Eigentümer plant einen Neubau
Das Kurhaus wird abgerissen

Münster-Wolbeck -

Die Tage des alten Kurhauses an der Hofstraße sind gezählt. Der Abriss ist beschlossene Sache. An gleicher Stelle soll ein neues Wohnhaus entstehen.

Samstag, 15.06.2019, 08:23 Uhr aktualisiert: 15.06.2019, 08:30 Uhr
Das „Kurhaus Lackmann“ wurde 1892 errichtet und mehrmals durch Neubauten erweitert. Der Kurbetrieb wurde in den 1960er Jahren aufgegeben, anschließend wurden die Gebäude zu Wohnzwecken umgestaltet.
Das „Kurhaus Lackmann“ wurde 1892 errichtet und mehrmals durch Neubauten erweitert. Der Kurbetrieb wurde in den 1960er Jahren aufgegeben, anschließend wurden die Gebäude zu Wohnzwecken umgestaltet. Foto: mlü

Damit endet ein glanzvolles Kapitel der Wolbecker Geschichte endgültig. 1892 wurde an dem Flüsschen Angel das Brückengebäude eröffnet. Die Kuranwendungen orientierten sich mit kalten Güssen, Bädern und Waschungen an den Methoden des zur gleichen Zeit in Bad Wörishofen praktizierenden Pfarrers Sebastian Kneipp .

Die Ausstattung war mondän – in den Jugendstilsälen hingen Kunstwerke an den Wänden und die Tafeln wurden stilvoll mit Meissner Porzellan gedeckt. Die Räumlichkeiten boten Platz für rund 60 Kurgäste.

Während des Zweiten Weltkriegs quartierte sich eine SS-Einheit im großen Speisesaal ein. Nach Kriegsende bezogen amerikanische Soldaten für einige Wochen das Kurhaus. Mit dem Tod von Dr. Lackmann fand der Kurbetrieb schließlich 1959 ein jähes Ende. Das Kurhaus wurde 1965 entkernt und der Umbau in Wohnungen begann.

Das Gebäude ist heute im Privatbesitz von Prof. Dr. Hermann-Joseph Pavenstädt. Der Mediziner am Universitätsklinikum Münster wollte jedoch den Abriss gegenüber unserer Zeitung nicht weiter kommentieren. Auch Fragen zum geplanten Neubau wollte er „aus persönlichen Gründen“ nicht beantworten.

Bekannt ist allerdings, dass im Vorfeld intensive Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde stattgefunden haben. „Das ist für Wolbeck natürlich ein ganz sensibler Bereich“, betont Denkmalpflegerin Mechthild Mennebröcker. Entsprechend genau sei der Vorgang geprüft worden. Es gab auch Ortsbegehungen. Das Fazit: „Das Gebäude als solches wurde stark überformt“ und sei deswegen nicht erhaltenswert. Oder anders gesagt: Die radikalen Umbauten der 1960er Jahre haben Innen und Außen nichts von der alten Pracht übrig gelassen, dass sich noch zu retten lohnt.

Bereits im November des vergangenen Jahres wurde (wie berichtet) den verbliebenen Mietern gekündigt. Der Gestalt­ungsbeirat der Stadt Münster hat dem an gleicher Stelle geplanten Wohnhaus bereits weitgehend grünes Licht erteilt.

Der am Nordrand des Tiergartens gelegene Kurpark ist heute weitgehend verwildert und überwuchert. Alte Postkarten aus den 1950er Jahren lassen jedoch erahnen, wie abwechslungsreich das Gelände einmal gestaltet gewesen sein muss.

In den Gesprächen zwischen dem Eigentümer und dem Amt für Denkmalschutz wurde verabredet, den Park zu erhalten. Was bedeutet das für die Zukunft des Kurparks? Der Heimatverein Wolbeck wünscht sich jedenfalls, dass der Kurpark in seinen Originalzustand versetzt wird.

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