Wegekreuz an der Hiltruper Straße zerbröselt
Restaurator schlägt Alarm

Münster-Wolbeck -

Das schlichte Steinkreuz an der Kreuzung Hiltruper Straße und Am Steintor ist in einem beklagenswertem Zustand. Besonders stark hat die Witterung den alten Sockel aus Baumberger Sandstein in Mitleidenschaft gezogen. Jetzt schlägt ein ehemaliger Restaurator Alarm.

Dienstag, 03.12.2019, 11:00 Uhr
Beat Sigrist schlägt vor, das Wegekreuz vor der Nikolaus-Apotheke erst einmal abzubauen. Auf diese Weise wäre es vor dem weiteren Verfall geschützt.
Beat Sigrist schlägt vor, das Wegekreuz vor der Nikolaus-Apotheke erst einmal abzubauen. Auf diese Weise wäre es vor dem weiteren Verfall geschützt. Foto: mlü

Der Angelmodder Beat Sigrist war früher für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe tätig. In einem mehrseitigem Bericht an den Kulturdienst für Denkmalpflege sieht er akuten Handlungsbedarf. „Es handelt sich eindeutig um einen Patienten“, lautet sein Fazit im Gespräch mit unserer Zeitung. „Keiner kann sagen, wie lange das Wegekreuz noch so stehen bleibt. Es kann sein, dass es beim nächsten Sturm einstürzt.“ Länger als fünf bis zehn Jahre gibt er dem Wegekreuz nicht mehr.

Vor knapp einem Jahr hatte sich bereits der Apotheker Markus Kleffner zu Wort gemeldet. Das Wegekreuz steht vor seiner Apotheke und auch ihm war aufgefallen, dass sich große Risse im Gestein gebildet haben und der Sandstein regelrecht zerbröselt. Helfen konnte er nicht: Aktuell ist unklar, auf wessen Grund und Boden das Wegekreuz steht und wer der Eigentümer ist.

Nach Hinweisen aus der Heimatforschung soll es sich um das alte Kreuz Borgmann, früher Ribbe, handeln. Bislang steht das Kreuz nicht unter Denkmalschutz. „Es kann allerdings durchaus sein, dass das einfach vergessen wurde“, gibt Beat Sigrist zu bedenken. Anhand alter Postkarten konnte er belegen, dass das Wegekreuz in der aktuellen Form und Gestalt mindestens 120 Jahre alt ist. Der Sockel ist vermutlich noch älter. Vielleicht kann vom ältesten noch erhaltene Standort eines Wegekreuzes in Wolbeck gesprochen werden. Mündlich überliefert wurde, dass das Wegekreuz im Zweiten Weltkrieg durch Artilleriebeschuss beschädigt und anschließend repariert wurde.

Beat Sigrist würde sich wünschen, dass bewusster mit dem Wegekreuz und seiner Geschichte umgegangen wird und dass es für weitere Generationen erhalten bleibt. Letztlich müssten sich aber die Wolbecker entscheiden, etwas zu tun. Der erste Schritt aber lautet: „Der Eigentümer muss eingeschaltet werden, weil ohne seine Zustimmung keinerlei Erhaltungseingriffe möglich sind“, betont er.

Was wäre nötig, um das Wegekreuz zu retten? „Sobald die Eigentumsfrage geklärt ist, sollte zeitnah der Abbau und die vorläufige Einlagerung der Wegekreuzteile an einem trockenen Ort erfolgen“, schlägt der Experte vor. Denn wenn der Sockel nicht mehr in der Erde steht und von der Feuchtigkeit und Salzen angegriffen werden kann, ist der Zerfall erst einmal gestoppt.

Anschließend könnte in Ruhe geklärt werden, was getan werden kann, um das Wegekreuz wieder fit zu machen und wie diese Maßnahmen finanziert werden können.

Der Abbau des Wegekreuzes hätte einen positiven Nebeneffekt: Beat Sigrist vermutet, dass unter der Erde ein Teil der ehemaligen Sockelinschrift erhalten geblieben ist. Bei einer Probegrabung am Fuß des Sockels ist er erst in 52 Zentimeter Tiefe auf ein Fundament gestoßen. Bisher sind fünf Zeilen Text auf dem Sockel nachweisbar, zwei davon liegen unter der Erde, drei sind an der Luft verwittert.

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