Nach Ortsbezug war gefragt
Europa, Pewo oder Don Camillo?

Münster-Wolbeck -

Schon mit Beginn der Planungen für den neuen Marktplatz und des neuen Kreisverkehrs wurden in Wolbeck Gedanken laut, einen passenden neuen Namen für beide Aufenthaltsorte zu finden. Franz-Pius Graf von Merveldt, dessen Familie seit 1389 in Wolbeck nachgewiesen ist, hat konkrete Vorschläge parat.

Freitag, 27.12.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 27.12.2019, 17:12 Uhr
Der neue Kreisel und der umgestaltete Marktplatz sind zwar schon länger fertig – was fehlt ist aber eine Namensgebung.
Der neue Kreisel und der umgestaltete Marktplatz sind zwar schon länger fertig – was fehlt ist aber eine Namensgebung. Foto: Norbert Piontek

Schon mit Beginn der Planungen für den neuen Marktplatz und des neuen Kreisverkehrs wurden im Wigbold Gedanken laut, einen passenden neuen Namen für beide Aufenthaltsorte zu finden.

Franz-Pius Graf von Merveldt, dessen Familie seit 1389 in Wolbeck nachgewiesen ist, hat nun konkrete Vorschläge parat. Nein, keine Sorge, es hat nichts mit dem Drostenhof, dem Sitz der Grafenfamilie, zu tun.

Graf von Merveldt erforschte zunächst, welche Namen wohl passen könnten und wo und wie in Münster Plätze oder Kreisel durch ihre Namensbenennung spezifische Ortsbezüge herstellen, als wichtige Punkte für Heimat-Identität, Logistik und Touristik.

Während demnach der Ludgerikreisel oder der Pantaleonplatz in Roxel direkte Orts- beziehungsweise lokale Geschichtsbezüge per Namensgebung herstellen, fehle so etwas in Wolbeck. Beim Kreisel an der Wolbecker Windmühle würde ein Bezug nur durch die rosafarbenen Kunst-Blumen der Künstlerin Hae-Ryun Jeong hergestellt und durch die Pflanzenpflege, die der Gewerbeverein Wolbeck verantwortet. Ein Name fehle aber.

Da der Marktplatz mitsamt neuem Kreisel auch deutlich zentraler und frequentierter ist, sei eine Benennung wichtig, so Franz-Pius Graf von Merveldt. Nebenbei gefragt: Gefällt ihm eigentlich der neugestaltete Marktplatz so, wie er sich jetzt nach der langen Baustellenzeit zeigt? „Eine direkte Aufwertung des Marktplatzes spüre ich subjektiv nicht“, macht er unmissverständlich klar. Grundsätzlich möchte der Graf einfach eine Diskussion zur passenden Benennung anstoßen, die dann auch nachhaltige Ideen zur künftige Gestaltung und Nutzung dieser Ortsmitte initiiere.

„Zum einen könnte man den Marktplatz Don-Camillo-Platz benennen.“ schlägt der 77-Jährige vor. Er spielt damit an die legendären Fünfziger-Jahre-Kinofilme um „ Don Camillo und Peppne“ (mit den Schauspielerin Fernandel und Gino Cervi) an. Das langjährige Rats- und Bezirksvertretungsmitglied Kurt Pölling habe dem Grafen schmunzelnd berichtet, dass bei dem Karnevalsverein die Alten Räuber (Leitung: Rainer Schulz) der ehemalige Pfarrer von St. Nikolaus, Franz Westerkamp, intern bei den Mitgliedern „Don Camillo“ genannt wird.

Weil das Leben nicht nur aus lustigen, sondern auch aus ernsten Dinge besteht, sieht der Graf in den Namen „Don-Camillo-Platz“ eine Erinnerung an die kultigen Komödien, aber auch an die reale Vorlage des Films: Don Camillo Valota (1912 bis 1998) war ein italienischer Pfarrer und – was viele gar nicht wissen – Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er rettete einigen Juden das Leben. Sein Leidensweg führte durch die Konzentrationslager Mauthausen, Gusen und Dachau.

Mit „Don-Camillo-Platz“ könnte auch an die jüdischen Schicksale in Wolbeck während der NS-Zeit gedacht werden. „Der jüdische Friedhof liegt in Fuß-Nähe zum Marktplatz und Kreisel“, ergänzt Franz-Pius Graf von Merveldt. Gleiches gilt auch für die Jochen-Klepper-Straße, die an einen deutschen Theologen erinnert, der durch die NS-Verfolgung 1942 in den Suizid gedrängt wurde.

Ein weiterer Vorschlag von Franz-Pius Graf von Merveldt blickt nicht nur auf die aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklung, sondern auch auf die vitale Ausgeh-Kultur in Wolbeck: „Rund um Marktplatz und Kreisel liegen drei gut laufende italienische Gastro-Betriebe.“ Der Graf meint das „Ristorante Il Carpaccio“, die Pizzeria „Laguna Veneziana“ und das „Eiscafé Misurina“. „Ich bin bei den Italienern gerne zu Gast und sehe auch, dass viele Menschen aus den umliegenden Ortschaften und auch aus der Innenstadt von Münster dort speisen, beziehungsweise sich an den Eis-Spezialitäten erfreuen.“ Des Grafen Lieblingseissorten sind übrigens Amarena und Stracciatella.

Auch könnte man den Platz „Europaplatz“ nennen, denn der Name passe – laut von Merveldt – auch gut zur Demografie Wolbecks: „Gerade in den vergangenen Jahren haben viele Menschen verschiedener Nationalitäten in Wolbeck ein neues Zuhause gefunden und ein Platz ist ja ein idealer weil offener Begegnungsort für Neu- und Altbürger.“ Der Name „Europa“ sei deshalb eine sinnvolle Bezeichnung für Marktplatz und Kreisel. da er symbolisch stehe für 75 Jahre Frieden zwischen Nachbarn und für gegenseitige Unterstützung. „Außerdem, gibt es in Münster noch keinen Europaplatz.“

Und was ist mit dem Ziegenbocksdenkmal auf dem Marktplatz? „Natürlich ist die Bezeichnung Pewo-Platz immer einer Option“, sagt der Graf – in Erinnerung an den „ZiBoMo“-Umzugserfinder Hermann „Pewo“ Peters.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7154740?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F144%2F
Prozess gegen Gestütsspitze beendet
Gerichtsverfahren Landgericht
Nachrichten-Ticker