Naturoasen dienen der Kompensation des Baugebiets
Schafe beweiden Ausgleichsflächen

Münster-Wolbeck -

Immer wenn in die Natur eingegriffen wird, muss eine Ausgleichsfläche entstehen. Doch warum wurden die Ausgleichsflächen im Baugebiet Wolbeck-Nord so umfassend eingezäunt? Und warum wurde so viel gebuddelt?

Dienstag, 13.08.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 14.08.2019, 18:26 Uhr
Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften entstehen auf dem letzten Bauabschnitt der Baugebietes Wolbeck-Nord. Unten links sind die neu angelegten Ausgleichsflächen, ganz oben die neuen Sportanlagen zu erkennen: ein Volleyballfeld, ein Basketballplatz und ein Bolzplatz sowie eine „Pumptrack“-Strecke werden bald offiziell eröffnet.
Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften entstehen auf dem letzten Bauabschnitt der Baugebietes Wolbeck-Nord. Unten links sind die neu angelegten Ausgleichsflächen, ganz oben die neuen Sportanlagen zu erkennen: ein Volleyballfeld, ein Basketballplatz und ein Bolzplatz sowie eine „Pumptrack“-Strecke werden bald offiziell eröffnet. Foto: Norbert Piontek

Die Ortsunion in Wolbeck hat daran in der vergangenen Woche heftige Kritik geübt. Jetzt erläutert das Grünflächenamt der Stadt Münster, warum diese Maßnahmen notwendig sind. Die Erdarbeiten hatten zum Ziel, verschieden tiefe Mulden und Senken mit unterschiedlichen Wasserständen anzulegen.

Die Tümpel sollen die vorhandenen und vom Naturschutzbund betreuten Kleingewässer in der Umgebung ergänzen. Außerdem sind auf diese Weise kleine „Rastplätze“ für Amphibien und andere Tiere entstanden, die in das Naturschutzgebiet im Osten wandern. „Es handelt sich um einen Laubfroschstandort. Der Lebensraum für diese Tiere wurde jetzt verbessert“, rechtfertigt Reimer Stoldt, der stellvertretender Leiter des Grünflächenamtes, die aufwendigen Bauarbeiten.

„Die verschiedenen Wasserstände sind besonders bei Trockenheit sehr wichtig“, so Stoldt. Trocknet ein kleiner Tümpel komplett aus, können die Frösche in ein benachbartes größeres Gewässer umziehen, wo es noch Wasser gibt. „Die Vielfalt an Lebensräumen erzeugt ein stabiles Gefüge.“

Komplett fertig sind die Ausgleichsflächen allerdings noch nicht – zumal die extreme Sommerhitze womöglich viele Neuanpflanzungen zerstört hat. „Wir haben von unserem Unternehmer noch keinen aktuellen Stand zur Trockenheit“, heißt es aus dem Amt. Doch vermutlich müssen Nachbesserungen vorgenommen werden.

Und warum die vielen Zäune? Die nahe liegende Antwort würde vermutlich lauten, dass diese Flächen nicht für Menschen, Katzen oder Hunde gedacht sind, sondern für die Natur. Eine andere Antwort ist, dass die Pflanzungen gerade im ersten Jahr gut geschützt werden müssen. „Sonst ist nach einem Jahr alles weg“, weiß Stoldt. Doch es gibt noch eine andere, überraschende Erklärung.

Schafe. Die Flächen sollen ab kommenden Jahr Beweidet werden. „Die Schafe sind unsere vierbeinigen Landschaftspfleger“, so der stellvertretende Amtsleiter. Es gebe bereits einen konkreten Interessenten für die Beweidung – also einen Schafshirten, der gerne einmal in Wolbeck vorbeischauen möchte.

Eine Beweidung und die damit einhergehende Offenhaltung von Flächen ist vielerorts Voraussetzung dafür, dass sich bestimmte Arten ansiedeln und überleben. Der Naturschutzbund zum Beispiel befürwortet die Schafsbeweidung aus ganz unterschiedlichen Gründen: Durch die Beweidung in Form von Wanderschäferei können die Schafe etwa zur Vernetzung von Lebensräumen beitragen, da sich in ihrer Wolle Samen und kleine Tiere verfangen, die dann weiter transportiert werden.

So oder so: Für die Kinder in der benachbarten neue Grundschule und Kita dürfte die Schafsherde ein spannender Anblick werden.

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