Schule, quo vadis?
Politik muss noch nachsitzen

Münster -

Mit Bildung von gestern können die Schulen morgen nicht gewinnen. Die SPD in Wolbeck lud deshalb jetzt zu einem Diskussionsabend über die Schule der Zukunft ins Achatiushaus ein. 105 Minuten diskutieren Fachreferenten und Zuhörer konstruktiv und stellten zahlreiche Forderungen an Politik und Verwaltung.

Mittwoch, 25.09.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 26.09.2019, 17:16 Uhr
Das Wolbecker Schulzentrum vereint erfolgreich verschiedene Schulformen unter einem Dach.
Das Wolbecker Schulzentrum vereint erfolgreich verschiedene Schulformen unter einem Dach. Foto: Peter Sauer

„Die Schule muss mehr Lebensraum statt Lehrraum sein“, sagte Noah Börnhorst. Der Oberstufenschüler ist Mitglied im Jugendrat und gehörte am Montagabend zu den Teilnehmern der aktuellen Diskussionsrunde „Wolbeck fragt“, zu der die Wolbecker SPD ins Achatiushaus eingeladen hatte.

„Es ist eine Bereicherung, dass man Tafelbilder aus dem Unterricht digital abrufen und mit nach Hause nehmen kann. Schule ist so einfacher und angenehmer geworden“, lobt Börnhorst die fortschreitende Digitalisierung. Dennoch ermahnt er Politik und Verwaltung: „Die Schulen müssen da noch mehr machen.“

Mit einem pensionierten Schulleiter im Publikum war er sich einig, dass es eine win-win-Situation sei, wenn Schüler ältere Lehrer über die neue elektronische Entwicklungen informierten, weil sie in dem Bereich oftmals fitter seien.

Rixa Borns (ehemalige Leiterin der Matthias-Claudius-Schule) plädierte für die richtige Balance klassischer und digitaler Unterrichtsvermittlung und berichtete sorgenvoll das manche Kinder eher über das Smartphone wischen könnten, als ein Buch durchzublättern. Das sei keine schöne Entwicklung. „Kinder müssen vielmehr elementare Lebenserfahrungen selbst machen, wie mal einen Baum hochzuklettern und mit anderen Kindern gemeinsam den Schulweg zu gehen, anstelle von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden.“

(v.l.) Kurt Pölling, Birgit Wenninghoff (Ex-Leiterin Realschule jetzt LeiterinMathilde-Anneke-Gesamtsschule), Rainer Wagner (SPD Wolbeck), Rixa Borns (ex-Leiterin Matthias-Clazudius-Schule/Organisatorin Kinderfriedenstreffen) und Noah Börnhorst (Mitglied des Vorstandes im Jugendrat de Stadt Münster) stellten sich den Fragen des Auditoriums

(v.l.) Kurt Pölling, Birgit Wenninghoff (Ex-Leiterin Realschule jetzt LeiterinMathilde-Anneke-Gesamtsschule), Rainer Wagner (SPD Wolbeck), Rixa Borns (ex-Leiterin Matthias-Clazudius-Schule/Organisatorin Kinderfriedenstreffen) und Noah Börnhorst (Mitglied des Vorstandes im Jugendrat de Stadt Münster) stellten sich den Fragen des Auditoriums Foto: Peter Sauer

Mit Birgit Wennighoff (Leiterin Mathilde-Anneke-Gesamtschule) war sich Rixa Borns darin einig, dass ein fundiertes Medien-Training für Eltern genauso wichtig sei, wie die Vermittlung von sozialer Kompetenz für die Schüler. „Viele nutzen auf ihrem Handy schon ab der fünften Klasse WhatsApp oder Instagram und wissen gar nicht, wie man damit richtig umgeht.“ Die Vermittlung von sozialer Kompetenz helfe auch, um sich zum Beispiel gegen (Cyber-)Mobbing zur Wehr zu setzen.

Auch müsse die Persönlichkeitsförderung der Schüler insgesamt stärker und nachhaltiger gefördert werden. „Aber es gibt zu wenig Sonderpädagogen“, monierten Wenninghoff und Borns unisono. „Ein Teil der Kinder bleibt auf der Strecke.“ Jugendratsmitglied Börnhorst ergänzte, dass es in Holland bereits das Unterrichtsfach „Happiness“ geben würde, wo vor allem soziale Kompetenzen vermittelt würden.

Stark kritisierte Rixa Borns die Entwicklung von Inklusion an den Schulen: „Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren verschlechtert, vor allem weil es einfach zu wenig Personal gibt“. Hier müsse die Politik noch stark nachbessern.

Gleiches gelte auch für die Ausbildung von Grundschullehrern. „Es ist nicht für den Unterricht förderlich, dass die Uni Münster einen Numerus Clausus von früher 1,3 und aktuell 1,8 von Studienbewerbern verlange“, betonte Birgit Wenninghoff. Und dass dann nur, weil das Drei-Fächer-Studium angehender Grundschullehrer für die Universitäten nicht so attraktiv sei, da man damit weniger Drittmittelforschungsgelder akquirieren könne, als mit der Zwei-Fach-Kombination der Lehrer für weiterführende Schulen, ergänzte Rixa Borns.

Die ehemalige Leiterin der Wolbecker Realschule, Birgit Wenninghoff, sieht in der Schule der Zukunft eine Einrichtung, die sich für alle öffnet, in der man Vielfalt leben kann und in der Lehrer noch mehr als bisher auf Schüler eingehen, die nicht so stark sind. „Dafür bräuchten wir dringend mehr Lehrer und kleinere Klassen.“ Lehrer müssten dann auch mal mehr Zeit für die Vorbereitung investieren.

„Wir haben als Lehrer eine gesellschaftliche Verantwortung“, sagte Rixa Born. Für die ehemalige Leiterin der Matthias-Claudius-Schule, ist es wichtig, das soziale Spaltungen vermieden werden. „Wir dürfen niemanden ausgrenzen.“

Die Förderung der Kinder könne dabei nicht früh genug beginnen. Ein Zuhörer ergänzte, dass die Spracherlernung am erfolgreichsten zwischen dem vierten und neunten Lebensjahr erfolge.

Das Auditorium forderte auch eine bessere Frühdiagnostik zur effizienteren Planung von Schulen (auch in besserer Kommunikation mit den Kindergärten) sowie eine bessere Berufsberatung in der Sekundarstufe. Immer mehr Schüler wüssten nicht, wo sie beruflich hinwollten.

Auch das Mensaessen müsste nachhaltiger und gesünder werden. „Unsere neue Mensa hat keine Küche mehr, sondern nur noch eine Vorrichtung zum Aufwärmen“, kritisierte Noah Börnhorst.

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