Das letzte von zehn Bildern der Wandelkrippe in St. Nikolaus wird am Freitag abgebaut
Maria und Josef verabschieden sich

Münster-Wolbeck -

Seit Jahrzehnten kümmert sich ein engagiertes Team um die Wolbecker Wandelkrippe

Dienstag, 04.02.2020, 18:24 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 18:31 Uhr
Ein gut eingespieltes Team sorgt seit Jahren für Auf-, Um- und Abbau der Wolbecker Wandelkrippe (v.l.): Monika Bolwin, Dorothee Schulte-Scherlebeck, Resi Erdbrügge und Hermine Möllers. Sandra Klein gehört mit zum Team, fehlt aber auf dem Bild. Rechts Vroni Artmann, die ein Buch über die Krippe geschrieben hat.
Ein gut eingespieltes Team sorgt seit Jahren für Auf-, Um- und Abbau der Wolbecker Wandelkrippe (v.l.): Monika Bolwin, Dorothee Schulte-Scherlebeck, Resi Erdbrügge und Hermine Möllers. Sandra Klein gehört mit zum Team, fehlt aber auf dem Bild. Rechts Vroni Artmann, die ein Buch über die Krippe geschrieben hat. Foto: isa

„Dieses ist mein Lieblingsbild“, schwärmt Dorothee Schulte-Scherlebeck . Die Rede ist von der aktuellen Szene der Wolbecker Wandelkrippe, die zeigt, wie der greise Simeon sich über den Anblick des Jesuskindes freut, das von Josef und Maria in den Tempel gebracht wurde. Die Darstellung sei „sehr dekorativ und enthält viele, liebevoll gestaltete Details“, erläutert Schulte Scherlebeck: „Das Gewand des Simeon wurde zum Beispiel aus dem Sonntagskleid von Schwester Agnes genäht.“ Die im Jahr 2002 verstorbene, herzlich-zupackende Gemeindeschwester war in Wolbeck wohl bekannt. Wer Simeon und die Heilige Familie noch sehen will, muss sich beeilen: Am Freitagmorgen werden die Figuren abgebaut und wieder eingelagert.

Die Begebenheit im Tempel ist Inhalt des letzten von zehn Bildern, mit denen in der St.-Nikolaus-Kirche die Weihnachtsgeschichte Jahr für Jahr präsentiert wird, sozusagen „in Etappen“. Vom Prolog, in dem Isaias und Israel Gott um das Kommen des Erlösers bitten, über die Verkündigung durch den Engel Gabriel, die Herbergssuche, die Geburt des Kindes und den Besuch der Könige bis zur Flucht nach Ägypten.

Dafür, dass die einzelnen Bilder pünktlich auf- und abgebaut werden, sorgt ein Team von Frauen und Männern, die von November bis Februar ungezählte Stunden im Einsatz sind. „Viel Arbeit, aber auch viel Spaß“ haben sie dabei, bestätigen Monika Bolwin und Hermine Möllers, die seit 25 Jahren dabei sind. Seit 20 Jahren hilft Resi Erdbrügge mit, vor sechs Jahren kam Sandra Klein dazu. Sie ist die jüngste „und muss immer auf dem Podest herumklettern und die Figuren ausrichten“. Dorothee Schulte Scherlebeck war 15 Jahre in Sachen Krippe aktiv und stieg in diesem Jahr nach einer Pause wieder ein. Ein Männerteam, bestehend aus Bernhard Möllers, Matthias Hülsmann, Dieter Wulfers, Günther Schmedding und weiteren, kümmert sich um „schwere Sachen“. Sie holen den Unterbau aus dem Keller und bringen ihn später wieder zurück. Franz-Josef Schwegmann ist „schon ewig“ für die Ausstattung mit Tannengrün, für Elektrik und mehr zuständig.

Was ist das Besondere an der Krippe, die jedes Jahr aufs Neue mit so viel Engagement errichtet wird? Ihre Geschichte ist schnell erzählt: 1940 erwarb die Gemeinde St. Nikolaus die Heilige Familie von einer Holzschnitzerei in Süddeutschland. Die Wolbeckerin Gertrud Böckmann half beim Einkleiden der etwa einen halben Meter hohen, in den Gelenken beweglichen Figuren. Da sie künstlerisch begabt war, kümmerte sie sich weiterhin um die Krippe, die aus Spendengeldern im Lauf der Zeit um Hirten, Schafe, Könige und andere Figuren erweitert wurde. Dorothee Schulte-Scherlebeck ist Gertrud Böckmanns Tochter. „Krippenarbeit war Familiensache“, sagt sie lachend. „Es verging kein Winterspaziergang, bei dem wir nicht nach schönen Steinen oder Wurzeln Ausschau hielten.“

Unterstützt wurde Gertrud Böckmann von einigen Messdienern und Pfadfindern, „speziell von Willi Möllmann, Heinz Bäumer und Willi Osthues“, erinnert sich Schulte Scherlebeck. „Für die musste ich nach getaner Arbeit Spiegeleier braten.“

Nach der Renovierung von St. Nikolaus im Jahr 1965 „wanderte“ die Krippe von der linken auf die rechte Seite der Kirche“, berichtet Vroni Artmann, die die Geschichte der Krippe erforschte und vor einigen Jahren ein Buch darüber veröffentlichte. „Da jetzt mehr Platz war, entwarf Küster Winfried Pabst eine große Platte als Unterkonstruktion, die die Firma Blomberg herstellte.“ Gemeinsam mit seiner Frau stellte Pabst viele Details her, etwa ein Lagerfeuer, einen Dudelsack sowie weitere Instrumente für die Hirten. Auf Anregung des damaligen Pfarrers Conrad konzipierte Pabst auch das Bild „Darstellung des Herrn im Tempel“, das aktuell zu sehen ist. Armando de Sousa und Aloys Janz halfen der 1977 verstorbenen Gertrud Böckmann bei der „Krippenarbeit“. Am Krankenbett hatte Schwester Agnes Rosing versprochen, Böckmanns Aufgabe zu übernehmen, was jahrelang „mit vollem Engagement tat“. „Sonntags ist Krippe“ – lautete einer ihrer resoluten Sprüche, mit denen sie ihr Team anspornte. Und dieses Team wird wohl auch im November 2020 aufs Neue mit den Aufbauarbeiten beginnen.

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