Besuch im Dachstuhl der St.-Nikolaus-Kirche
Süßer die Glocken nie klingen

Münster-Wolbeck -

„Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit, es ist, als ob Engelein singen“, heißt es im Weihnachtslied. Das gilt ganz sicher auch für die St.-Nikolaus-Kirche. Zumal die Bronzeglocken spannende Geschichten zu erzählen haben.

Dienstag, 31.12.2019, 07:00 Uhr
Am 16. Mai 1662 überstanden die alten Glocken ein verheerendes Feuer.
Am 16. Mai 1662 überstanden die alten Glocken ein verheerendes Feuer. Foto: mlü

Der Weg hinauf zum Geläut beginnt auf einer Außentreppe mit gut ausgetretenen Stufen am Kirchturm. Der Sakristan Siegfried Schlepphorst schließt mit einem langen Schlüssel eine kleine unscheinbare Tür auf, dahinter geht es weiter nach oben. Diesen Teil des Weges kennen noch viele Gemeindemitglieder: Wenn man so will, ist es der „Backstage-Bereich“ für die Chormusiker und Organisten. Noch sind die Treppen großzügig bemessen, das alte Gemäuer wurde nachträglich gedämmt. Unwillkürlich erinnert der Ort an einen verlassene Getreidespeicher oder ein Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert. Dabei ist dieser Teil des Kirchturms sehr viel älter. Das massive Sandstein-Bruchmauerwerk stammt aus der Gründungszeit von Pfarrei und Kirche um 1245.

In der nächsten Etage, einem Raum hinter der Kirchenorgel, steht nichts, außer einem unscheinbaren Holzschrank. Er beherbergt ein perfekt ineinandergreifendes Räderwerk – das mechanische Uhrwerk der St.-Nikolaus-Kirche.

Ein gusseiserner Rahmen hält das Räderwerk, die Seiltrommeln, die Hebel für das Uhrwerk sowie die zwei Schlagwerke. Einmal in der Woche muss das Uhrwerk aufgezogen werden, erläutert der Sakristan. Seile und Stangen verbinden das Uhrwerk mit Zeigern und Hämmern an den Glocken weiter oben im Kirchturm. Erbaut wurde die Uhr vom Turmuhrmacher Bernard Vortmann aus Recklinghausen im Jahr 1894.

Es heißt, dass die Gewichtsplomben des Uhrwerkes seitdem bislang nur einmal heruntergefallen seien. Seitdem steht eine stabile Sandkiste als Auffangbecken neben der Uhr. Gestiftet wurde das Uhrwerk damals von Ferdinand Anton Graf von Merveldt. Der Rittergut­sbesitzer war Abgeordneter im Preußischen Herrenhaus.

Es geht weiter hinauf – in Gefilde, die nur selten betreten werden. Zum Beispiel am Karfreitag: Denn auf dieser nächsten Etage führt eine schmale und niedrige Tür, an der man sich leicht den Kopf stoßen könnte, in den Kirchstuhl. Mit einem Elektromotor lässt sich das schwere Triumphkreuz über der Mitte des Hauptschiffes herunterlassen, um es in der Fastenzeit zu verhüllen. Laut Kirchenführer dürfte das Kreuz zwischen 1450 und 1500 entstanden sein. Es gibt eine Legende, nach der ein Landsknecht einen hellen Schein am Fluss gesehen haben soll. „Am Ufer fanden die Wolbecker das Kruzifix, das sie sogleich in die Kirche trugen“, heißt es.

Die nächste Treppe ist schmal und führt zum Geläut. Bis 1956 besaß die Wolbecker Kirche vier Glocken, von denen drei oben im Turm erklangen. Die vierte gab den Zeitschlag an. Pfingsten 1956 erhielt die Kirche dann ihre Christkönigsglocke, sie ist klanglich die tiefste. Für wenige Jahre war im Geläut von St. Nikolaus zusätzlich die Glocke der jetzt wieder aufgebauten Antonius-Kapelle untergebracht.

Die eigentlichen Stars sind aber die drei Glocken aus dem 15. Jahrhundert. Die vermutlich älteste, die Nikolausglocke, stammt aus dem Jahr 1487 oder 1489. Sie trägt die Inschrift: „Jedesmal, wenn ich gezogen werde, sollt ihr auf mich hören. Ich rufe euch zu den Freuden des Lebens. Die Verstorbenen beklage ich, die Lebenden rufe ich, die Blitze breche ich.“

Am 16. Mai 1662 brach in Wolbeck ein Feuer aus. 40 Häuser und das Pfarrarchiv wurden zerstört. Sogar das Dach der Kirche brannte. Wie durch ein Wunder haben die drei alten Glocken diesen Brand überstanden.

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