am Gymnasium Wolbeck.

„Die Kurse hatten eine ganz besondere Atmosphäre“, hat Susanne Brinkmann festgestellt.

Rund 30 angehende Abiturienten befassten sich rund einen Monat mit dem dunkelsten Punkt der deutschen Geschichte. „Viele Dokumente helfen, die Erinnerungen wachzuhalten“, gibt die Lehrerin einen Eindruck wieder. Es sei für alle Schüler ein wichtiges Anliegen, die Erinnerung nicht versiegen zu lassen, gerade weil es kaum noch Zeitzeugen gebe.

Besonders bedrückend seien die Einspieler gewesen. Anita Lasker-Wallfisch erzählte von ihren Erlebnissen als Cellistin im Orchester in Auschwitz; ihre Schwester Renate Lasker-Harpprecht vom erschütternden Alltag der Häftlinge. Auch der Nazi-Propaganda-Film über das Konzentrationslager Theresienstadt habe nachhaltig deutlich gemacht, mit welchen einfachen Mitteln die Grausamkeit in der Realität filmisch überspielt werden kann.

Im Musikkurs sei die Bedeutung der Musik in den Lagern diskutiert worden. Es gehe zum einen um die Musik als Chance für die Häftlinge zu überleben. Zum anderen werde der Missbrauch der Musik durch die Nazis deutlich. Das Orchester musste auch spielen, um die Schreie der sterbenden Menschen in den Gaskammern zu überdecken, und zum anderen, um Aufseher und Wachpersonal zu unterhalten – ein unvorstellbares Szenario.

Im Kunstkurs sei über besondere Schicksale gesprochen worden, wie etwa das des Malers Felix Nussbaum. Er hinterließ seine Erfahrungen in bedrückenden Bildern beeindruckend deutlich. Die Werke sind unter anderem im Nussbaum-Museum in Osnabrück ausgestellt.

Oder die Nutzung des Zwingers in Münster: Er diente unter anderem als Wehrturm, Pulverlager, Gefängnis, Maleratelier, Kulturheim der Hitlerjugend und bis zu seiner Teilzerstörung durch Bombentreffer Ende 1944 als Inhaftierungs- und Hinrichtungsstätte der Gestapo.

Im Rahmen der „Skulptur-Projekte in Münster 1987“ installierte die bekannte Künstlerin Rebecca Horn im Inneren „Das gegenläufige Konzert“.

Im Kunstkurs wurde ein Bild erstellt, basierend auf der Geschichte des Mädchens Anne Frank. Eingearbeitet worden sind persönliche Eindrücke, die die Schüler bei der Auseinandersetzung mit dem Thema gewonnen haben, berichtet Susanne Brinkmann.

Die Schüler in beiden Kursen seien sich einig gewesen, dass die künstlerische oder musikalische Auseinandersetzung mit dem Holocaust – dazu gehöre auch die Zeit davor – ein wichtiger Beitrag dazu sei, „den Opfern ein Gesicht zu geben“.

Weder Fremdenfeindlichkeit noch Antisemitismus im Allgemeinen wollen die Jugendlichen tolerieren. Mitmenschlichkeit, Respekt und vor allen Dingen Frieden in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen, fast Susanne Brinkmann das Ergebnis zusammen.

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