Entlastung ja – aber mit Hürden
Was kommt vom „Sofortprogramm Pflege“ in Wolbeck an?

Münster-Wolbeck -

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zu Jahresbeginn ein Programm für bis zu 13 000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege gestartet. Das Achatius-Haus in Wolbeck konnte zwei dieser so genannten „Spahn-Stellen“ ergattern.

Mittwoch, 18.12.2019, 10:00 Uhr
Für eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ mit Pflegekräften und den Bewohnern bleibt wohl auch trotz der neuen „Spahn-Stellen“ nicht genug Zeit. Trotzdem profitieren Bewohner wie Marianne Schröer (l.) von der Entlastung durch Lara Abdullai (r.) und Elisa Wasserstrass (2.v.l.), hier mit der Pflegedienstleiterin Claudia Mönnigmann (2.v.r.), die dank eines Sofortprogramms eingestellt werden konnten.
Für eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“ mit Pflegekräften und den Bewohnern bleibt wohl auch trotz der neuen „Spahn-Stellen“ nicht genug Zeit. Trotzdem profitieren Bewohner wie Marianne Schröer (l.) von der Entlastung durch Lara Abdullai (r.) und Elisa Wasserstrass (2.v.l.), hier mit der Pflegedienstleiterin Claudia Mönnigmann (2.v.r.), die dank eines Sofortprogramms eingestellt werden konnten. Foto: mlü

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat zu Jahresbeginn ein Programm für bis zu 13 000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege gestartet. Doch bisher erweist sich das Ganze offenbar als Flop – in Nordrhein-Westfalen haben gerade einmal 250 Einrichtungen eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter darüber finanziert.

Das Achatius-Haus in Wolbeck gehört zu diesen rühmlichen Ausnahmen, die es geschafft haben, eine der so genannten „Spahn-Stellen“ zu ergattern. Warum klappt in Wolbeck etwas, das woanders hakt? Und woran hakt es überhaupt? Bevor Heimleiter Bernhard Sandbothe darauf antwortet, möchte er betonen, dass er das Sofortprogramm im Grundsatz für eine gute Idee hält: „Die Pflege hatte noch nie so viel Rückenwind aus der Politik und der Gesellschaft wie jetzt.“ Dass die Politik Erleichterungen für Pflegeheime beschlossen habe, sei sehr willkommen. „Häufig erleben wir ja eher eine Arbeitsverdichtung.“

Doch dann kommt der entscheidende Satz: „Es hätte sicherlich einen weniger bürokratischen Weg gegeben, diese neuen Stellen zu schaffen, zum Beispiel über die Pflegevereinbarung.“ In der Tat beklagen die Heime bundesweit die bürokratischen Hürden und die sehr lange Genehmigungsdauer für die „Spahn-Stellen“. „Bei jeder Gehaltserhöhung oder Versetzung müssen wir einen neuen Antrag stellen“, gibt Sandbothe außerdem zu bedenken.

Für das Achatius-Haus haben die Alexianer diesen Verwaltungskopfstand erledigt. Kleinere Häuser ohne ein starkes Netzwerk im Rücken kapitulieren vermutlich vor dem Papierkram.

Zumal sich jetzt zeigt: Wo keine Fachkräfte sind, kann man auch mit zusätzlichem Geld wenig ausrichten. Das eigentliche Rezept gegen den Pflegenotstand sei deswegen: „ausbilden, ausbilden, ausbilden“, sagt Sandbothe. „Wir suchen unsere Mitarbeiter mittlerweile in der ganzen Welt – in Honduras und Wolbeck gleichermaßen.“

Dieser Strategie steht der immer noch eher schlechte Ruf der Pflegearbeit entgegen. „Wir müssen weiter am Image arbeiten“, betont Sandbothe. „Der Pflegeberuf bietet sichere Jobs und es gibt Entwicklungsmöglichkeiten sowohl in der Spitze als in der Breite.“

Zwei neue Stellen konnten in Wolbeck durch das neue Sofortprogramm des Gesundheitsministeriums geschaffen werden: Für Elisa Wasserstrass hat alles mit einem freiwilligen sozialem Jahr angefangen. „Ich arbeite gerne mit Menschen und im Team – mir gefällt es, dass ich am Ende des Tages weiß, was ich geschafft habe.“ Lara Abdullai wird in der jungen Pflege eingesetzt und sieht das ähnlich. „Natürlich gibt es mal Notfälle oder Stress. Aber daran wachse ich.“

Die Pflegedienstleiterin der beiden neuen Mitarbeiterinnen, Claudia Mönnigmann, ärgert sich: „Seit Jahrzehnten wird über den demografischen Wandel geredet.“ Jetzt wo er da ist, herrsche trotzdem Ratlosigkeit.

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