John Miles: Music (was my first love)
Auf der Tonleiter der Liebe

Münster-Wolbeck -

„Schubladendenken kenne ich nicht“, sagt Musikerin Christine Rudolf. „Bei mir gibt es nur gute oder schlechte Musik.“ Und Musik hat bei der Geigerin viel mit Gefühl zu tun. Schließlich hat sie über die Musik die Liebe ihres Lebens kennengelernt. Und da trifft E-Musik auf U-Musik, denn ihr Mann kommt nicht aus der Klassik.

Montag, 28.10.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 28.10.2019, 17:07 Uhr
Christine Rudolf und Jürgen Knautz musizieren gemeinsam im hauseigenen Proberaum und Studio.
Christine Rudolf und Jürgen Knautz musizieren gemeinsam im hauseigenen Proberaum und Studio. Foto: Peter Sauer

Welche Musik hat mehr Qualität, mehr Ausdruck, mehr Nachklang? E(rnste) Musik oder U(nterhaltungs-)Musik? Darüber streiten sich Experten, seit Töne gespielt werden. Die Lösung liegt in gegenseitiger Akzeptanz, Toleranz und Wertschöpfung. Wie das geht, zeigt ein musikalisches Ehepaar aus Wolbeck.

Zwischen Wohnzimmer und Küche greifen Christine Rudolf und Jürgen Knautz beherzt nach Geige und Gitarre und proben aus dem Stand für ihre nächsten Auftritte. Obwohl Christine Rudolf von der Klassik kommt (Sinfonieorchester Münster) und Jürgen Knautz vom Jazz (Preis der Deutschen Schallplattenkritik für das Matt-Walsh-Album „Under Suspicion“) liegt ihre große berufliche und private Leidenschaft in der Vielfalt der musikalischen Stile.

Alles begann auf einem Festival im Teutoburger Wald. Dort sah Jürgen Knautz „rot“, als eine andere Band auftrat. Gemeint war die rothaarige Geigerin Christine Rudolf, die auf der Bühne stand. „Als Musikerin begeisterte sie mich mit ihrer Virtuosität, als Frau mit ihrer Ausstrahlung“, erinnert sich Knautz. „Mit ihrem körperbetontem Geigenspiel korrigierte sie das typische Klischee auf Anhieb.“ Er blickt sie mit großen Augen an: „Ja, es war Liebe auf den ersten Blick.“

Dabei wäre es normalerweise gar nicht dazu gekommen. Geigerin Rudolf (mehrfache Jugend-musiziert-Preisträgerin) sollte erst gar nicht auftreten. Erst in letzter Sekunde sprang sie als Ersatzmusikerin ein.

Ob in moderner oder klassischer (Bau-)Form: Musik ist ihr Leben – mit Bass, Gitarre und Geige.

Ob in moderner oder klassischer (Bau-)Form: Musik ist ihr Leben – mit Bass, Gitarre und Geige. Foto: Peter Sauer

Der Lohn: Applaus des Publikums und Amors Pfeile trafen auch Christine Rudolf. Beide Musiker zogen schnell zusammen. Mit einer Ausnahmeregelung heirateten sie an einem Sonntag in der Wolbecker St.-Nikolaus-Kiche. „Eigentlich gab es Hochzeiten nur an Samstagen. Aber das ging nicht“, erinnert sich Jürgen Knautz, „denn unsere Hochzeitsgäste waren fast alles auch Musiker. Und die haben samstags ihre wichtigen Auftritte.“ Die Kirchengemeinde sorgte schließlich für das Happy-End am Sonntag.

An welchen Song ihn seine Frau erinnert? Die Antwort von Knautz kommt schnell: „She is always a woman to me“ von Billy Joel und beschreibt das Erfolgsgeheimnis ihrer Liebe: „Wir lieben uns so, wie wir sind, mit unseren Stärken und Schwächen. Keiner will den anderen verändern.“

So liebt Christine Bücher und Rotwein, Jürgen Schach und Whiskey. Nur bei der Musik ist alles im Fluss. Es gibt keine Trennung von E- und Musik bei beiden, sondern ein „konstruktives Miteinander bei ständig neuen spannenden Herausforderungen“. Durch das exakte Notenspiel und keinen Platz für Improvisation sei in der Klassik die Welt sehr klein, im Jazz und Rock hingegen groß. Dort habe man mehr Möglichkeiten zu improvisieren, was selbst bei Pannen gut gelinge.

Mit Christine tritt Jürgen Knautz regelmäßig als „Duo Corretto“ auf. Mit Violine und Gitarre spielen sie Soundtracks von Ennio Morricone bis Hans Zimmer. Nächste Gelegenheit das Paar live zu erleben ist am 24. Januar im „Buchfink“ in Wolbeck. Weihnachtslieder gibt es von ihnen am 25. Dezember in der Herz-Jesu-Kirche (Wolbecker Straße 125).

Sein Auftritt mit der Band „Markus Paßlick & die Original Pumpernickel“ in der „Adam Riese Show“ in der „Cloud“ in Münster ist längst Kult. Die nächste Show ist am 10. November um 19 Uhr. Denn Knautz versteht es mit seinen Kollegen Evergreens in neue spannende „Gewänder“ zu kleiden und auf den jeweiligen Talkgast gut zu improvisieren. Besonders beliebt sind die überraschenden Duettpremieren – unvergessen bleibt, als Schauspieler Roland Jankowsky („Overbeck“), Tina Werzinger („Zucchini Sistaz) und Comedienne Lisa Feller „Ein Freund, ein guter Freund“ intonierten.

Bereits mit 13 Jahren tauschte Knautz seine Gitarre gegen einen Bass ein, „weil der einfach cooler aussah“. Das Lehramtsstudium Deutsch/Englisch brachte den Gelsenkirchener nach Münster. Doch statt nach der ganzen Büffelei sein Referendariat anzutreten, wagte er den Neuanfang. „Ich machte mein Hobby zum Beruf und wurde Jazzmusiker.“ Die bis dahin eingepaukte Pädagogik fand auch ihre Anwendung. In der Musikschule Wolbeck und als Lehrbeauftragter für E-Bass an den Musikhochschulen Münster und Osnabrück. Auch als Komponist , musikalischer Leiter und Arrangeur arbeitet er erfolgreich, zum Beispiel für die Freilichtbühne Coesfeld oder das Westfälische Landestheater.

Und wie findet die Geigerin den Musiker Knautz: „Jürgen lebt die Musik, die er spielt. Er hat mir nach einer schwierigen Lebens viel Spaß an der Musik zurückgegeben.“

Zum Thema

Jürgen Knautz in der Adam Riese Show am 10. November mit den Gästen Purple Schulz, Comedian Helmut Sanftenschneider und Pitti Duyster. Karten gibt es im WN-Ticket-Shop (Prinzipalmarkt 13-14) im Auditorium (AlterSteinweg 22-24) oder online. www.soundlakecity.de/de/tickets/

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