Eichenprozessionsspinner: Stadt nimmt Stellung zur Anpflanzung
„Neue Eichen belasten nicht zusätzlich“

Münster-Wolbeck -

Das Amt für Grünflächen und Naturschutz der Stadt Münster rechtfertigt die Anpflanzung von jungen Stieleichen im Neubaugebiet Petersheide in Wolbeck. Den Ärger der Anwohner kann Martin Krabbe nicht verstehen.

Mittwoch, 12.02.2020, 07:33 Uhr aktualisiert: 12.02.2020, 10:31 Uhr
Eichenprozessionsspinner: Stadt nimmt Stellung zur Anpflanzung: „Neue Eichen belasten nicht zusätzlich“
Nach Ansicht der Stadt führen die neu gepflanzten Eichen links neben dem Bach nicht zu einer zusätzlichen Belastung von Anwohnern durch den Eichenprozessionsspinner. Foto: Bettina Laerbusch

Das Amt für Grünflächen und Naturschutz kann den Ärger der Anwohner am Hoffmannweg im Neubaugebiet Petersheide in Wolbeck über die Anpflanzung von neuen Eichen nicht nachvollziehen.

„Zur Entwicklung des Baugebietes Petersheide wurde ein teilweise verrohrter Bachlauf geöffnet und verlegt, um die Ausnutzung der Baulandfläche zu verbessern“, beginnt Martin Krabbe seine Erläuterungen in einer Stellungnahme des Grünflächenamtes. Im dem Baugebiet sei durch eine Gewässerverlegung ein leicht geschwungener Bachverlauf entstanden, der – verbunden mit variierenden Böschungsneigungen – ein naturnahes Landschaftselement schaffe. Entgegen der Verrohrung biete der offene Bachlauf den Bürgerinnen und Bürgern jetzt eine Bereicherung des Orts- und Landschaftsbildes sowie der heimischen Tierwelt einen neuen Lebensraum. Dies schaffe einen Ausgleich vor Ort für die Verluste am Naturhaushalt durch die Bebauung.

Rücksichtsvolle Bepflanzung

Krabbe weiter: „Infolgedessen orientiert sich auch die Bepflanzung des Gewässerlaufes an den naturräumlichen Vorgaben.“ Diese nehme Rücksicht auf angrenzende Nutzungen wie einen Spielplatz, den Kindergarten sowie auf die Notwendigkeit, das Gewässer für Unterhaltungsarbeiten zu erreichen. „Der Pflanzplan zur Gewässerplanung sieht im Nahbereich von Kinderspielplatz und Kindergarten die Verwendung von Spitzahorn vor. Hier wird der Nutzung der Räume durch die Artenauswahl Rechnung getragen und vermieden, dass weitere Ansiedlungsmöglichkeiten für den Eichenprozessionsspinner geschaffen werden“, erläutert Krabbe.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Im Bereich des Gewässers südöstlich des Hoffmannweges liege der neue Gewässerverlauf jedoch parallel einer gewachsenen Heckenstruktur mit einem Bestand aus älteren Eichen. Diese frei wachsende Hecke – mehrere circa 100 Jahre alte Eichen seien Teil dieser Hecke – markiere die Grenze zur freien Landschaft. Sie sei in ihrer Artenzusammensetzung naturnah und habe eine ökologisch bedeutende Vernetzungsfunktion für den Landschaftsraum und das Baugebiet.

Alte Eichen für Belastung entscheidend

Krabbe unmissverständlich: „Die Ergänzung von fünf Stieleichen auf einer Länge von circa 120 Metern ordnet sich somit der vorhandenen prägenden Heckenstruktur unter. Bedenken hinsichtlich zusätzlicher Belastungen durch den Eichenprozessionsspinner sind aus Sicht der Verwaltung nicht zu befürchten.“ Die Belastung durch den Spinner, so Krabbe weiter, werde bestimmt über die große Anzahl der alten Eichen und nicht über eine untergeordnete Nachpflanzung.

Im Gespräch mit dieser Zeitung gab Krabbe darüber hinaus zu bedenken, dass Baumarten, die an beschriebener Stelle gepflanzt werden sollten, auch Wasser (Stichwort Bach) vertragen müssten. Und auch andere Arten seien schädlingsgefährdet, Esche und Erle etwa durch Pilzbefall problematisch.

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