Wilde Gründungsjahre und eine bevorstehende Zäsur
Jugendzentrum wird 40 Jahre alt

Münster-Wolbeck -

Der letzte Personenzug ist lange abgefahren – dennoch: Der Bahnhof Wolbeck lebt! Der Wandel zum stadtbekannten Jugendzentrum ist jetzt fast auf den Tag genau 40 Jahre her. Der Geburtstag geht mit einer Zäsur einher.

Samstag, 30.11.2019, 10:31 Uhr aktualisiert: 30.11.2019, 10:50 Uhr
Der Sozialarbeiter Johannes Wüstefeld-Beermann geht jetzt zum Jahresende in Rente. Für den Bahnhof eine Zäsur – doch es gibt bereits einen Nachfolger und weiterhin viele engagierte Jugendliche, die als Ehrenamtliche das Jugendzentrum mitgestalten.
Der Sozialarbeiter Johannes Wüstefeld-Beermann geht jetzt zum Jahresende in Rente. Für den Bahnhof eine Zäsur – doch es gibt bereits einen Nachfolger und weiterhin viele engagierte Jugendliche, die als Ehrenamtliche das Jugendzentrum mitgestalten. Foto: mlü

Doch von Anfang an: Johannes Wüstefeld-Beermann ist einer der „Gründerväter“. Der Sozialarbeiter und erinnert sich noch genau an die wilden Gründungsjahre. „In St. Bernhard wurden 1974 die Jugendlichen aus dem Pfarrheim geworfen, weil ein Junge und ein Mädchen, beide bekleidet, auf einer Matratze erwischt wurden. Und in Gremmendorf standen die Jugendlichen sowieso auf der Straße.“ Die Idee von einem selbstbestimmten Jugendzentrum sei deswegen wie „eine Bombe eingeschlagen“.

Wüstefeld-Beermann war damals DJ auf Scheunenpartys und stieß schnell zum neu gegründeten „Initiativkreis“ dazu. Mit einer Spende wurde ein Filmprojektor gekauft – regelmäßig verwandelte sich das Pfarrheim St. Nikolaus in einen Kinosaal. „Es war immer rappelvoll, es gab ja noch kein Video.“ Samstag wurde dann Party gefeiert und jeden Sonntag zur Vollversammlung des Initiativkreises eingeladen. „Pfarrer Josef Ba­renbrügge hat uns damals super begleitet.“

Schließlich kaufte die Stadt Münster das leer stehende Wolbecker Bahnhofsgebäude, das bereits zusehend verfiel. Aus dem Initiativkreis wurde ein freier Trägerverein. Im Sommer 1979 begannen schließlich die Renovierungsarbeiten für ein Jugendzentrum. Die Jugendlichen kratzten im Obergeschoss des alten Bahnhofsgebäudes Unmengen von Tapeten ab, bis kaum noch jemand einen Spachtel halten konnte. Zum Eröffnungskonzert am 1. Dezember 1979 traten die Rockbands „Bool“ und „Törner Stier Crew“ auf.

Termin

Seinen Geburtstag feiert das Jugendzentrum Bahnhof Wolbeck am Sonntag (1. Dezember) mit einem Tag der offenen Tür. Los geht es um 15 Uhr.

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Musik und Partys sollten auch in Zukunft das Markenzeichen des Bahnhofs bleiben – und eine wichtige Einnahmequelle. „Unsere Jugendlichen zahlen ja keine Mitgliederbeiträge, sondern bringen sich mit ihrem Engagement ein“, so Wüstefeld-Beermann. Die wöchentlichen Vollversammlungen gibt es bis heute: Sie heißen zwar mittlerweile Teammeetings und finden Dienstagabends statt. „Aber wir kochen zusammen und bei den Abstimmungen haben wir Sozialarbeiter genau wie die Jugendlichen nur eine Stimme.“ Mehr als 30 junge Leute im Alter von 14 bis 29 Jahre übernehmen im Bahnhof altersgemäße Aufgaben.

Der Bahnhof ohne Johannes Wüstefeld-Beermann? Bislang kaum vorstellbar, aber an diesen Gedanken wird man sich zukünftig gewöhnen müssen. Er geht zum Ende des Jahres in Rente. „Genauso gerne wie ich hier gearbeitet habe, freue ich mich jetzt auf den Ruhestand.“ Er hofft mehr Zeit auf seinem kleinen Bauernhof in den Bergen der Algarve verbringen zu können. Eine Nachfolger gibt es bereits. „Jens Borker kommt frisch von der Fachhochschule und legt genau wie ich einen hohen Wert auf Partizipation.“

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