Hausbesuch beim neuen Hippenmajor
„Wo wir sind, ist Wolbeck“

Münster-Wolbeck -

Meistens ist ein Sessionsmotto ja nur ein flotter Spruch. Was im Karneval ja auch vollkommen okay ist. Hinter dem Motto des neuen Hippenmajors Klaus III. Kramer verbirgt sich jedoch gleich eine ganze Lebens- und Karnevalsphilosophie.

Freitag, 08.11.2019, 17:28 Uhr
Klaus Kramer mit seiner „Hippen Isse“ (Masematte für hippe Ziege). Das Holztier entstand im Rahmen der Sommeraktion des Gewerbevereins Wolbeck – und steht nun in seinem Wohnzimmer.
Klaus Kramer mit seiner „Hippen Isse“ (Masematte für hippe Ziege). Das Holztier entstand im Rahmen der Sommeraktion des Gewerbevereins Wolbeck – und steht nun in seinem Wohnzimmer. Foto: mlü

„Jeder Jeck ist anders – und Wolbeck kann das!“ Da schwingt das Thema Inklusion gleich mit. „Das kommt durch meinen Beruf“, sagt Kramer . Sein Schwerpunkt als Architekt liegt auf barrierefreiem und behindertengerechtem Bauen. „Dadurch habe ich viele andere Seiten des Lebens kennengelernt.“ Eine bereichernde Erfahrung, wie er meint – „sie rückt Dinge in die richtige Perspektive“.

Inklusion ist natürlich auch in der Karnevalsgesellschaft ZiBoMo kein neues Thema. Gemeinsam mit der Awo wird beispielsweise seit vielen Jahren mit Senioren und den Bewohnern bei Westfalenfleiß gefeiert. Bei aller Terminfülle nimmt sich der Hippenmajor jedes Jahr trotzdem Zeit für einen Besuch bei den Alexianern.

Das Motto „Jeder Jeck ist anders“ hat aber auch noch eine andere Dimension: „Ich kenne genug Leute, bei denen das Geld nicht so locker sitzt.“ Mitfeiern können trotzdem alle. „Weil wir in Wolbeck nicht im Smoking oder Abendkleid, sondern einfach im Kostüm zu moderaten Eintrittspreisen feiern.“

Als Schatzmeister der ZiBoMo muss er es ja wissen: Seit acht Jahren ist Klaus Kramer der „Finanzminister“ der Wolbecker Narren – und er will den Job auch trotz der bevorstehenden Doppelbelastung als Hippenmajor weiterführen. „Die Verantwortung ist einfach zu groß, um jemand anderen damit zu belasten.“ Der Wolbecker Karneval hat längst die Dimensionen eines mittelständigen Unternehmens erreicht. 15 bis 20 Stunden die Woche investiert Kramer in der Woche in sein Ehrenamt.

Doch es lohne sich: Immer wenn er jemanden in Münster frage, was er mit Wolbeck verbinde, käme ZiBoMoals erste Antwort. Oder auf eine einfache Formel gebracht: „Wo wir sind, ist Wolbeck“, schmunzelt Kramer.

Wie ist er zum Karneval gekommen? Klaus Kramer und seine Frau Anne haben sich im Studium kennengelernt. Vor 22 Jahren sind sie dann zusammen mit der gemeinsamen Tochter Sophie von Handorf nach Wolbeck gezogen. Mit Tochter Nadine und Sohn René war das Familienglück vollkommen. Seine Frau, ebenfalls Architektin, arbeitet im Bauordnungsamt. Als selbstständiger Architekt konnte er von Zuhause aus die Kinder betreuen.

Als dann seine beiden Töchter anfingen, in den ZiBoMo-Tanzgruppen zu tanzen, begann er Videos von den Auftritten anzufertigen und an die Eltern zu verteilen. „Das ist Leistungssport“, staunt Klaus Kramer bis heute über das hohe Niveau der Tanzgruppen. Im vergangenen Jahr war schließlich sein Sohn René Stadtjugendprinz – das gab Klaus III. schließlich den letzten Kick, es doch selbst einmal als Hippenmajor zu versuchen.

Seinen karnevalistischen Werdegang sieht er als Ansporn für alle Neu-Wolbecker. „Bringt euch ein, und es werden Euch alle Türen weit geöffnet“, schreibt Kramer im ZiBoMo-Sessionsheft. Denn wie gesagt: „Jeder Jeck ist anders!“

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