Waldgebiet übersteht Trockenheit besser – leidet aber unter Schädlingen
Tiergarten ohne Esche und Fichte

Münster-Wolbeck -

Der Tiergarten übersteht den trockenen Sommer besser als andere Waldgebiete im Münsterland. Trotzdem wird sich der Wald schon in naher Zukunft stark verändern: Fichten und Eschen wird man dann vergebens im Tiergarten suchen.

Dienstag, 13.08.2019, 07:21 Uhr aktualisiert: 13.08.2019, 07:30 Uhr
Fichten und Eschen wird man in nicht allzu ferner Zukunft vergebens im Tiergarten suchen – Käfer und Pilze raffen sie dahin. Forstwirtschaftlich wird der Tiergarten derzeit fast überhaupt nicht genutzt. „Wir sind unter den aktuellen Bedingungen sehr zurückhaltend geworden“, so der Förster Hans-Lothar Wermter.
Fichten und Eschen wird man in nicht allzu ferner Zukunft vergebens im Tiergarten suchen – Käfer und Pilze raffen sie dahin. Forstwirtschaftlich wird der Tiergarten derzeit fast überhaupt nicht genutzt. „Wir sind unter den aktuellen Bedingungen sehr zurückhaltend geworden“, so der Förster Hans-Lothar Wermter. Foto: Wilfried Gerharz

Der Wald ist bedroht, er ist in Gefahr. Seit 2015 melden Wetterforscher einen Hitzerekord nach dem anderen, es ist fast unablässig viel zu trocken. Der Tiergarten hat mit den gleichen oder ähnlichen Probleme zu kämpfen wie andere Waldgebiete – hat aber einen Standortvorteil.

Wolbeck war in der Saale-Kaltzeit vor rund 200 000 Jahren von Gletschern überzogen. Zurück geblieben sind relativ schwere Lehmböden mit hoher Wasserspeicherkapazität. „Es sieht im Tiergarten noch ganz gut aus, zumindest im Vergleich zu den Sandböden im Umland“, kann der Förster Hans-Lothar Wermter nach den beiden zurückliegenden Hitzewellen diesen Sommers bilanzieren. Spurlos geht die sich weiter beschleunigende Klimakatastrophe aber auch nicht am Tiergarten vorbei.

„Auffällig ist, dass die Wasserstände jedes Jahr deutlich niedriger werden und die Stauwasserschicht im Winter nicht wieder ausreichend aufgefüllt wird“, so Katharina Greiving von der Nabu-Naturschutzstation Münster. Mit einem Kabellichtlot haben die Biologen besonders die Oberböden des Tiergartens gut im Blick – „die sind extrem trocken“.

Als erste Konsequenz wurden und werden die alten Entwässerungsrinnen an der Oberfläche wieder geschlossen. „Viele dieser kleinen Rinnen sind im Verlauf der Jahrzehnte beinahe unsichtbar geworden, weil sich dort Laub gesammelt hat“, so Wermter. Jetzt verschwinden diese Relikte aus einer anderen Zeit, damit bei Starkregen das Wasser länger im Wald bleibt und Zeit bekommt, zu versickern.

Der Tiergarten wird sich auch darüber hinaus verändert – Fichten und Eschen wird man in nicht allzu ferner Zukunft vergebens im Tiergarten suchen. Ursache sind aggressive Schädlinge. Im Fall der Fichte ist es der bereits seit 2018 gut bekannte Borkenkäfer, der sich exponentiell vermehrt. „Er findet jeden Baum“, beklagt Staatsförster Wermter. „Die Fichten können wir abschreiben.“ Auf den Fichtenflächen werden alternativ Ulmen oder Eichen angepflanzt.

Fachleute sagen auch der Esche ein jähes Ende voraus. Wermter: „Es wird sie dahinraffen.“ Das so genannte „Falsche Weiße Stengelbecherchen“ hat sich mittlerweile in 22 Ländern Nord-, Ost- und Mitteleuropas etabliert und ist auch im Tiergarten flächendeckend in den Eschenbeständen anzutreffen. Zunächst lichten sich die Baumkronen, in einem späteren Stadium faulen die Wurzeln regelrecht weg. Die Folge: Die Eschen fallen eines Tages einfach tot um.

Die Europäische Union hat festgesetzt, dass zehn Prozent eines jeden Waldes von der forstwirtschaftlichen Nutzung ausgenommen werden müssen. Deutschland hat diese Regelung übernommen. Damit die Privatwaldbesitzer mehr Zeit bekommen, diese Regelung umzusetzen, bleiben derzeit sogar 15 Prozent der staatlichen Waldflächen komplett unberührt.

„Wir sind bei der regulären Nutzung unter den aktuellen Bedingungen sowieso sehr zurückhaltend geworden“, so Wermter. Gefällt werde derzeit eigentlich fast gar nichts mehr.

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