Besucher und Händler setzen auf Alternativen
Wochenmarkt: Plastik auf dem Rückzug

Münster-Wolbeck -

Kunststoffverpackung und Einmal-Tragetaschen sind auf dem Rückzug; das Kundeninteresse an Mehrfach-Nutzung wächst. Der Eindruck ergibt sich bei einem Besuch auf dem Wochenmarkt in Wolbeck.

Montag, 19.08.2019, 17:35 Uhr aktualisiert: 22.08.2019, 17:18 Uhr
Viele Kunden des Wochenmarktes nutzen Wiederverwendbares zum Einkaufen.
Viele Kunden des Wochenmarktes nutzen Wiederverwendbares zum Einkaufen. Foto: anh

Sparsam sind zum Beispiel Brigitte und Ulrich Schröder . Weil das Ehepaar bei seinem Radausflug nicht damit gerechnet hatte, noch einen Abstecher zum Markt zu machen, haben sie keine Kühltasche dabei. Aber Schröder hat in seiner Satteltasche eine Tüte, so braucht er für seine Kaninchenkeulen nur das Minimum an Verpackung vom Metzger. Bis Albersloh reiche das, sagt er. Für Gemüse hat Schröder gleich zwei Netze mit Kordelverschluss zur Hand; die könne man auch waschen.

Gekauft haben Schröders bei Metzger Frank Steinhoff aus Nottuln. Der kennt sich aus in Fleischerei und Hygiene, auch in der Gastronomie. Die Hygiene sei wichtig, manche Maßnahme aber nicht sinnvoll. Das Nutzen von Kunststoff-Handschuhen beim Brot etwa. „Das ist für mich Blenderei.“ Dass Kunden Behälter wie etwa Tupperdosen mitbringen, findet er gut und er unterstützt es. „Wann wollen wir denn anfangen, wenn nicht jetzt?“

„Geht das so oder brauchen Sie ein Tütchen?“, frage er meist und setze darauf, dass aufmerksame Kunden angemessen reagieren. Aber Druck mache er ihnen nicht. Nach Steinhoffs Beobachtung gehen Ältere bewusster damit um. „Gerade die Älteren haben eine Tasche dabei.“ Mancher Kunde wolle   eine Tüte haben, weil sich das verpackte Fleisch ansonsten mit dem ebenfalls verpackten Fisch „nicht vertrage“. Dafür hat er wenig Verständnis. „Je jünger die Leute, desto mehr Verpackung wollen die haben.“

Das deckt sich nicht mit der Erfahrung des Metzgermeisters gegenüber, Bernhard Welp, der am Stand von Landfleischer Otto Reckermann aus Ostbevern arbeitet. Das Interesse sei bei vielen vorhanden. In Handorf habe er seine Waren in eine Tupperdose gelegt – gleich fragte der nächste erfreut, ob das gehe. Da habe es „eine Kettenreaktion“ gegeben. Viele seien mit diesem Wunsch im Supermarkt abgelehnt worden. Aber es spreche nichts dagegen, wenn man auf die Hygiene-Regeln achte.  So ist es bei beiden Metzgern auf dem Wolbecker Markt möglich. Welp ist dafür; das sei schon mal „ein erster Schritt“. Kurz darauf kommt auch hier ein Kunde, der seine Tupperdose mitgebracht hat.

Am Brotstand von „Cibaria“ kann die Verkäuferin keine   Unterschiede nach dem Alter sehen. Das mag auch an der Klientel des Öko-Bäckers liegen. Unterschiede gebe es in der Art der Tragetaschen: gerade jüngere Frauen brächten häufig kreative Taschen mit, viele selbst gestaltet, sagt Kathrin Markus, die seit anderthalb Jahren bei Cibaria arbeitet. In Plastik sei bei ihnen nichts verpackt – mit Ausnahme der Kekse: „Die muss man sehen.“ Dafür haben sie Papiertaschen in zwei Größen und eine Stoff-Tragetasche. Die habe man zum Beispiel in einer Weihnachts-Aktion in Umlauf gebracht. „Die meisten Stammkunden haben eine.“ Und die brächten sie auch mit. Ihr Rat sei aber: „Einfach das nutzen, was man sowieso schon hat.“

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