Der Leiter der Musikschule Wolbeck, Hans-Dieter Otto, tritt in den Ruhestand
„Ein Musiker wird kein Rentner“

Münster-Wolbeck -

„Das ist ein komisches Gefühl“, gibt Hans-Dieter Otto zu. Der langjährige Leiter der Musikschule Wolbeck tritt am 31. März in den Ruhestand. Mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge. Unter seiner Leitung ist das Angebot der Musikschule fast um das Dreifache angewachsen. Unsere Redakteurin Iris Sauer-Waltermann sprach mit dem passionierten Musiker und Pädagogen über seine bevorstehende Pensionierung – aber auch über die 37 Jahre davor.

Dienstag, 26.03.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 16:24 Uhr
Hans-Dieter Otto war 37 Jahre an der Musikschule Wolbeck tätig.
Hans-Dieter Otto war 37 Jahre an der Musikschule Wolbeck tätig. Foto: isa

Herr Otto , können Sie sich noch an ihren ersten Arbeitstag erinnern?

Hans-Dieter Otto: Klar, das war der 1. April 1982. Ich hatte in Münster studiert und fing dann als junger Musiklehrer in Wolbeck an. Die Räume waren noch in der Nikolai-Grundschule untergebracht. Und es wurden nur klassische Fächer gelehrt: Klavier und Gitarre etwa, Geige, Blockflöte und Trompete.

Schwingt da Kritik mit?

Hans-Dieter Otto: Das kann man nicht sagen, aber mir fehlte einfach die Popularmusik. Ich komme aus einer sehr musikalischen Familie, in der alle Stilrichtungen zusammengehörten. Ich habe meinen Vater sehr geachtet, der im Krieg mit seinem Akkordeon Geld und Naturalien für die Familie erspielte. Die Abwertung als „Hosenträgerklavier“ teile ich zum Beispiel ganz und gar nicht.

Seit wann machen Sie selbst Musik?

Hans-Dieter Otto: Mit elf Jahren bekam ich Klavierunterricht, mit 15 spielte ich in Dinslaken am Niederrhein, wo ich aufwuchs, sonntags Choräle auf der Kirchenorgel. Zur gleichen Zeit war ich schon Mitglied einer Jugendband. Schon damals habe ich erkannt: Musik ist etwas Wunderbares.

Konnten Sie die Begeisterung auch auf ihre eigenen Kinder übertragen?

Hans-Dieter Otto: Wir haben unsere drei Töchter nie zur Musik gedrängt. Aber es standen überall im Haus Instrumente herum, Klavier, Kontrabass, Cello, Gitarre. Kinder sind neugierig und so haben sie alles ausprobiert. Heute machen alle drei Musik, eine sogar beruflich.

Wie ging es in Wolbeck weiter?

Hans-Dieter Otto: Ich versuchte von Anfang an, auch Popmusik und Jazz in den Musikschul-Unterricht zu integrieren und wurde Lehrer für Klavier und Bass. Aber ohne Bass-Schüler.

Wann kam der erste Bass-Schüler?

Hans-Dieter Otto: Es dauerte eine Weile, aber dann wurde Alexander Morsey mein erster Kontrabass-Schüler. Er ist inzwischen ein namhafter Musiker, hat zahlreiche CDs eingespielt und ist auf internationalen Tourneen unterwegs.

1984 wurden Sie Leiter der Musikschule. Das Lehrangebot ist seitdem von gut 100 Unterrichtsstunden auf fast 300 angewachsen. Woran liegt das?

Hans-Dieter Otto: Das hat sicher viele Gründe. Hauptsächlich führe ich das Wachstum darauf zurück, dass wir die Popularmusik tatsächlich konsequent eingegliedert haben. Insgesamt unterrichten wir heute über 20 Fächer, es gibt zahlreiche Ensembles sowie Extra-Angebote für Erwachsene. Außerdem haben wir ein tolles Lehrerteam. Ben Bönniger, seit vielen Jahren mein Stellvertreter, hat zum Beispiel schon früh eine Trommelgruppe auf die Beine gestellt. Die ist bis heute ein großer Erfolg.

Wieso sind die Lehrer so wichtig?

Hans-Dieter Otto: Bei uns waren und sind viele bekannte Künstler beschäftigt: Wolfgang Bleibel etwa, oder Peter Kräubig, Jürgen Knautz, Sebastian Altekamp, Sven Hoffmann und viele mehr. Musiker kennen sich untereinander, es gibt immer wieder neue Kontakte. Einige der Lehrer stehen selbst auf der Bühne. Alle sind Könner und Vollblutmusiker. Einfach Typen, die begeistern können. Wir hatten schon Schüler, die extra aus dem Ruhrgebiet zu uns gekommen sind, um hier Unterricht zu nehmen.

Haben Sie weitere Erklärungen?

Hans-Dieter Otto: Ja. Neben der Arbeit des qualifizierten Lehrerkollegiums ist die engagierte Mitarbeit und Unterstützung des ehrenamtlich tätigen Vorstands unter dem Vorsitz von Marita Nover ein weiterer Garant für unseren Erfolg.

Es gab aber auch schwierige Phasen?

Hans-Dieter Otto: Natürlich. Die Stadt drosselte die Zuwendungen für uns und für die drei anderen selbstständigen Musikschulen in Roxel, Albachten und Nienberge. Es gab Bestrebungen, alle in eine einzige Musikschule Münster zu integrieren. Aber wir bekamen viel Unterstützung für unsere Selbstständigkeit. 2012 haben wir dem Oberbürgermeister einen dicken Packen Unterschriften gebracht. Inzwischen ist das Thema zum Glück vom Tisch.

Am 31. März ist ihr letzter Arbeitstag. Haben Sie schon Pläne?

Hans-Dieter Otto: Na ja, ein Musiker wird kein Rentner. Musik wird nach wie vor meinen Alltag bestimmen. Ich möchte weiter einmal die Woche Erwachsene an der Musikschule Wolbeck unterrichten und behalte meinen Lehrauftrag am Institut für Musikpädagogik der Uni Münster. Und ich werde natürlich auch künftig mit dem Jazz-Lounge-Trio auftreten. Auf jeden Fall habe ich endlich Zeit, selbst mehr zu üben.

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