Grauem Wildtier fehlen natürliche Feinde
Der Waschbär ist angekommen

Münster-Südost -

Er ist putzig anzusehen, kann aber auch lästig werden. Die Rede ist vom Waschbären, der sich mehr und mehr in Deutschland ausbreitet. Auch im Südosten von Münster wurde das Wildtier mit dem grauen Fell und dem geringelten Schwanz nun beobachtet.

Samstag, 05.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 05.10.2019, 11:17 Uhr
Waschbären sind kürzlich auch in Wolbecks Tiergarten gesichtet worden. Da ihm die natürlichen Feinde fehlen, darf das graue Wildtier in den Wäldern bejagt werden.
Waschbären sind kürzlich auch in Wolbecks Tiergarten gesichtet worden. Da ihm die natürlichen Feinde fehlen, darf das graue Wildtier in den Wäldern bejagt werden. Foto: dpa

Sollte man ihn gewähren lassen oder bekämpfen? Über den Umgang mit dem Allesfresser, der sich auch in die Nähe von Häusern traut und Reste aus Mülltonne und Gelbem Sack nicht verschmäht, scheiden sich die Geister.

Im Tiergarten tappte eine ganze fünfköpfige Waschbärfamilie kürzlich in die „Fotofalle“ des Biologielehrers Dr. Carsten Trappmann vom Gymnasium Wolbeck und seines Schülers Mustafa Masoodi. „Wir haben mit Duftködern aus Lachs, Anisöl, Honig und einem rohen Ei Wildtiere angelockt“, erläutert Trappmann. Bei der Auswertung der aufgebauten Fotoanlage seien neben Füchsen und Steinmardern überraschenderweise auch die Waschbären deutlich erkennbar gewesen.

Ebenfalls im Bereich von Stapels­kotten und an verschiedenen Stellen der Werse sollen Exemplare gesichtet worden sein. Wie kommt der Waschbär eigentlich zu uns, der ursprünglich in Nordamerika beheimatet ist? „Im Jahr 1934 wurden zwei Paare am Edersee in Hessen ausgesetzt“, erläutert Dr. Christian Göcking von der Nabu-Naturschutzstation Münsterland. Erstmals offiziell erlegt worden sei ein Waschbär bereits 1946 im sauerländischen Medebach. Und im Münsterland? „Dort kamen die Tiere lange Zeit eher selten vor“, so Göcking. Inzwischen seien sie aber auch hier angekommen. Einzelheiten dazu seien im westfälischen Säugetieratlas des Naturkundemuseums in Münster einzusehen.

Die Waschbären sind nachtaktiv, leben zurückgezogen und sind tagsüber kaum zu sehen.

Dr. Christian Göcking

„Die Waschbären sind nachtaktiv, leben zurückgezogen und sind tagsüber kaum zu sehen“, erklärt Göcking. Da die Weibchen pro Jahr drei bis fünf Junge bekommen, können sich die Tiere von Generation zu Generation weiter ausbreiten. Waschbären finden als „Gemischtfresser“ reichlich Nahrung, unter anderem leben sie von Pflanzen, aber auch von Mäusen, kleinen Fischen oder Fröschen, von Vögeln und deren Eiern, erläutert der Nabu-Fachmann. Sie könnten somit auch dem Kibitz gefährlich werden und bedrohten insgesamt die Artenvielfalt.

Fällt der natürliche Speiseplan zu knapp aus, würden sich die Vierbeiner auch schon einmal in die Nähe von Menschen wagen, die in Gelben Säcken und Mülltonnen Futter unbewußt bereitstellen. „Die Tiere können hervorragend klettern und sogar auf Telefonleitungen balancieren“, erläutert Lambert Focke, der bei der Kreisjägerschaft Münster für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Daher seien Waschbären in manchen Gegenden schon auf Dachböden angetroffen worden, mitsamt ihrer übel riechender Hinterlassenschaften.

Am besten ist es, die Untere Jagdbehörde bei der Stadt Münster oder die Kreisjägerschaft anzurufen.

Lambert Focke

In Münsters Südosten wurde ein solcher Fall bisher nicht bekannt. Aber was kann man tun, wenn man den Verdacht hegt, ein Waschbär stecke hinter der einen oder anderen Belästigung? „Am besten ist es, die Untere Jagdbehörde bei der Stadt Münster oder die Kreisjägerschaft anzurufen“, erläutert Focke. Dort werde man beraten und erhalte Kontakt zu einem so genannten „Wildtierbeauftragten“. Dieser könne helfen, die Waschbären aufzuspüren und gegebenenfalls zu vertreiben.

In den Wäldern dürfe der Waschbär bejagt werden, erläutert der Vertreter der Kreisjägerschaft. Was durchaus sinnvoll sei, so Lambert Focke. „Denn in unseren Breitengraden fehlten ihm die natürlichen Feinde.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6978478?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F
Polizei sucht auffälligen VW Polo
Das Foto zeigt das mutmaßliche Fluchtfahrzeug.    
Nachrichten-Ticker