Natalie Stefanski: Einsatz für andere Menschen
„Hier gibt es Kinderarmut“

Münster-Südost -

Kinder liegen ihr sehr am Herzen. Noch mehr müsse für die Bildung von Mächen und Jungen getan werden, die in schwierigen Lebenssituationen steckten. Wer das gesagt hat? Die (fast) neue Frau in Münster-Südost. Natalie Stefanski. Die alte Menschen vergisst sie dabei nicht.

Dienstag, 18.02.2020, 12:19 Uhr
Versteckt am Bonnenkamp liegt das Beratungsbüro der Caritas. Natalie Stefanski gehört seit einem halben Jahr zum Team.
Versteckt am Bonnenkamp liegt das Beratungsbüro der Caritas. Natalie Stefanski gehört seit einem halben Jahr zum Team. Foto: Bettina Laerbusch

Sie ist neu im Stadtbezirk. Sogar in Münster. Fast jedenfalls. Seit dem Sommer 2019 ist Natalie Stefanski , 47 Jahre jung und Mutter dreier Kinder, in der Caritas-Beratungsstelle Süd – Adresse: Bonnenkamp 73 in Angelmodde – Ansprechpartnerin für Menschen in Angelmodde, Wolbeck und Gremmendorf, die Hilfe brauchen. Besser gesagt: Sie ist unter anderem in der Beratungsstelle Ansprechpartnerin, denn die 47-Jährige sitzt natürlich nicht den ganzen Tag im Büro.

Natalie Stefanski leitet den Arbeitskreis „Älterwerden in Wolbeck“. Sie besucht alle zwei Wochen ein älteres Ehepaar. Der Mann hat lange Zeit seine pflegebedürftige Frau allein versorgt, jetzt ist er selber krank geworden. Stefanski schaut, ob alles gut läuft – mit dem Pflegedienst zum Beispiel. „Ich bin sicher“, sagt sie, „dass es in Angelmodde, Gremmendorf und auch in Wolbeck weitere ältere Menschen gibt, die zum Teil auch alleine wohnen, die Hilfe dringend brauchen würden.“ Sie schämten sich womöglich, sich zu melden, oder wüssten gar nicht, dass es die Beratungsstelle gibt. Sie könnten sich unkompliziert unter Telefon 02 51/62 58 37 melden. Wenn der Anrufbeantworter laufe, sollten sie bitte unbedingt zumindest die Telefonnummer und den Namen nennen – „bitte nicht sofort auflegen“. Wer auflege, den rufe sie nicht zurück – „das schaffe ich nicht“. Hausbesuche auch bei Familien mit Kindern, die der 47-Jährigen sehr am Herzen liegen, gehören ebenfalls zu ihrem Aufgabenfeld.

Eine echte Ruhrpottpflanze

Wer ist diese Frau, die sich für andere einsetzt? Geboren wurde Natalie Stefanski in Bochum. Eine Ruhrpottpflanze, sagt sie selbst lachend, sei sie. Eine echte. Sie hat Energie, keine Frage. Ist strukturiert. Redet nicht lange, sondern handelt. Die 47-Jährige hat nach der Schule zunächst als Verwaltungsangestellte bei der Stadt Bochum gearbeitet, war dort auch im Presseamt tätig. Im Laufe ihres beruflichen Werdegangs war sie in der Regionalstelle „Frau und Beruf“ im Einsatz und bekam dort den ersten Kontakt zur sozialen Arbeit. Bei der Entwicklungsgesellschaft Ruhr – da ging es um Baupläne und Infrastruktur – war sie angestellt. Mit einer Architektin arbeitete sie dort eng zusammen. „Ich habe da viel gelernt.“ In der Elternzeit begann die junge Mutter dann Soziale Arbeit und Theaterpädagogik zu studieren. „Das wollte ich schon immer machen.“

Dreigleisiger Einsatz

Aktuell fährt Natalie Stefanski sozusagen zweigleisig – oder sogar dreigleisig: Dienstags bis donnerstags ist sie mit 19,5 Stunden in den drei hiesigen Stadtteilen im Einsatz, die übrige Zeit widmet sie sich freiberuflich Theaterprojekten außerhalb Münsters – und ganz privat ihrem Mann und den drei Kindern.

Seit einem guten halben Jahr ist die 47-Jährige jetzt also Sozialberaterin in Münsters Süden beziehungsweise im Südosten. Menschen kämen ins Büro, weil sie Mahnbescheide von der GEZ erhalten hätten oder Briefe von der AOK, den Stadtwerken oder vom Vermieter und einfach nicht wüssten, wie sie damit umgehen sollten. 13-seitige Anträge – denen kann man schon vollkommen hilflos gegenüberstehen. Menschen kommen in finanziellen Notlagen, wenn die kleine Rente nicht ausreicht, um die Waschmaschine reparieren zu lassen.

Die offene Sprechstunde in der Beratungsstelle am Bonnenkamp ist immer mittwochs von 14 und 16.30 Uhr. Die Beratungsstelle, findet auch Natalie Stefanski, liege schon sehr versteckt. Nur, wer sie gezielt ansteuert, sieht sie.

Kinder müssen abgeholt werden

Die 47-Jährige sieht die dringende Notwendigkeit, noch mehr für die Bildung von Kindern zu tun, die in schwierigen Lebensverhältnissen aufwachsen. Die Kinder müssten im wahren und direkten Sinn des Wortes „abgeholt werden“. Eine alleinerziehende Mutter mit vier Kindern könne nicht mal eben mit ihren Kindern schwimmen oder ins Kino gehen. „Hier gibt es Kinderarmut“, sagt die dreifache Mutter klar. Mit „hier“ meint sie Wolbeck, Angelmodde und Gremmendorf. Doch es gehe beim Thema Bildung nicht nur um zu wenig Geld, stellt sie klar, sondern auch darum, dass Eltern in schwierigen Lebenssituationen zeitlich und mental einfach nicht in der Lage seien, sich um jedes Kind so zu kümmern, wie es richtig wäre. Kindern Bücher zur Verfügung zu stellen, zu schenken, sei ein erster Schritt zu mehr Bildung.

Was Stefanski übrigens überhaupt nicht versteht, ist, dass es in Münster keine richtige Möbelbörse gibt: „Schauen Sie sich mal im Internet die Möbelbörse der Caritas in Herne an.“

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