Junge Landwirte und Naturschützer begegnen sich im Dialog
Die Lösung: „Miteinander reden“

Münster-Wolbeck -

Eigentlich gehen die Interessen in verschiedene Richtungen: Für Landschaftsökologen geht es darum, möglichst viel Lebensraum für Tiere und Pflanzen in der Natur zu erhalten oder zu schaffen. Landwirte dagegen schauen darauf, wie sie ihre Existenz über die Nutzung der Flächen sichern können.

Dienstag, 16.07.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 13:44 Uhr
Zuerst ging es hinaus aufs Feld: Die Gruppe der Studierenden besichtigte zusammen mit Landwirt Lothar Stumpenhorst (r.) dessen Betriebsgelände in Beckum.
Zuerst ging es hinaus aufs Feld: Die Gruppe der Studierenden besichtigte zusammen mit Landwirt Lothar Stumpenhorst (r.) dessen Betriebsgelände in Beckum.

Im Fach Kommunikation hatten sich Fachschüler der Landwirtschaftsschule Wolbeck nun entschieden, das Gespräch mit angehenden Landschaftsökologen der Universität Münster zu suchen. Ihr Ziel war, im Dialog mit den Umweltschützern die eigenen Gesprächs-Kompetenzen zu trainieren.

Da aber auch fachlich etwas dabei herauskommen sollte, startete das Projekt mit einer gemeinsamen Exkursion auf einen speziellen Landwirtschaftsbetrieb, der bereits viele Programme der Biodiversität (Artenvielfalt) umsetzt. Beim Eintreffen auf dem Leitbetrieb Biodiversität, der Harberg KG in Beckum, wurden die Besucher von Lothar Stumpenhorst und Christoph Tentrup-Beckstedde begrüßt.

Aus dem Team der Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer stellte Caroline Kowol mögliche Maßnahmen direkt auf dem Acker vor. Während des Rundganges hatten alle Studierenden den Auftrag, die Flächen jeweils aus der Perspektive eines Imkers, eines Jägers, Landwirts oder Ornithologen zu betrachten, um die verschiedenen Wirkungen der Maßnahmen einzuschätzen.

Etwas ungewohnt war es zuerst für die Landwirte, über unbestellte Flächen zu laufen oder den Anbau von Getreide im doppelten Reihenabstand in Erwägung zu ziehen. Aber vor allem die Gelassenheit, mit der der heutige Rentner Lothar Stumpenhorst über die fast fünfjährige Erfahrung mit Biodiversitäts-Maßnahmen auf seinen Flächen berichtete, beeindruckte die Studierenden. Sie erfuhren, wie nahe Landwirtschaft und Naturschutz einhergehen können. „Aufgabe der Biodiversitäts-Beratung ist es, die Maßnahmen flächenspezifisch zu planen und auch die finanziellen Möglichkeiten im Blick zu behalten“, ergänzte Caroline Kowol. Und: „Die Maßnahmen müssen zur Fläche und zum Betriebsleiter passen.“

Am zweiten Tag besuchten die Landschaftsökologen unter Leitung von Tillmann Buttschardt, Professor für Landschaftsökologie an der Uni Münster, die Landwirte in ihrer Fachschule. In einer Podiumsdiskussion, moderiert von Klassensprecher Markus Ahmann, ging es um die Förderung der Biodiversität sowie um ihre Wirksamkeit. Nicht nur die Gäste auf dem Podium, sondern auch die übrigen Schüler der Fachschule und die Studenten ergriffen lebhaft die Gelegenheit, mögliche Lösungen gegen das Artensterben und den Verlust an Lebensräumen zu diskutieren.

Alle Beteiligten stimmten darin überein, dass die Biodiversität ein Gut ist, das es zu schützen gilt. Einig waren sich die Beteiligten auch, dass jeder in seinem Bereich einen Beitrag leisten kann und muss. Als Beispiele wurden der Schutz von Rehkitzen beim Mähen oder der Schutz von Kiebitzen im Maisfeld genannt.

Die Frage der konkreten Umsetzung des Artenschutzes leitete eine rege Diskussion ein: Plädierten die Landwirte für freiwillige Maßnahmen und Entschädigungen für ihre Einkommenseinbußen, so brachten die Landschaftsökologen das Argument ins Spiel, dass der Klimawandel und das Artensterben umgehende und wirkungsvolle Maßnahmen erforderlich machten.

Am Ende wurde allen bewusst, dass ein Blick über den Tellerrand spannend und wichtig ist. Und es war die Überzeugung gewachsen, dass man nur gemeinsam das Ziel erreichen kann, die Natur zu schützen und zu erhalten.

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