Der Heimatverein Wolbeck führte zum Tiergarten
Die Geheimnisse des Kurhauses

Münster-Wolbeck -

Die Begeisterung über das Konzert aus der Reihe „Trompetenbaum und Geigenfeigen“ mit „Hootin’ the Blues“ im Innenhof des Drostenhofs schwappte über auf die Teilnehmer der anschließenden Führung, die vom Drostenpark bis zum fürstbischöflichen Jagdhaus im Tiergarten führte.

Montag, 05.08.2019, 17:54 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 17:26 Uhr
Während der Führung durch den Tiergarten zeigte Bernhard Karrengarn den Teilnehmern von der Brücke aus den Durchstich der Angel von 1933.
Während der Führung durch den Tiergarten zeigte Bernhard Karrengarn den Teilnehmern von der Brücke aus den Durchstich der Angel von 1933. Foto: hk

Mehr als 40 Interessierte nahmen sich nach der zweieinhalbstündigen Vorstellung die Zeit, mehr über das Umfeld der unmittelbaren Nachbarschaft des Parks zu erfahren.

Dass der Drostenhof ehemals über eine Gräfte verfügte und der nahe Tümpel im Ostbereich des Burgmannshofes Zeuge eines Gräftenrestes ist, mag sicherlich für den einen oder anderen Zuhörer neu gewesen sein. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Bernhard Karrengarn, übernahm die kurzweilige Führung und entlastete damit Alfons Gernholt, ein Kind des Alten Kurhauses und des Tiergartens. So konnte Gernholt am Sonntag seinen 80. Geburtstag ganz entspannt feiern.

Weiter ging es über die Hofstraße, die „alte Dreckstraße“, wie sie zu früheren Zeiten wenig charmant genannt wurde, als die vielen Landwirte mit ihren Karren bis in den Ortskern des Wigbolds zogen. Dann bewegte sich die Gruppe zum ehemaligen Kurhaus, das 1893 von Sanitätsrat Dr. Wilhelm Lackmann, „dem ollen Raot“, eingeweiht wurde. Bis 1956 wurde das große Gebäude zuerst als Nervenheilanstalt genutzt. „Die Doppelbrücke über der Angel diente als Wandelhalle“, so Karrengarn. Bis zu 300 Kurgäste im Jahr, darunter meist Lehrer, nutzen den Aufenthalt, um wieder zu Kräften zu kommen.

An der Nordseite verhinderte eine große Mauer die Wolbecker Jungmänner daran, sich näher für das weibliche Dienstpersonal zu interessieren. Und dennoch hatten viele Wolbecker sie zu Ehefrauen genommen.

Nun fällt das alte Kurhaus dem Abrissbagger zum Opfer. Das Gebäude war wohl aus finanziellen Gründen nicht mehr zu retten. Künftig werden hier neue Wohnungen entstehen.

Entlang des Illa-Andreae-Wegs, der der Tochter von Wilm Lackmann gewidmet ist, ging es zum sogenannten Durchstich der Angel. Immer wieder wurde das kleine Flüsschen begradigt, zuletzt 1970. Als Konsequenz aus den vielen Demonstrationen seitens der Wolbecker wurde hinter dem Forsthaus ein Biotop angelegt. Ein kleiner Erfolg. „Als Kinder konnten wir noch mit dem Ruderboot auf der Angel fahren“, erinnerte sich Bernhard Karrengarn, der selbst an den Demos teilgenommen hatte.

In Verlängerung zur Senke zeigte Karrengarn auf die Wallanlage rund um den Tiergarten, der zu Jagdzeiten im frühen 18. Jahrhundert mit Staketenzäunen ausgestattet war. Diese wurden 1930 abgebaut und an die Wolbecker verkauft.

Die abschließende Aufmerksamkeit der einstündigen Führung galt dem Jagdhaus, dem Juwel des Wolbecker Tiergartens. Von Gottfried Laurenz Pictorius im Jahre 1712 erbaut diente es als fürstbischöflicher Dienstsitz für Franz Arnold von Wolff-Metternich, später wurde es von der Forstbehörde genutzt. In dieser Zeit von 1904 bis 1912 zog der von Revierförster Dinter eingerichtete Kaffeegarten als ein ausgezeichnetes Ausflugsziel viele Münsteraner an. Heute ist das Jagdhaus im Privatbesitz.

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